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Geschichtsträchtiger „Neubürger“ hält Einzug in die fränkische Kulturlandschaft

Von Amos Krilles

Burgbernheim (ak). „Wer stets die Mahlzeit mit des Maulbeerbaumes schwarzen Früchten schließt, der wahrt auch im Sommer die Gesundheit“, eine Weisheit, die dem römischen Schriftsteller Horaz zugeschrieben wird. Doch nicht allein wegen der gesundheitlichen Aspekte setzt der Burgbernheimer Stadtgärtner Ernst Grefig auf den Anbau von Maulbeerbäumen – vielmehr sieht er in der Kultivierung der geschichtsträchtigen Pflanze auch eine ganz praktische Antwort auf klimawandelbedingte Problematiken.

Ernst Grefig neben der Infotafel, welche sich auf der Maulbeer-Wiese nahe der Grillstelle „Im Gründlein“ befindet.

Ungeachtet der möglichen Ursachen für den sich vollziehenden Klimawandel, lässt sich definitiv feststellen, dass die Sommerhalbjahre über die letzten Jahre hinweg immer trockener wurden. Viele heimische Pflanzenarten leiden unter dieser Entwicklung und kommen mit dem Wassermangel nur bedingt zurecht. Ein Blick auf die berühmten fränkischen Streuobstwiesen untermauert diese These – gerade im Hochsommer.

Experten gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren noch verschärfen dürfte. In diesem Sinne setzt Grefig auf neue Wege: Vor sieben Jahren pflanzte er seinen ersten Maulbeerbaum. Der „Neubürger“, wie der leidenschaftliche Gärtner formuliert, könne Trockenheit hervorragend wegstecken. „Gleichzeitig kann die Pflanze auf vielfältigste Weise genutzt werden.“

Ein „Neubürger“ mit Potential

Ein Maulbeerbäumchen.

Am Burgbernheimer Stadtrand, unweit der öffentlichen Grillstelle „Im Gründlein“, hat der Stadtgärtner über die letzten Jahre hinweg eine komplette Streuobstwiese, ausschließlich mit verschiedenen Maulbeersorten, angelegt. Seit letztem Jahr findet man dort außerdem eine Infotafel zum Thema. Die Installation ist offiziell ein Teil des Streuobst-Lehrpfades.

„Erstmal angefixt hat mich Herbert Kolb aus Dinkelsbühl“, erzählt Grefig. „Er pflanzt dort in seiner Region ebenfalls erfolgreich Maulbeeren.“ Generell bestehe eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Gärtnereien und Botanikern. „Unser Ziel ist es, noch besser angepasste Sorten zu züchten. Gerade der Aspekt Frostresistenz ist für uns wichtig.“ Den Fokus legt der Burgbernheimer aktuell auf schwarze und weiße Maulbeeren. Die beiden Sorten sind eigentlich in Vorderasien bzw. China beheimatet und werden daher im Fachjargon auch als „Neophyten“ (grch. neos = neu; phyton = Pflanze) bezeichnet. Ein weiteres Beispiel dafür wäre die Walnuss, wie Grefig erklärt. „Ein Baum, der heute aus unserer Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken ist…“ Ebenfalls gebe es die rote Maulbeere, welche allerdings ausschließlich in nordamerikanischen Auenwäldern vorkomme (feuchtes Gebiet…).

Noch nicht ganz reif: die Frucht der Maulbeere.

Die Frucht des Maulbeerbaumes erinnert an eine Brombeere, einziger Unterschied – zumindest auf den ersten Blick –, dass sie auf einem Baum wächst. Geschmacklich sind die Früchte süß und aromatisch. Nicht nur ist die Maulbeere sehr gesund, auch ist die Pflanze relativ pflegeleicht. Wie Grefig hervorhebt gebe es keine bekannten Pilzkrankheiten und auch gegen jegliche Schädlinge sei der Baum resistent. Beim Baumschnitt gilt es dieselben Regeln wie bei anderen Obstbäumen (z.B. Apfel) zu beachten. Worin sich die Maulbeere jedoch von vielen heimischen Obstsorten unterscheidet: nicht alle Früchte reifen gleichzeitig. Ab Juli beginnt eine etwa zwei-monatige kontinuierliche Erntephase. Auch das Holz weist eine hervorragende Qualität auf und wird für Edelmöbel verwendet. „Pflanzen sollte man den Baum entweder im Frühjahr oder im Herbst“, empfiehlt der Stadtgärtner.

Die Zukunft ist Geschichte – Maulbeere über die Jahrhunderte hinweg von Bedeutung

„Ich möchte einen Baum, der in Vergessenheit geraten ist, wieder ins allgemeine Bewusstsein rufen“, beschreibt Ernst Grefig seine Motivation, Maulbeeren in heimische Streuobstwiesen zu integrieren. Tatsächlich ist die Maulbeere ein geschichtsträchtiges Gewächs. Sie diente nicht nur der Seidengewinnung im alten China, auch die Römer oder beispielsweise Karl der Große wussten sich die Pflanze zunutze zu machen. Friedrich II pflanzte seinerzeit über eine Million Maulbeerbäume in Brandenburg. Eine weitere „Hochphase“ erlebte der Baum im dritten Reich, als Hitler den Seidenbau in Deutschland vorantrieb. Der Rohstoff war begehrtes Material für Fallschirme. „Eine dieser Alleen hat sich bei Marktbergel, unweit der Muna, befunden“, so Grefig. Weitere „überlebende“ Exemplare aus dieser Epoche findet man beispielsweise auf der Ansbacher Ludwigshöhe oder in Gerolfingen am Hesselberg.

Die getrockneten Früchte dienen als äußerst gesunde „Energiespender“.

Erstmalige dokumentierte Experimente mit den Seidenwürmern führte der Rothenburger Medicus und Stadtphysicus Andreas Libavius im Jahr 1599 durch. Man kann also davon ausgehen, dass auch er bereits mit der Maulbeere und deren Anbau vertraut war.

Joseph Ritter von Hazzi, bayersicher und napoleonischer Beamter, hat 1826 ein Lehrbuch über den Seidenbau veröffentlicht und eine Bayerische Seidenbaukommission gegründet. Zwei, der insgesamt vier bekannten Bäume aus den 1830ern, stehen noch heute am Nuschweg in Rothenburg. Die beiden anderen findet man in Geilsheim (Wassertrüdingen), wie Grefig weiß.

Insgesamt zeigt er sich erfreut darüber, dass die Maulbeere in den letzten Jahren „von den Leuten zunehmend sehr gut angenommen“ wird und hofft, dass die Pflanze ihren Einzug in die fränkische Streuobstvielfalt weiter fortsetzen wird.

Das Holz der Maulbeere zählt als „Edelgehölz“ und ist als solches besonders für Möbel beliebt. Fotos: Amos Krilles

 

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