Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes wird Schwerpunkt

Main-Tauber-Kreis. Die Energieagentur Main-Tauber-Kreis GmbH blickt auf ihr zehnjähriges Bestehen zurück. Sie ist am 3. Dezember 2008 als 100-prozentiges Tochterunternehmen der Landkreisverwaltung ins Handelsregister eingetragen worden. „Wir können sehr stolz darauf sein, was in den vergangenen zehn Jahren erreicht worden ist“, erklärt Landrat Reinhard Frank. Zugleich werden in der Arbeit der Energieagentur künftig neue Schwerpunkte gesetzt. Im Fokus steht die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes für den Main-Tauber-Kreis.

In den ersten Jahren fungierte der damalige Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes Main-Tauber-Kreis, Lothar Lauer, zugleich als Geschäftsführer der Energieagentur. Ihm standen Projektleiter zur Seite. Ab Juli 2011 arbeitete der Architekt Frank Künzig in Vollzeit als Projektleiter. Er wurde Anfang 2014, nach Lauers Pensionierung, zum Geschäftsführer berufen. Kurz vor dem zehnjährigen Bestehen des Unternehmens wechselte er in die Privatwirtschaft. Neue Geschäftsführerin ist seit 1. Oktober Stefanie Schaupp. Die Energieagentur ist seit 2014 Teil des von Jochen Müssig geleiteten Dezernats für Kreisentwicklung und Bildung im Landratsamt. Von Juli 2009 bis Ende 2015 war sie auch Regionalbüro der damaligen Bioenergieregion Hohenlohe-Odenwald-Tauber (H-O-T).

Im Jahr 2009 wurden die Grundlagen für eine gemeinsame Energie-Erstberatung von Bürgerinnen und Bürgern des Main-Tauber-Kreises gelegt. Im September erklärten sich 19 Energieberater bereit, in allen Teilen des Landkreises regelmäßig eine kostenlose neutrale Erstberatung anzubieten. Private Hauseigentümer sollen dabei für energetische Sanierungen sensibilisiert und motiviert werden. Zudem wurden die Dachflächen der kreiseigenen Gebäude auf ihre Eignung zur Nutzung durch Photovoltaik untersucht. Daraufhin errichtete die Energieagentur Photovoltaikanlagen auf dem Sporthallendach im Beruflichen Schulzentrum Wertheim, auf der Beruflichen Schule in Bad Mergentheim und auf der Schule im Taubertal in Unterbalbach. Weitere Projekte dieser Art folgten.

Das im April 2009 von der Volksbank Main-Tauber und dem Landkreis initiierte „100-Dächer-Programm“ konnte wegen des großen Erfolges bis Februar 2010 auf 1000 Dächer erweitert werden. Die Volksbank stellte ein Finanzierungskontingent zur Verfügung, die Firma Roto lieferte die Photovoltaikanlagen, Handwerksbetriebe aus der Region installierten diese. Letztlich konnten sogar deutlich mehr als 1000 Dachflächen mit einer Anlage bestückt werden. Gemeinsam mit der Sparkasse Tauberfranken und der Volksbank Main-Tauber wurde im Jahr 2010 zudem an elf verschiedenen Orten im Landkreis ein Vortragsabend zur Nutzung von Photovoltaik auf privaten Dächern angeboten.

Nach den Klimaschutzforen in den ersten Jahren fand 2011 der Taubertäler Klimaschutzkongress in der Wandelhalle Bad Mergentheim statt. Die Veranstaltung war erstmals für alle interessierten Bürger und nicht nur für geladene Gäste zugänglich. Prominenter Redner war der Umweltminister des Landes, Franz Untersteller.

„Meine Pumpe zahlt sich aus“ hieß eine Aktion, die im Jahr 2012 auf Initiative der Energieagentur gemeinsam mit der Sparkasse, den regionalen Stadtwerken und der Sanitär-Heizung-Klima-Innung des Main-Tauber-Kreises ins Leben gerufen wurde. Ziel war es, ältere Heizungspumpen in privaten Wohnhäusern zu bewerten und sie ggf. gegen eine Effizienzpumpe mit erheblich niedrigerem Verbrauch auszutauschen.

Am 22. und 23. September 2012 fand im Main-Tauber-Kreis der „Energietag Baden-Württemberg“ statt. Über 30 verschiedene Akteure aus den Bereichen Windkraft, Wasserkraft, Solarenergie, energieeffiziente Gebäude und Elektromobilität nahmen teil. Interessierte Bürger konnten sich beraten lassen und beispielhafte Anlagen, Gebäude und Fahrzeuge besichtigen. Im Main-Tauber-Kreis wurde die höchste Zahl von Aktionen in Baden-Württemberg erreicht.

Das Projekt „Standby-Unterricht in Schulen“ wurde im Jahr 2013 gemeinsam mit dem Umweltministerium und der Landesbank Baden-Württemberg gestartet. Dabei wurden Doppelstunden an sieben Schulen im Kreis bzw. in insgesamt 19 Klassen abgehalten. Das Projekt wurde in den Folgejahren mit noch mehr teilnehmenden Klassen fortgesetzt.

Seit 2014 kooperiert die Energieagentur bei der Energieberatung mit der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Es werden weiterhin kostenlose Erstberatungen in regelmäßigen Sprechstunden angeboten. Zusätzlich können nun gegen ein geringes Entgelt auch Vor-Ort-Besuche der Berater in der eigenen Immobilie mit Energiecheck gebucht werden. Seit 2015 wird mit der Verbraucherzentrale zusätzlich ein „Heizungscheck“ offeriert, bei dem die Heizung in Privathäusern mittels eines Datenloggers über 48 Stunden untersucht und das Ergebnis ausgewertet wird. Ebenso stehen ein „Solarthermiecheck“ oder ein „Fernwärmecheck“ mit Optimierungsvorschlägen zur Verfügung.

Nach einem einstimmigem Kreistagsbeschluss wurde 2016 mit der Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes für den Kreis begonnen. Ziel ist es, auf kommunaler Ebene die Klimaschutzvorgaben von Bund und Land zu unterstützen. Damit beauftragt wurde eine Bietergemeinschaft, bestehend aus dem Ingenieurbüro Klärle aus Schäftersheim und dem Ingenieurbüro infas enermetric aus Greven. 2017 fand in einer Auftaktveranstaltung und sechs Workshops eine Beteiligung von Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Bürgern statt. Die Ergebnisse wurden am 15. Mai 2018 beim Taubertäler Klimagipfel in der Wandelhalle mit Umweltminister Franz Untersteller und Klimaexperte Sven Plöger präsentiert. Der Kreistag verabschiedete das Konzept am 18. Juli. Zuletzt unterzeichneten die Bürgermeister und Oberbürgermeister aus dem Kreis nach Beratung in den Gemeinderäten eine Interkommunale Vereinbarung zur Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes.

„Mit der neuen Geschäftsführerin Stefanie Schaupp werden wir die Arbeit der Energieagentur neu ausrichten“, erklärt Landrat Frank. Bei der Energieberatung werde die Agentur sich künftig wieder stärker auf ihre Lotsenfunktion konzentrieren. Interessierte Bürger sollen nach einer Initialberatung für eine vertiefte Analyse an das Netzwerk der Energieberater vermittelt werden. Dadurch werden zeitliche Kapazitäten geschaffen, um die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes mit den Schwerpunkten Energieeinsparung sowie Ausbau der Photovoltaik und der E-Mobilität engagiert voranzutreiben. „Damit ist die Energieagentur für die kommenden Jahre hervorragend aufgestellt“, sagt Frank. lra

 

BILD:

Zehn Jahre Energieagentur: Das Klimaschutzkonzept für den Main-Tauber-Kreis wurde beim Klimagipfel in Bad Mergentheim mit u.a. Minister Franz Untersteller und Wetterexperte Sven Plöger der Öffentlichkeit präsentiert. Foto: Landratsamt Main-Tauber-Kreis / Frank Mittnacht

 

 

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