Auf dem Weg zum Weinkenner – was man wissen sollte

Ulsenheim (ak). Extreme Temperaturen prägten den diesjährigen Sommer. Während die Landwirtschaft mit der starken Trockenheit größtenteils massiv zu kämpfen hatte, konnte man sich hingegen im Weinbau über einen ausgezeichneten Jahrgang freuen. Im Interview mit BlickLokal beantwortet der Winzer und Vinothekinhaber Markus Meier aus Ulsenheim spannende Fragen rund ums Thema Wein. Er erklärt, was man auf dem Weg zum „Weinspezialisten“ beachten sollte und deckt dabei so manchen Mythos auf. Hierbei sei beachtet, dass der Mittelfranke in den vergangenen Jahren zahlreiche Auszeichnungen für seine Produkte erhielt, unter anderem den offiziellen Titel „Riesling-Weltmeister“.

Aufgrund der vielen Sonnentage, waren die Trauben heuer fast eineinhalb Monate früher reif, als sonst.

BlickLokal: Stimmt es wirklich, dass der diesjährige Sommer für die Winzer so gut war? Wie manche sagen, sogar ein Jahrhundertjahrgang?

Meier: Die grundsätzliche Frage ist prinzipiell was bedeutet „gut“? Ich denke, dass wir heuer einen einzigartig, wertigen (reich an Inhaltsstoffen) Jahrgang ernten konnten. Man musste aber gleichzeitig auch mit der Thematik Trockenheit bzw. Wasser umgehen. Was praktisch bedeutet, dass man der Rebe nicht mehr Ertrag abverlangen durfte, als sie leisten kann. Im Gegenzug musste man, da wo es nötig war, auch bewässern. In dieser Hinsicht galt es eine Balance zu finden.

Markus Meier ist Winzer aus Leidenschaft, den Weinberg kennt er wie seine Westentasche…

BlickLokal: Kann man hieraus folgern, dass „wertige“ Jahrgänge generell auch gut sind?

Meier: Auch hier gilt es zu differenzieren. Am Ende hat ein wertiger Jahrgang immer viel Öchsle-Süße, sprich auch Alkohol.

In solchen Jahren ist es die Verantwortung der Winzer, Weine für die gesamte Palette zu produzieren. Wir brauchen neben tollen Lagenweinen auch Basic- und Sommerweine, welche einen Alkoholgehalt zwischen 10,5 und 11,5 Prozent haben. Wir dürfen dann nicht übers Ziel hinausschießen und nur Weine mit über 13,5 Prozent erzeugen.

BlickLokal: Was bedeutet diese „Herausforderung“ denn ganz praktisch?

Meier: Der Spagat bestand heuer darin, bei der Lese sehr Konsequent zu sein um die Wertigkeit zu erhalten. Gleichzeitig musste man dennoch auch achtsam und entsprechend zügig mit der Basis umgehen.

BlickLokal: Das bedeutet also, dass heuer vergleichsweise früh geerntet werden musste?

Meier: Ja, wir haben bereits am 20. August mit der Weinlese begonnen und sind eigentlich seit Ende September fertig. Das ist vier bis sechs Wochen früher als sonst.

BlickLokal: Woran erkennt man denn, dass die Trauben für die Ernte reif sind?

Meier: Das hängt vom gewünschten Endprodukt ab, es gibt zum Beispiel leichtere Basisweine, Lagenweine oder Große Weine. Jede dieser Linien braucht eine bestimmte Wertigkeit, auf welche konsequent hin gearbeitet werden muss. Auch hier gilt, was man später im Wein schmeckt, kann man schon in der Traube nachvollziehen. Wertiger Wein, mit viel Power, benötigt sehr reife Trauben. Frischere, leichtere und aromatische Weine hingegen brauchen eher weniger ausgereifte und weniger süße Trauben.

BlickLokal: Gerne präsentieren sich Menschen als Weinkenner – doch was macht einen solchen eigentlich aus?

Meier: Ich würde das Thema Weinkenner gar nicht so hochspielen. Was für mich zählt ist Leidenschaft, diese ist der Grundstein, damit man sich mit etwas auseinandersetzt. Letztendlich zählt aber – wie überall sonst – auch hier die Erfahrung. Beim Thema Wein heißt das also: viel probieren! Aber auch der Austausch mit anderen ist wichtig.

BlickLokal: Gibt es Kriterien, woran man erkannt, ob jemand wirklich Ahnung hat oder sich nur wichtigmacht?

Meier: Wichtig ist, dass man sich selbst auskennt, so kann man das Gesagte mit eigenen Erfahrungen vergleichen. Meiner Meinung nach sollte man immer für konstruktive Auseinandersetzung offen sein. Wenn das nicht der Fall ist und selbst ernannte Weinkenner völlig von sich überzeugt sind, dann darf man sie auch gerne einfach mal in ihrer eigenen Welt lassen…

BlickLokal: Letztendlich werden so ja auch Neueinsteiger abgeschreckt…?

Meier: Genau. Deswegen will ich auch nichts aufblasen, wir wollen die Eintrittshürde niedrig halten. Nur so werden Nicht-Weintrinker zu Weintrinkern. Natürlich kann jemand, wenn er Lust darauf hat, auch fachsimpeln. Das muss aber nicht sein. Letztendlich hat jeder mal ohne Erfahrung angefangen. Man muss Menschen auf Augenhöhe begegnen. Was uns verbindet ist der Wein. Der soziale Status, Beruf usw. sind dann egal.

BlickLokal: Nun konkret zur Sache, woran erkennt man guten Wein?

Meier: Es gibt drei Säulen welche guten Wein ausmachen: Geschmack, Bekömmlichkeit und die Erzeugung im Einklang mit der Natur. Wein muss im Geschmack eine gewisse Klarheit, Vielschichtigkeit, Spannung und Charakter haben. Er muss gut schmecken und einfach Spaß machen. Der zweite Punkt wäre, dass er gut bekömmlich ist, man darf also keine Kopfschmerzen oder sonstige Beschwerden bekommen. Und ebenfalls sehr wichtig ist der dritte Aspekt: die Erzeugung. Qualitativer Wein sollte stets nachhaltig im Einklang mit der Natur produziert worden sein. Am Ende lässt sich guter Wein aber ganz einfach daran messen, wie schnell das Glas leer ist – bei guten Wein hat man Lust auf den nächsten Schluck und trinkt deswegen gerne und zügiger…

BlickLokal: Immer wieder hört man unter Weintrinkern, dass Schlieren beim Schwenken im Glas auf hohe Weinqualität hinweisen. Stimmt das?

Meier: Schlieren sind ein Indikator für Viskosität, also Zähflüssigkeit. Diese kommt durch Inhaltsstoffe wie Säure, Süße oder Alkohol zustande. Umso mehr Schlieren der Wein zieht, desto wertiger ist er – was aber nicht per se bedeutet, dass er auch gut schmeckt.

BlickLokal: Sie haben bereits erwähnt, dass guter Wein bekömmlich sein muss. Wie sieht das generell aus, ist Wein gesund?

Meier: Allgemein gilt es, eine gesunde Balance zu finden: Alles in Extremform ist schlecht. Am Ende ist es wichtig, dass wir Qualität konsumieren und auch hier zählt die Devise „lieber weniger, aber gut“. Ich bin überzeugt, dass Wein in Maßen eine Bereicherung fürs Leben ist. Weingenuss bedeute Lebensfreude. Ich glaube nicht, dass Wein unserem Körper schadet, sondern eher positiv beeinflusst. Alleine wegen des Glücksgefühls, welches guter Wein auslöst. Es gibt aber auch bei gerade diesem Thema „x Studien“, die dahingehend motivieren, was man auch immer hören will…

BlickLokal: Woran liegt es, dass mancher Wein Kopfweh verursacht?

Meier: Alles was wir an Inhaltsstoffen zu uns nehmen, welche der Körper nicht verarbeiten kann, bekommt man auch zu spüren. Wir würden daher ja auch nie faule Trauben essen. Genauso ist das mit dem Wein, der Schlüssel für bekömmlichen Wein, sind gesunde Trauben. Wenn dies nicht der Fall ist, kann das indirekt zu Kopfweh führen.

Gesunde Trauben sind die Voraussetzung für guten Wein.

BlickLokal: Was sagt die Farbe eines Weines über dessen Qualität aus? Beziehungsweise tut sie das überhaupt?

Meier: Grundsätzlich nimmt die Farbintensität mit der Wertigkeit zu. Leichte Weine sind also heller, große Weine eher dunkel und farbintensiv. Dies trifft besonders bei Weißweinen zu. Allgemein sollte die Farbe immer zur Schwere des Weines passen, wenn da etwas aus der Reihe fällt, sollte man es mit Vorsicht genießen. Ist beispielsweise ein leichter Wein hochfarben, dann wird es schwierig. Alles was ins hochfarbene geht, ist entweder ein wirklich guter und sehr wertiger Wein oder aber es ist etwas schief gelaufen…

BlickLokal: Manch einer schwört auf Dekantieren. Wie stehen Sie dazu? Und worum geht es dabei?

Meier: Beim Dekantieren wird dem Wein Sauerstoff zugeführt, so soll in kürzerer Zeit Reife symbolisiert werden. Der Wein kann sich so besser entfalten und präsentieren. 90 Prozent aller Weine brauchen das eigentlich nicht. Auch hier kommt es auf die Schwere des Weines an. Bei leichten Sommerweinen ist dekantieren Blödsinn, bei gehobenen Weinen hingegen macht es Sinn. Wobei bei älteren Weinen auch wieder das Risiko besteht, dass sie durch zu viel Sauerstoff komplett zusammenfallen. Als Faustregel könnte man sagen, dass Dekantieren bei wertigen Rot- und Weißweinen Sinn machen kann, aber bei gereifteren Weinen sollte man schon Ahnung haben und wissen, was man tut. Gerade beim Dekantieren sollte man allerdings nicht außer Acht lassen, dass auch das Erlebnis Einfluss auf das Geschmacksempfinden nehmen kann…

BlickLokal: Wie viel sollte man für guten Wein ausgeben?

Meier: Alles unter fünf Euro kann nicht gut sein, für wen auch immer. Hier muss man ebenfalls wieder die drei Säulen für guten Wein berücksichtigen. Billiger Wein kann zwar gut schmecken, aber dann ist er entweder nicht bekömmlich oder nicht nachhaltig erzeugt. Man muss da einfach seinen Verstand einschalten – bei extrem günstigen Produkten muss der Preis irgendwo herkommen. Wenn ich fünf bis sieben Euro ausgebe, kann ich schon von ordentlichem Wein ausgehen. Wenn es in Richtung Essensbegleiter geht, kann er auch mal um die zehn Euro kosten, wobei man dann wirklich schönen Wein mit Anspruch hat. Nach oben gibt es bei Weinpreisen keine Grenzen. Alles was dann über 15 oder 25 Euro kostet ist in der Regel echt „outstanding“, insofern es keine Marketingstrategie ist… Mein Grundsatz in der Hinsicht ist „besser fünf Euro mehr ausgeben und dafür ein cooles und einzigartiges Erlebnis haben.“

 

Das Interview führte: Amos Krilles

Romantik pur: Sonnenuntergang im Weinberg.

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