Therapiestunden auf dem Pferd – für viele ein Traum

Katja Schmutzer ist seit 1991 Geschäftsführerin im PTZ und hauptsächlich für die Büroarbeiten zuständig. Ihr 11-jähriger Hund Sammy ist täglich ihr treuer Begleiter.
Fotos: Larissa Zimmer/Pädagogik- und TherapieZentrum

Larrieden (lz). Wenn das Wort „Therapie“ fällt, denken die meisten, sie müssen dafür zu einem Arzt. Doch es gibt eine besondere Therapie, von der die meisten wahrscheinlich nichts wissen: das Therapeutische Reiten. Im Pädagogik- und TherapieZentrum (PTZ) in Larrieden bei Feuchtwangen wird seit 1985 das Therapeutische Reiten mit den Schwerpunkten „Physio- und Ergotherapie auf dem Pferd“, „Heilpädagogische Maßnahmen mit Pferden“ und „Reiten als Sport für Menschen mit Behinderung“ durchgeführt. Katja Schmutzer, Diplom-Sozialpädagogin, ist seit 1991 Geschäftsführerin des PTZ. Um den Patienten die bestmöglichen Optionen zu bieten, machte sie Zusatzausbildungen im Bereich Reit- und Voltigiersport sowie Übungsleiter für Behinderte und therapeutisches Reiten. Zu ihren Hauptaufgaben gehören die Organisation, Verwaltung, Bearbeitung von Neuanfragen und Erstgespräche. „Ab und zu mache ich noch Einzelstunden, aber ansonsten bin ich eher selten für die praktischen Aufgaben zuständig. Dafür bleibt leider keine Zeit mehr.“, bedauert Schmutzer.

Dem Alter sind beim Therapeutischen Reiten keine Grenzen gesetzt: sobald das Kind sitzen kann, bis in das hohe Alter über 80 Jahre als Seniorensport und Erhaltung der Beweglichkeit. Auch die Bandbreite der Behinderungsarten, die im PTZ behandelt werden, ist sehr groß und vielfältig. Es kommen von Geburt an behinderte Kinder, Menschen, die seit einem Unfall behindert sind, Rollstuhlfahrer mit Lähmungen, Geistig- oder Mehrfachbehinderte, Patienten mit Down-Syndrom oder Schlaganfällen sowie auch Blinde und Gehörlose. Im Einzelfall werde entschieden, welche Patienten machbar sind, denn auch das Wohl der Pferde stehe an vorderer Stelle. Der Betrieb findet nur während der Schulzeit statt, in den Ferien haben die Pferde dann alle Pause.

Ein ganz besonderes Erlebnis für die Kinder sind Ausritte ins Gelände. Dabei werden sie immer geführt, damit nichts passiert.

Die Ausbildung der Therapiepferde

Für die kleinsten Patienten stehen die beiden Ponys für die Therapiestunden zur Verfügung.

Derzeit stehen 15 Pferde im PTZ, wovon etwa zehn im Einsatz sind. Die Therapiepferde haben grundsätzlich die ganz normale Grundausbildung wie jedes normale Reitpferd. Beherrschen sie diese gut, brauchen sie dann zusätzlich besondere Ausbildungen, damit sie in die Therapie eingesetzt werden können. Wichtig ist, dass die Therapiepferde sicher an die Rampe gehen und ruhig stehen bleiben, damit die Patienten mit Behinderung aufsteigen können. Des Weiteren müssen sich die Pferde an laute Kinder gewöhnen und dass auch drei bis vier Kinder gleichzeitig am Pferd sind. Vor Rollstühlen darf das Pferd ebenso keine Angst haben. All diese Dinge müssen die Pferde nach und nach lernen und „dabei muss die Psyche mitspielen, denn sonst funktioniert das nicht“, erklärte Schmutzer.
Bevor das Pferd richtig in die Therapie eingesetzt wird, ist es schon wesentlich älter als ein normales Reitpferd. „Man darf nicht den Fehler machen, das Pferd zu früh in die Therapie zu bringen, selbst wenn das Pferd mit vier Jahren schon alles kann. Das muss erst gefestigt sein.“, klärt die Geschäftsführerin auf. Doch nicht nur die Psyche, sondern auch der Charakter der Pferde spielt eine große und wichtige Rolle.
Da die zeitlichen Kapazitäten des PTZ begrenzt sind, müssen die Pferde, die neu gekauft werden, die reiterliche Grundausbildung schon haben. „Die zusätzlichen Qualifikationen können wir dann selbst beibringen.“ Ausgesprochen schwierig ist es für Pferde, wenn Kinder so schwer behindert sind, dass sie sehr laut schreien oder Schnalzgeräusche von sich geben. Da müsse man dann abwägen, wo die Grenzen sind und ob das Pferd das aushält.

Therapie mit anderen Tieren

Die Schafe sind sehr zutraulich und freuen sich über Streicheinheiten.

In den letzten Jahren gab es eine große Entwicklung in Larrieden, denn die Einrichtung ist mit anderen Tieren gewachsen. Zum Repertoire gehören neben den Pferden jetzt auch Esel, Lamas, Hühner, Minischweine, Ziegen, Schafe und Katzen. Die Kleintiere sind sehr menschenbezogen, sodass die Kinder jederzeit Kontakt mit ihnen aufnehmen können. Die Hühner laufen frei auf dem Hof herum und mit den Lamas und Eseln dürfen die Kinder spazieren gehen. Auch die anderen Tiere freuen sich über jede Streicheleinheit.
Zudem bilden einige Mitarbeiter ihre eigenen Hunde zu Therapiehunden aus und bringen diese in die Arbeit mit ein. Katja Schmutzer erzählt: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der Umgang mit all den Tieren sehr wertvoll ist, denn jedes Tier hat seine Eigenheiten. Für die Kinder soll es nicht nur darum gehen, auf dem Pferd zu sitzen und zu reiten, sondern auch das ganze drumherum ist wichtig. Das kann sehr gut in die pädagogische Arbeit mit einbezogen werden und bei den Kindern kommt es sehr gut an. Die Tiere haben unser Gesamtbild sehr bereichert.“

Besonderheiten des ReitTherapieZentrums

Die Patienten dürfen die Esel und Lamas immer wieder zum Spazierengehen mitnehmen.

Es ist nicht für jedermann selbstverständlich, dass ein Pferd auch im hohen Alter bei seinen Besitzern bleiben darf. Für das PTZ ist es dagegen von hoher Bedeutung, dass alle Tiere ihren Lebensabend auf dem Hof verbringen dürfen. „Es wäre schlimm, wenn man die Tiere weggibt, nur weil sie nicht mehr eingesetzt werden können. Dann würden wir zwar wahrscheinlich finanziell besser dastehen, aber das ist nicht unser Anliegen. Vor allem die Pferde sind auch Mitarbeiter und Bewohner und haben es verdient, ihre Ruhe bei uns zu genießen.“, so Schmutzer. Das älteste Pferd in Larrieden ist stolze 33 Jahre alt. Er läuft noch ein bisschen in seiner Gruppe mit und wird bei Gelegenheit spazieren geführt.
Nicht nur das Wohl der Tiere, sondern auch das der Mitarbeiter liegt der Geschäftsführerin sehr am Herzen. Deswegen finden regelmäßig Fort- und Weiterbildungen statt, die vom PTZ finanziert werden. Dazu gehört alles, was zum pädagogischen Alltag passt und auch Veranstaltungen und Seminare für das Wohlbefinden der Mitarbeiter oder Einzelcoachings. Die Seminare organisiert die Bayerische Landesvereinigung und diese finden zum größten Teil direkt in Larrieden statt.

Das 15-jährige Schimmelpony Samson ist ganz konzentriert bei der Physiotherapie.

Die jüngste Abteilung ist seit 2015 die stationäre Therapie. Dort werden zwölf ausländische Jugendliche betreut, wobei sich das Wohnheim in der Außenstelle in Wilburgstetten befindet. Der Schwerpunkt liegt auf der Verselbstständigung, Integration, dem Deutschunterricht, selbstständig werden und eine Ausbildung und eigene Wohnung finden. Die Jugendlichen sind involviert, dürfen im Stall helfen und bekommen etwas Geld dafür. Sie können sich auch bei Veranstaltungen engagieren oder einfach als Teilnehmer dabei sein. Die Möglichkeit zum Reiten besteht durchaus, wenn Interesse da ist.
Besonders stolz ist das PTZ auf die eigene kleine Kantine, die es seit 2015 gibt. Ein Koch ist dort beschäftigt und kocht für die Tagesstätten-Kinder, für das Wohnheim und für die Mitarbeiter. Auch bei Veranstaltungen zaubert der Koch immer etwas Leckeres für alle. „Wir sind sehr stolz, dass wir das geschafft haben.“, freut sich Schmutzer. Text: Larissa Zimmer

Und auch der 18 Jahre alte Norweger Him passt gut auf seinen Reiter auf. Im Team mit dabei sind ein Physiotherapeut und eine Übungsleiterin.

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