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Kennen Sie die Geschichte von Anneliese Michel? Fast auf den Tag genau vor 40 Jahren verstarb die damals 23-Jährige. An ihr wurde ein Exorzismus durchgeführt, weil sie angeblich vom Teufel besessen war. Ein fataler Irrtum, der der jungen Frau das Leben kosten sollte. Passiert ist der letzte Exorzismus, der sogar in Hollywood verfilmt wurde, im nahegelegenen Klingenberg – BlickLokal fasst den Fall heute für Sie noch einmal zusammen.

Anneliese Michel Klingenberg

Anneliese Michel bevor die Exorzismen begannen. Im Netz gibt es auch Bilder und Tonbandaufnahmen von späteren Tagen, die wir Ihnen ersparen möchten.

Die Michels haben ein Sägewerk in Klingenberg, sind streng katholisch. Anneliese besucht das Gymnasium in Aschaffenburg, gilt als hochintelligent. Sie studiert in Würzburg Theologie, begibt sich 1973 in psychatrische Behandlung, ist häufig krank, leidet an Epilepsie. In eine Klinik will sie nicht. Dabei hört sie Stimmen, Klopfen im Schrank, die Hölle soll mit ihr gesprochen haben. Ein EEG stellt eine Schädigung des Hirnlappens fest – wahrscheinlich der Auslöser der Psychosen.

Eine Wallfahrtsleiterin glaubt spirituelle Probleme bei Michel zu erkennen. Michel stellt sich einem geistlichen in Aschaffenburg vor, der keine Anhaltspunkte erkennt. Allerdings wird Michel an Kaplan Ernst Alt vermittelt und das Drama nimmt seinen Lauf. Im September 1974 stellt Alt „Umsessenheit“ und spricht am 1. Juli 1975 den ersten Exorzismus aus, Michel zieht sich immer mehr zurück, wird schwächer, unterbricht da Studium. Der Würzburger Bischof Stangl stimmt erstmals einem kleinen Exorzismus zu, der im August folgt. Michel baut weiter ab, verweigert Nahrung, isst Insekten, trinkt Urin, schläft kaum. Selbst Pfarrer Alt rät zur Einweisung in eine Nervenklinik. Michel und ihre Eltern lehnen ab.

Bischof Josef Stangl war an den Exorzismen beteiligt.

Bischof Josef Stangl war an den Exorzismen beteiligt.
Foto: Wikipedia/Ekpah

Ein großer Exorzismus wird unter Beihilfe des Elsenfelder Pfarrers Arnold Renz durchgeführt. Die Teufelsaustreibung wird bis zum Tod von Michael am Anfang Juli ganze 67 Mal durchgeführt und sogar auf Tonband aufgezeichnet. Michel spricht mit veränderter Stimmte, ruft heftige Ausdrücke – für die Geistlichen sind es die Dämonen, die aus ihr sprechen. Ohne Aufsehen zu erwecken pendelt sie zum Studium. Ein Leben zwischen Uni und Teufelsaustreibung. Als die Fastenzeit 1976 beginnt, isst Michel nichts mehr, weil Stimmen es ihr verboten haben sollen. Sie quält sich selbst, knie stundenlang und schlägt dabei den Kopf auf den Boden. Im April kann sie das Bett nicht mehr verlassen. Der Besuch eines Arztes wird verhindert.

Michel baut weiter ab, verletzt sich selbst immer schlimmer, will Löcher in die Wand beißen, macht 500 Kniebeugen am Tag. Sie wird ans Bett gefesselt, weiter exorziert. Zum letzten Mal am 30. Juni 1976, wiegt bei 1,66m nur noch 31 Kilo und stirbt zwei Tage später. 1978 wird Michel exhumiert, weil eine Schwester angeblich eine Erscheinung hatte und Michel nicht verwest sein soll. Ein Irrtum. Die Eltern und die Priester werden zu je 6 Monaten auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Bis heute bleibt Klingenberg trotz seiner Festspiele und Weine international wegen dem letzten Exorzismus bekannt, den die Kirche offiziell erlaubte. 2005 erscheint „Der Exorzismus der Emilie Rose“, ein Jahr später „Requiem“, die das Leben von Michel zeigen. Einer jungen Frau, die vielleicht heute noch leben könnte, wenn sie damals die richtige Behandlung erfahren hätte.

Der Grabstein von Anneliese Michel BlickLokal

Der Grabstein von Anneliese Michel
Foto: Wikipedia/Offenbacherjung

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