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8. Ausfahrt des Dt. Traditionsfahrclubs im Raum Dinkelsbühl

Dinkelsbühl(hm). Über Jahrhunderte war das Pferd vor dem Wagen nicht nur Arbeitskraft für Landwirtschaft, Handel, Militär, Personenbeförderung und Wirtschaft, sondern auch ein gutes Medium zur Selbstdarstellung seines Besitzers. Adel und Bürgertum verwendeten es mit exquisiten Kutschen zur Repräsentation. Beinahe legendär sind die abendlichen Spazierfahrten der Herrschaften in den Alleen der Großstädte, wo man sich in nobler Aufmachung zeigen konnte, um gesehen zu werden und auch um selbst die „Konkurrenz“ begutachten zu können.

Zu bewundern gab es zahlreiche Traditionsfahrer und deren historische Gespanne. Fotos: Fritz Meiser

In den letzten Jahren hat die Freude an stilechten schönen Gespannen wieder zugenommen. Besonders Belgien und Frankreich haben bereits seit Jahren in einer Vorreiterrolle das Traditionsfahren in ihren Ländern wieder etabliert. Etwa ab dem Jahr 2000 beteiligten sich erstmals auch deutsche Gespannfahrer an diesen internationalen Veranstaltungen. Enthusiastisch nahmen sie die Idee des Traditionsfahrens auf und verwirklichten sie in ihren Veranstaltungen. Seither entwickelt sich beständig eine begeisterte Szene der Traditionsfahrer weiter; sowohl auf Länderebene als auch in Europa. Hieraus entstand die Idee, eine „Heimat“ für Traditionsfahrbegeisterte in Deutschland zu schaffen. Zwölf Enthusiasten gründeten am 4. Januar 2010 den Deutschen Traditionsfahrclub mit Sitz in Seligenporten bei Neumarkt. Dieser Club hat es sich zur Aufgabe gemacht, in jedem Jahr eine Ausfahrt in der Heimat eines Clubmitgliedes zu veranstalten. Weil die Schatzmeisterin des Vereins, Gertrud Hutmann, aus Schopfloch kommt, entschied man sich bei der achten Auflage der Traditionsveranstaltung für eine Ausfahrt im Raum Dinkelsbühl.

Ländliche Struktur um Dinkelsbühl passend

Dinkelsbühl mit seinen ländlichen Strukturen passte bestens ins Anforderungsprofil für eine solche Veranstaltung. Also karrten insgesamt rund 80 Beteiligte etwa 20 Kutschen und 50 Pferde ins schöne Westmittelfranken, um hier ein verlängertes Wochenende zu verbringen. Untergebracht war die noble Reisegesellschaft bei Meiser´s in Neustädtlein. Auf nahen Wiesen wurde ein Stallzelt aufgebaut; gleich daneben ein großer Fuhrpark. Nach einem Sektempfang im Dinkelsbühler „Haus der Geschichte“ zur Begrüßung, wurde am zweiten Tag eine Ausfahrt auf die so genannte „Schwedenwiese“ in der Wörnitzstadt unternommen. Später wurde zu einem Gala-Abend in Neustädtlein eingeladen. Auch am dritten Tag stand eine Ausfahrt mit Mittagsstopp auf dem Programm. Mit dabei waren jedes Mal fünf Vierspänner, 13 Zweispänner sowie zwei Einspänner. Die Beobachter fühlten sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt. Schnell spürte man die Liebe zum Detail bei den Beteiligten, die ihre Pferde und Kutschen eindrucksvoll herausgeputzt hatten. Als am letzten Abend in der Unterkunft dann auch noch Fritz Meiser zum Akkordeon griff, war die Nostalgie vollkommen und ein passender Abschluss für die Viertagesveranstaltung mit Rahmenprogramm gefunden, ehe man am vierten Tag die Heimreise antrat. „Wir hatten unheimliches Glück mit dem Wetter“, zog dann auch Gertrud Hutmann ein positives Resümee eines beeindruckenden Events, welcher sich der Zufriedenheit aller Beteiligter erfreuen konnte. Weil die Mitglieder des Traditionsfahrclubs über ganz Deutschland verstreut sind, will man im kommenden Jahr ein ähnliches Programm in Wangen im Allgäu über die Bühne bringen. Ganz besonders will man im dem rührigen Verein der permanenten Technisierung entgegenwirken, welche das Können und Kennen der Fahrkultur eher verschüttet als fördert, so Vereinspräsident Toni Bauer. Nach seinen Worten ist man zwar offen für notwendige Veränderungen, hat aber immer die Fahrkultur um das Jahr 1900 herum zum Vorbild. Jeder der glaubt, im Verein gut aufgehoben zu sein, sei herzlich willkommen.

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