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Weltweit größte Ausbildungsveranstaltung in der technischen Hilfeleistung

Mosbach/Neckar-Odenwald-Kreis (BT). Vier Tage auf dem Gelände des „Trainingscenter Retten und Helfen“ (TCRH) in der ehemaligen Bundeswehrkaserne am Hardberg über Mosbach standen die Zeichen auf Alarm. Knapp 300 Feuerwehrmänner aus dem Kreisfeuerwehrverband Neckar-Odenwald waren mittendrin in der weltweit größten Aus-bildungsveranstaltung. Sie unterstützten die Organisation und die Ausbilder. Hinter der Idee der Veranstaltung stand Reiner Stuber. Er hatte 1997 eine amerikanische Version erlebt und dachte 2003 so etwas macht absolut Sinn. Training an gecrashten Autos, LKWs und auch Straßenbahnen, das gab es so damals in Deutschland noch nicht. Als Mitarbeiter des Veranstalters Weber Rescue Systems hatte er das richtige Gespür. Das Unternehmen produziert in Güglingen bei Heilbronn hydraulische und pneumatische Rettungsgeräte. Dazu kommen noch Zusatzausrüstungsgeräte für die Stabilisierung, Sicherungs-Systeme, Schutzausrüstungen, Rettungsplattformen und Soft-ware-Informationssysteme. In dieser Datenbank werden die Fahrzeugaufbauinformationen an welchen Stellen zum Beispiel die Auslöser für Airbags verbaut sind, aktuell gehalten. Eine Ausstattung, die aus dem Rettungseinsatz nicht mehr wegzudenken ist. „Feuerwehrleute sind wie große Kinder – sie brauchen einen Spielplatz! Dafür ha-ben wir mit den RescueDays 2003 und mit 80 Teilnehmern gestartet“ so Stuber. In Mosbach fanden nun die 17. RescueDays statt und 800 Einsatzkräfte wurden in zwei zweitägigen Schulungsdurchgängen an insgesamt acht Stationen geschult. Die rund 100 Schulungsleiter trainierten in Englisch und Deutsch an Stationen mit Titeln wie LKW-Rettung, „Sichern, Stabilisieren und Heben“, Erstsicherung Gebäude, Moderne Fahrzeugtechnik, Kettenrettung, Crossramming/Patient im Fokus, PKW auf Barriere und PKW unter Trailer. Unvorstellbar ist die Sammlung an Autos und LKW-Führerhäusern, die pro Station benötigt wurden, damit das Schneiden, Spreizen, Öffnen geübt werden konnte. Allein für die Station der Kettenrettung wurden „trockene“ Autos (ohne Öle und Bremsflüssigkeiten) in der Woche vor der Veranstaltung präpariert. Diese Autos verschiedenster Marken wurden mit Stoffpuppen in Lebensgröße besetzt. Ein 100-Tonnenkran zog sie auf eine Höhe von mindestens 45 Metern, um sie dann fallen zu lassen. Die Höhe sollte einen Auffahrunfall mit circa 50 km/h simulieren. Die LKW-Führerhäuser wurden ein Jahr lang in ganz Deutschland gesammelt. Ein echtes Highlight sind die 50 Nullserien-Autos, die den Teilnehmern die Möglichkeit eröffnen, Dächer abzuschneiden und Türen zu öffnen, was sie ja an frischen Autos niemals machen dürften. Neueste strukturgebende Materialien kommen da zutage. In einem Holm treten plötzlich weniger Metall und mehr Carbon zutage. Oder die Seitenscheiben sind überraschenderweise aus Verbundglas und nicht mehr mit einem einfachen Klick zu zerstören. Auch die Airbag-Auslöser im Blick zu haben, gehörte zur Ausbildung am modernsten „Gerät“. Auch das Thema „Wie lösche ich ein mit Batterie getriebenes Auto?“ konnte mit den Spezialisten an einem Informationsstand diskutiert werden. Die Seminarteilnehmer kamen aus der ganzen Welt. In den Gruppen berührten sich Feuerwehrleute aus 23 Nationen. Von Südafrika, Australien, Japan über die Mongolei bis nach Spanien reichten die Fachleute, die kamen, um hier eine einzigartige Lernsituation zu erleben. Ziel neben den vorbereiteten Stationen ist immer auch der Austausch zwischen den Menschen. „Wie rettet ihr in den USA?“ Hier gilt die Priorität, das Unfallopfer muss so schnell wie möglich aus dem Auto. „Egal wie, das kann schon mal bedeuten“, so wurde untereinander gefrotzelt „Lieber taub als tot!“ In Europa schaut man sich zunächst die Unfallopfer an und wählt danach die sanfteste/effektivste Methode. Bei der Station des quer gegen einen Baum gecrashten Autos, saß zum Beispiel das Unfallopfer in Begleitung eines Feuerwehrmannes unter einer durchsichtigen Schutz-decke, damit der Verletzte die Rettungsmaßnahmen verfolgen konnte und auch während der massiven Eingriffe am Auto beruhigt werden kann. Matthias Grimm, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbands, freute sich, dass die Veranstaltung nach Mosbach gekommen ist. Das sei ein einmaliges Ereignis, das so schnell nicht wieder kommen wird.
Das für Katastrophenschutz-Trainings präparierte TCRH-Gelände war ein idealer Standort mit den „einsturzgefährdeten“ Gebäuden, in denen auch Suchhunde trainiert werden. Und da der Kreisfeuerwehrverband mit rund 300 Mann unterstützt – sei „dies zusätzlich eine riesige Fortbildung für die Feuerwehren im Landkreis. Nächstes Jahr geht der Tross mit seiner Veranstaltung nach München“, so Matthias Grimm, der mit leuchtenden Feuerwehr-Augen und seiner Kamera die Veranstaltung begleitete. Parallel zu den Seminaren fand noch ein Symposium mit erlesenen Referenten, eine Ausstellung mit weiteren Anbietern von Feuerwehr-Ausrüstung und am Sonntag öffnete sich das Trainingsgelände auch für Besucher.

 

Fotos Beate Tomann und Matthias Grimm

 

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