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Interview zum Valentinstag: Zwei Unterstützer der „MarriageWeek“ geben Tipps für ein erfolgreiches Zusammenleben

Von Amos Krilles

Buch am Wald (ak). Am kommenden Freitag, 14. Februar, ist Valentinstag – der Tag der Liebenden. In der Woche davor wird international die „MarriageWeek“ gefeiert, die Woche der Ehepaare. Schirmherr ist auch in diesem Jahr wieder das Schauspieler Ehepaar Samuel Koch und Sarah Elena Timpe.  Die Initiative knüpft an eine Tradition aus England an. Sie möchte die Bedeutung der Ehe für die Gesellschaft unterstreichen sowie gleichzeitig Impulse und Ideen bieten, damit die Liebe lebendig bleibt. Georg und Christine Schubert aus Buch am Wald bei Rothenburg engagieren sich aktiv für die „MarriageWeek“, zudem sind sie bereits jahrzehntelang im Bereich der Ehe- und Partnerschaftsberatung tätig. Im Interview mit BlickLokal ermöglichen sie Einblicke in ihren reichen Erfahrungsschatz und geben unseren Lesern den ein oder anderen Tipp mit auf den Weg.

Christine und Georg Schubert engagieren sich für die „Marriage Week“ und blicken zudem auf jahrzehntelange Erfahrung im Bereich Ehe- und Partnerschaftsberatung zurück. Fotos: Privat/Pixabay

 

 

BlickLokal (BL): Weshalb engagiert ihr euch für die MarriageWeek?

Christine Schubert (CS): Wir sind überzeugt, dass die dauerhafte Paarbeziehung eine Schlüsselrolle hat – für den einzelnen, für Kinder und folgende Generationen sowie für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Im hektischen Alltag ist eine gute Beziehung kein Selbstläufer; zu investieren ist notwendig und lohnenswert.

 

BL: Beschäftigt euch das Thema schon länger und auch sonst im Jahr?
CS: Schon in meiner Ausbildung zur Sozialpädagogin hat es mich fasziniert. Dann haben wir beide mit jungen Leuten gearbeitet und manche bei der Familiengründung begleitet. Vor gut 26 Jahren konnten wir die Ausbildung für ein Trainingsprogramm machen. Seither bieten wir Eheworkshops an, und Paare suchen uns für Beratung auf.

 

BL: Wie lange seid ihr (glücklich) verheiratet und habt ihr Kinder?

Georg Schubert (GS): Wir haben vier erwachsene Kinder und drei Enkel. Dieses Jahr feiern wir unseren 37. Hochzeitstag. Über die Jahre gab es auch schwierige Phasen zu bewältigen. Aber ja, wir sind glücklich verheiratet.

 

BL: Was ist denn das Glück, das wir suchen, wenn wir heiraten?

CS: Wir sind soziale Wesen und sehnen uns nach Verbindung mit anderen. Wir wollen zu anderen gehören und auch dann angenommen sein, wenn sich „die dunkle Seite“ in uns zeigt. Ich glaube, Glück hat vor allem mit einer tiefen und vertrauten emotionalen Verbindung zu tun. Verliebte kennen das Glück, sich dem anderen ganz nahe zu fühlen.

 

BL: Wie findet man dieses Glück? Kann man es selbst „machen/erzeugen“?

GS: Wenn zwei sich verlieben, bekommen sie eine kräftige Starthilfe von den Hormonen, vergleichbar mit einem Anlasser, der einen Motor startet. Sie suchen die Nähe des anderen und reden stundenlang. Dabei entdecken sie Vertrautes, wo sie ähnlich ticken und interessantes Fremdes, das Defizite ausgleicht. Die hormonelle Starthilfe ist aber zeitlich begrenzt. Beim Auto ist der Starter ja auch nicht dauerhaft im Einsatz.

 

BL: Wenn zwei das Glück gefunden haben, wie können sie es behalten?

GS: Die vielen Gespräche haben ihnen gute Erfahrungen in Sachen Kommunikation mit auf den Weg gegeben. Jetzt kommt es darauf an, den Motor am Laufen zu halten. Der Sprit ist langfristig das, was auch am Anfang wichtig war: sich dem anderen zuwenden, echtes Interesse an ihm, Achtung und Wertschätzung ausdrücken. Das geschieht im persönlichen Gespräch. Leider verleiten uns die Verpflichtungen des Alltags allzu oft dazu, die emotionale Nähe nicht zu pflegen. Dann gerät die Beziehung in Gefahr, emotional zu verhungern.

 

BL: Der Schlüssel heißt also Kommunikation…?

CS: Gute Kommunikation ist ein wesentlicher Baustein für die erfüllende emotionale Verbindung. Paare, die sich dafür regelmäßig Zeit reservieren, bekommen es am besten hin. Von der Qualität der Kommunikation hängt ab, wie viel emotionale Verbundenheit entsteht.

„Richtige“ Kommunikation ist einer der wesentlichen Schlüssel für eine erfüllende Herzensbeziehung.

 

BL: Und was bestimmt die Qualität?

CS: Einmal ist es die Bedeutsamkeit dessen, was wir von uns preisgeben. Es beginnt mit dem Mitteilen alltäglicher Dinge und geht bis dahin, dass wir einander unsere Persönlichkeit offenbaren – was uns motiviert, was uns glücklich und was uns traurig oder zornig macht. Sich einem anderen Menschen zu offenbaren erfordert Mut, als der bekannt zu werden, der man wirklich ist.

 

BL: Ist das nicht riskant?

GS: Natürlich. Wissen ist Macht. Wem ich Persönliches anvertraue, der könnte mich niedermachen. Als Ehepartner haben wir uns verpflichtet, einander solange wir leben zu lieben und zu ehren. Deswegen sollte riskantes Vertrauen möglich sein. Emotionale Verbundenheit kann nur entstehen, wenn wir einander die Seele öffnen. Je tiefer das möglich ist und auf Verständnis trifft, desto mehr Glück erleben wir. Verstanden zu sein tut uns so gut, dass sogar aufgewühlte Gefühle sich beruhigen können. Verständnis gehört zu den Dingen, die man nicht einfordern kann. Wir können es aber schenken.

 

BL: Wie geht das praktisch?

GS: Zunächst braucht es ein offenes Ohr. Ungeteilte Aufmerksamkeit zeigt mein Interesse an meiner Frau. Ich kann die Gedanken aufnehmen, die sie äußert und innerlich nachvollziehen. Dafür muss ich meine Ideen beiseitelegen und ihre achten. Dann stehen die Chancen gut, dass ich sie verstehe. Nicht nur oberflächlich zuhören, sondern empfangen was der andere von sich preisgibt, gibt dem Gespräch hohe Qualität.

 

BL: Missverständnisse passieren leicht. Kann man sie vermeiden?

CS: Die sicherste Methode Missverständnisse zu vermeiden ist die Rückmeldung. Nach entsprechenden negativen Erfahrungen habe ich mir angewöhnt, wichtige Informationen zu wiederholen und nachzufragen, ob ich es richtig abgespeichert habe, zum Beispiel wenn ich am Telefon einen Arzttermin abmache. Der Gesprächspartner bestätigt oder korrigiert dann was ich verstanden habe. Bei einem konfliktreichen Gespräch mit dem Partner ist die gleiche Methode hilfreich. Es kostet etwas Zeit, dem anderen zu sagen was bei mir angekommen ist, aber es hilft Missverständnisse aufzuspüren, Übertreibungen zu entschärfen und sachlich zu bleiben. Das kann emotionale Wunden ersparen. Wenn wir etwas mitteilen, das emotional bedeutsam ist, wollen wir, dass es beim anderen auch ankommt.

 

GS: Ich erinnere mich, dass ich meiner Frau etwas Wichtiges erzählte. Es irritierte mich, dass sie ungeduldig wurde und weggehen wollte. Schon fast in der Tür sagte sie: „Gut! Folgendes ist bei mir angekommen…“ und fasste zusammen was ich gesagt hatte. Meine Reaktion war: „Okay, jetzt kannst du gehen!“ Ich hatte nicht bemerkt, dass ich die Story drei Mal erzählt hatte. Ohne ihre Rückmeldung war ich mir wie ein Flugzeug vorgekommen, das Warteschleifen dreht. Jetzt war mein Anliegen angekommen. Ich fühlte mich verstanden. Das Flugzeug war gelandet.

 

BL: Man soll die Gedanken des anderen achten. Aber wenn ich anderer Meinung bin, kann ich doch seine Sichtweise nicht einfach stehen lassen, oder?

CS: Bei „heißen Themen“, bei denen wir beide starke und kontroverse Meinungen haben, entsteht leicht ein Streit. Die Frage ist, was ich erreichen will. Geht es mir darum, meine Meinung durchzusetzen, oder eine Lösung zu finden, mit der wir beide gut leben können? Das ist meist möglich, wenn jeder beide Sichtweisen versteht. Ich muss nicht die Meinung des anderen übernehmen. Aber ich lasse meine Gedanken vorübergehend los, um die Dinge aus seinem Blickwinkel anzuschauen. Fühlt sich der Partner verstanden, kann er sich hoffentlich auch auf meine Ideen einlassen.

BL: Nicht jeder ist mit dieser Art der Kommunikation vertraut…

CS: Die Art und Weise wie wir Beziehungen gestalten, haben wir gelernt. Wir können immer dazu lernen. Die Mühe lohnt sich. Kurse, wie zum Beispiel Eheworkshops, bieten gute Möglichkeiten.

 

BL: Wie kann man sich einen Eheworkshop vorstellen?

GS: Zu den Themen Effektive Kommunikation, gesunder Umgang mit Konflikt/Zorn und emotionale Verbundenheit als Basis erfüllter Sexualität geben wir Gedankenanstöße weiter. In Partnergesprächen, die im Workshop eine zentrale Rolle spielen, werden sie von jedem Paar für die eigene Beziehung umgesetzt. Dabei legen wir Wert auf Privatsphäre. Das Beste an diesen Wochenenden: Die Paare erleben ein hohes Maß an emotionaler Verbundenheit mit dem Partner, und sie erarbeiten Ideen und Techniken, die ihnen helfen ihr Glück zu pflegen.

Das Logo der „MarriageWeek“.

 

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