Musikus e.V. fördert Kinder und kämpft für Kulturerhalt

Wildenholz/Schnelldorf (ak). Blasmusik ist ein fester Bestandteil der deutschen Kultur: Egal ob bei Kirchweihen, Volksfesten oder sonstigen feierlichen Anlässen – das Blasorchester ist Pflicht. Was momentan noch als selbstverständlich angesehen wird, könnte bereits in wenigen Jahren völlig anders aussehen. Insbesondere was die Blasmusik betrifft gibt es vielerorts ein echtes Nachwuchsproblem. Der Verein Musikus beantwortet diese Problematik auf ganz praktische Weise. Gleichzeitig hat er es sich zum Ziel gesetzt, Kinder und Jugendlichen zu fördern, wobei das gemeinsame Musizieren letztendlich auch dazu dient, Charakter und Persönlichkeit zu entwickeln. Um dies weiterhin zu ermöglichen, sucht der Verein dringend Sponsoren und Unterstützer.

Auftritt beim SoLaWi Sommerfest in Gersbach. Foto: Sonja Brand

Die Urkundenübergabe der Juniorprüfung mit Bürgermeisterin Christine Freier und Dirigent Erwin Schwichtenberg.
Foto: Gerald Probst

Musikus ist ein eigenständiger Förderverein der in Kooperation mit der Grundschule Schnelldorf zusammenarbeitet. Schüler der 3. und 4. Klasse erhalten die Möglichkeit im Rahmen des Schulunterrichts verschiedene Blasinstrumente oder auch Schlagzeugspielen zu erlernen. Die Idee dafür hatte Katrin Unbehauen bereits vor sieben Jahren. Als Mitglied der Blaskapelle Wildenholz überlegte sie, wie man wohl am besten junge Nachwuchsmusiker gewinnen könne. So entstand der Kontakt zur Grundschule, insbesondere der ehemaligen Rektorin Brigitte Bauer. Diese räumte ihr die Möglichkeit ein, eine Bläser-Klasse zu gründen und außerdem die Schulräume im Rahmen des Musikunterrichts zu nutzen. So kam es letztendlich dann im Jahr 2015 zur Gründung des Musikfördervereins Musikus e.V., unter dem Vorsitz von Katrin Unbehauen. Das Konzept ist wie folgt: Jährlich gegen Ende des Schuljahres wird eine Instrumentenvorstellung in den 2. Klassen durchgeführt, die Kinder können Holz- und Blechblasinstrumente sowie Schlagzeug ausprobieren. Wer möchte kann sich daraufhin für das kommende Jahr bei Musikus anmelden und ein Instrument der Wahl erlernen. Ab der 3. Klasse findet dann parallel zum Musikunterricht die Orchesterstunde statt. Zusätzlich gibt es nachmittags oder teils auch in der Mittagspause Einzelunterricht und es werden die jeweiligen Registerproben durchgeführt. Musikus besorgt die Instrumente und organisiert beziehungsweise finanziert die Musiklehrer (Momentan handelt es sich dabei um diplomierte Musiker auf professionellem Niveau.) Nach Abschluss der Grundschule können die jungen Musiker dann ins Jugendorchester wechseln. Gegenwärtig sind in der Bläser-Klasse rund 30 Kinder.

Mehr als „nur“ Musik

Registerprobe. Foto: Katrin Unbehauen

Die Gründe für das ehrenamtliche Engagement der Verantwortlichen hinter Musikus e.V. sind vielfältig. Dabei gehe es um weitaus mehr als „nur“ das Erlernen eines Instrumentes sowie des Notenlesens, betont die Initiatorin. Das gemeinsame Musizieren sei eine Tätigkeit, wobei alle Sinne angesprochen werden. Neue Synapsen würden dadurch gebildet und Verknüpfungen im Gehirn geschaffen. Auch werde das kognitive Denken verbessert und die Kinder seien allgemein in der Lage komplexe Situationen schneller zu verarbeiten und wahrzunehmen. Ein Orchestermitglied beispielsweise müsse Noten lesen, auf den Dirigenten achten, hören was die Anderen spielen und gleichzeitig sogar Gerüche verarbeiten. Es werde die Konzentrationsfähigkeit verbessert und die elementaren Fundamentsteine für eine Entwicklung von Intelligenz gelegt. Auch auf die körperliche Gesundheit sowie das seelische Wohlbefinden wirke sich Musik aus. Als Beispiel nennt Unbehauen einen Jungen der unter Asthma leidet, seit er regelmäßig Flügelhorn spielt, habe sich sein Lungenvolumen nachweislich verbessert. Auch was Kinder mit ADHS angeht, komme immer wieder positives Feed seitens der Eltern. So seien die Kinder wesentlich ruhiger und ausgeglichener. „Generell tut es Kindern gut, wenn sie Bestätigung erhalten. Mir fällt oft auf, dass die Schüler vor der Probe unzufrieden und aufgewühlt wirken. Am Schluss scheinen sie in der Regel dann viel zufriedener zu sein“, ob das nun allerdings an der Süßigkeit am Ende liegt, könne sie auch nicht zu 100 Prozent ausschließen, so Katrin Unbehauen und lacht dabei. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit mit den Kindern sei das Vermitteln von Teamfähigkeit und Einfühlungsvermögen. Gemeinsame Ausflüge und Aktionen sollen einen starken Teamgeist fördern. Dieser wiederum sei nicht zuletzt auch deshalb von Bedeutung, um die Motivation der Kinder zu erhalten. „Eine Gruppendynamik ist wichtig, dass die Schüler am Ball bleiben.“ Doch selbst wenn die Jugendlichen irgendwann beschließen, mit der Musik aufzuhören, sieht Unbehauen ihr Investment nicht als verlorene Zeit an. „Die Schüler wissen dann trotzdem was sie können und vor allem, wie sie etwas aus sich herausholen“, dies sei eine Lektion fürs Leben.

„Kultur geht verloren“

Beim Jubiläums- Konzert mit der Blaskapelle Wildenholz
Foto: Michael Geisler

Neben der individuellen Förderung der Kinder verfolgt der Verein noch ein weiteres Ziel: den Erhalt von Kultur. Katrin Unbehauen nimmt in dieser Hinsicht kein Blatt vor den Mund. „Wenn sich nicht bald etwas ändert, geht Kultur verloren!“, prognostiziert sie. So habe Blasmusik heute kaum mehr einen Stellenwert in der Gesellschaft. Auch wenn Oktoberfest, Kirchweih und Co sehr beliebt seien, wolle dennoch kaum einer mehr selbst aktiv werden. Doch hierbei sei zu bedenken, dass die Blasmusik traditionell ein fester Bestandteil solcher Festivitäten ist. „Wenn wir jetzt nichts tun, können wir in 15 bis 20 Jahren mit einer Musikbox auf den Kirchweihplatz ziehen“, schließlich würden dann keine Kapellen mehr existieren, warnt sie. „Das wäre sehr schade. Uns ist es wichtig, dass diese Kultur am Leben bleibt.“

Registerprobe. Foto: Katrin Unbehauen

Finanziell schwere Lage

Auch wenn für die Musikschüler ein Elternbeitrag erhoben wird, reicht dieser keineswegs aus, um die laufenden Kosten zu decken. Schließlich müssen sowohl die Instrumente als auch Musiklehrer finanziert werden. Gleichzeitig will man die Beiträge möglichst niedrig halten, damit auch Kinder aus sozial schwächeren Familien am Angebot teilhaben können.

Proben im Musiksaal. Foto: Katrin Unbehauen

„Musik rechnet sich nicht, aber sie zahlt sich aus“, mit diesen Worten wirbt Katrin Unbehauen um finanzielle Unterstützung. Dabei hofft sie insbesondere auf die Gemeinde und lokale Unternehmen. Schließlich würden nicht zuletzt auch diese von der Investition in die Kinder profitieren. „Beim Musizieren eignen sich die Kinder viele tolle Eigenschaften an. Diese kommen dann auch den Betrieben, wo die Jugendlichen später eine Ausbildung machen und arbeiten, zu gute.“ Beispielshaft nennt sie unter anderem Disziplin, Respekt, Teamgeist, Pünktlichkeit und Selbstbewusstsein. All dies werde den Kindern im Orchester ganz klar vermittelt. Während Unternehmen meist bereitwillig Sportmannschaften sponsoren, wo die Werbung dann auf den Trikots zu sehen ist, fiele die Suche nach Fördermitgliedern und Instrumentenpaten unheimlich schwer. „Als Musiker können wir nun mal keine Firmenlogos auf unsere Kleidung kleistern, das sieht ja auch komisch aus…“, so die 1.Vorsitzende, „aber im Grunde genommen gehen wir mit unserem Engagement in Vorleistung für die Unternehmen.“ Auch was die Gemeinde betrifft, sieht sie eine klare Verantwortung. Schließlich hätte auch diese die Konsequenzen zu tragen, wenn zukünftig bei Festen und kulturellen Ereignissen einfach keine Blaskapelle mehr existiere. Die Musikerin erklärt auch, dass es zwar staatliche Förderungen gebe, allerdings seien die Auflagen für ein kleines Orchester, wie Musikus, so gut wie nicht erfüllbar. „Die staatlichen Gelder sind hauptsächlich für große Orchester gedacht und das ärgert mich. Schließlich leisten wir die Vorarbeit und bringen die Kinder überhaupt erst zur Musik…“ Dennoch gibt sie die Hoffnung nicht auf, da es andernorts durchaus Musikvereine gebe, wo das Ganze funktioniert: Lokale Unternehmen sowie die Gemeinden selbst sponsoren dort die musikalische Ausbildung des Nachwuchses. „Das wünschen wir uns auch hier in Schnelldorf.“

 

„Helfen Sie mit, unsere Kultur am Leben zu halten!

Werden Sie Mitglied oder gar Pate im Förderverein Musikus e.V.“

Weitere Informationen sind unter www.musikus-schnelldorf.de zu finden.

Sommerprobe im Freien. Foto: Erwin Schwichtenberg

 

Text: Amos Krilles

Related Posts

Die Welt der Romantik
Fishtival in der Neustadthalle
Miniköche lernen zukünftig fürs Leben