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Schäftersheim. Es ist ein Tag wie jeder andere. Nur die Sonne scheint ungewöhnlich warm an diesem Oktobertag. An einem Rasenstück, nahe einer verkehrsreichen Straße in Weikersheim sitzt er. Schwarzes Näschen, schwarze Äuglein. Kaum wurde er entdeckt, will er auch weg. In die andere Richtung. Ein kleiner Igel, mitten am Tag unterwegs – und weit und breit keine Igelmutter in Sicht.
Da stimmt etwas nicht. Das sieht der Betrachter gleich, dieser Igel ist klein. Viel zu klein für Ende Oktober. Sofort meldet sich das Helfersyndrom. In der Not werden Anwohner gefragt. Die können mit einem Karton helfen. Zum Schutz gegen die Igelstacheln, wird provisorisch die Jacke über die Hände gezogen und der Igel gegriffen. Platz findet das Tier im Karton. Sogleich rollt er sich zur stacheligen Kugel zusammen.
Was tun? Anrufe im Tierheim verlaufen ergebnislos. Ein Igel ist ein Wildtier und Tierheime und andere Tierschutzorganisationen kennen sich damit leider wenig aus. Tierärzte sind nicht immer Igelkundig und können das Tier allenfalls notversorgen, aber auch nicht übernehmen. Deshalb haben sie sich auch einen Namen besonders gemerkt. Der wird dem Igelfinder weitergereicht: Chris Kilimann aus Schäftersheim mit ihrer privaten „Igel-Nothilfe-Taubertal“.
Chris Kilimann weiß momentan nicht wohin, mit all den tierischen Igel-Gästen. Herbst ist Hauptsaison für die ehemalige kaufmännische Betriebsleiterin und ihre Igel-Nothilfe: Fast täglich werden kranke oder geschwächte Igel bei ihr abgegeben. Dafür hat sie sich über die Jahre professionell mit einer Lupenlampe, Mikroskop, Pinzetten und geeignetem Katzenfutter ausgestattet – und alles aus eigener Tasche bezahlt. In ihrem Wohnzimmer hat sie Boxen gestapelt. Darin leben ihre kleinen Schützlinge, wenn sie nicht gerade beim Tierarzt sind und auf Lungenwürmer, Darmsaugwürmer und andere Parasiten, die ihnen das Leben schwer machen, behandelt werden. Im Garten hat sie zudem fachmännisch Igelbehausungen errichtet, für die robusteren Tiere, die nur einen Winter-Unterschlupf benötigen und einfach mal vorbeikommen – viele dieser Igel sind alte Bekannte, die sie einstmals gesund pflegte. Es hat sich wohl auch in der Igelwelt herumgesprochen, dass Chris Kilimann ein Herz für Igel hat.
Auch der Igelfund aus Weikersheim ist bei ihr gestrandet. Er wird auf den Namen Spencer getauft, genauestens von Chris Kilimann untersucht und bekommt seine eigene Box. Bei Bedarf wird ihm auch eine Wärmflasche unterlegt.
„Etwas stimmt nicht mit dem kleinen Igel“, erklärt Chris Kilimann. Der Igel war tagsüber unterwegs. Tagaktivität ist bei Igeln immer ein Alarmzeichen. Sie verschlafen den Tag und gehen ab Dämmerungseinbruch auf Nahrungssuche. Oft deuten auch schon Fundort und -umstände (Straße) auf Verletzungen hin. Auf kranken Igeln sitzen in der warmen Jahreszeit häufig Schmeissfliegen, die ihre Eier ablegen. Kranke Igel sind apathisch, rollen sich kaum ein, sind oft mager. Ihre Augen stehen nicht halbkugelig hervor, sie sind eingefallen, schlitzförmig. „Ein gesunder Igel ist niemals bei Tag unterwegs,“ unterstreicht Chris Kilimann. Ausnahmen bilden aufgestörte Igel, wenn z.B. ein gesundes Tier einen neuen Unterschlupf suchen muss. Spencer wiegt gerade einmal 310 Gramm und darf bei Chris Kilimann bleiben, die ihn auch noch auf Parasiten untersuchen wird.
Chris Kilimann führt Protokoll über alle ihre Igel. Denn Igel zählen nach den Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes zu den besonders geschützten Tierarten. Es ist verboten, sie grundlos aufzunehmen. Ausnahmen gelten nur für kranke, verletzte und hilflose Igel. Solche hilfsbedürftigen Igel dürfen vorübergehend in menschliche Obhut genommen werden. Sie müssen unverzüglich in die Natur entlassen werden, wenn sie sich dort selbstständig erhalten können.
Als Chris Kilimann vor zehn Jahren mit der Igelpflege begann, war die Anzahl ihrer Schützlinge überschaubar. Jetzt bekommt sie fast täglich Anrufe, über neue Igel-Funde. „Ich kann beim besten Willen nicht alle Tiere aufnehmen“, erklärt die Igel-Fachfrau. Aber natürlich unterstütze und berate sie gerne Igelfinder. Igelpflege, so wie sie Chris Kilimann praktiziert, ist ein 24 Stunden-Job. Auf ihrem Programm stehen mehrere Tierarztbesuche in der Woche. Und das Pflegeprogramm eines kranken Igels ist so umfangreich, dass bei Chris Kilimann vor zwei Uhr nachts an Schlaf nicht zu denken ist. Aber nicht nur zeitintensiv ist die Igelpflege. So langsam weiß Chris Kilimann nicht, wie die Pflege- und Tierarztkosten zu bezahlen sind.
Deshalb sucht sie dringend tierliebe Menschen, die ihre Arbeit finanziell unterstützen möchten. Insbesondere wünscht sie sich, Paten für ihre Igelkinder.
„Was kann man schöneres für den Naturschutz tun, als einen Igel zu retten und ihn ein Stückchen auf seinem Lebensweg zu begleiten?“, findet Chris Kilimann. Die Höhe der finanziellen Beteiligung kann jeder selbst bestimmen und es gibt für den Igel-Paten regelmäßig Updates und Fotos des Tieres, bis zu seiner Auswilderung. „Gerne dürfen die Paten ihrem Igel auch einen Namen geben“, erklärt sie augenzwinkernd.
Wenn jemand gern selbst die Verantwortung für die Pflege eines Igels übernehmen möchte, oder die Möglichkeit der Überwinterung oder der Auswilderung in einem geeigneten Areal hat, kann mit jeglicher Unterstützung und Begleitung Chris Kilimanns rechnen.
Igel Spencer hatte Glück. Für ihn war der Tag im Oktober kein Tag, wie jeder andere. Es war ein Glückstag, dass er gefunden wurde und so ein Plätzchen bei der Igel-Nothilfe fand. Ein glücklicher Zufall, der vermutlich sein Leben rettete.

Infos zu den Igeln gibt es auch unter Chris Kilimanns Blog „Igeline + Co“. Wer Pate eines Igels werden möchte meldet sich unter Chris Kilimanns E-Mail-Adresse: c.dreamcatcher@t-online.de. Wer ihre Arbeit für die Igel finanziell unterstützen möchte, kann dies unter dem Spendenkonto: Igel-Nothilfe-Taubertal, VR-Bank Mittelfranken, IBAN DE 307656 0060 0004 099184 tun.

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