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Spannende Kunstgeschichte nimmt erfreuliches Ende

Wertheim. Auch wenn die Kultur derzeit scheinbar brach liegt und die Museen geschlossen sind, so geht es doch hinter den Kulissen stetig weiter. So fand am vergangenen Montag, dem 9.11. mit der Übergabe eines Wertheimgemäldes eine spannende „Kunst-Geschichte“ ein erfreuliches Ende.

Gut ein Jahr ist seit einem Kaufangebot  vergangen, bis das Ölgemälde, das eine Ansicht der Stadt von Westen zeigt, den Weg in das Grafschaftsmuseum fand. Vorangegangen war die Suche nach einem Sponsor, der glücklicherweise mit dem Historischen Verein Wertheim schnell gefunden war. Einig war man sich – das Bild muss nach Wertheim zurück. Durch die Vermittlung von Dr. Ludwig Braun konnten sich die Beteiligten schließlich auch preislich einigen und das Gemälde für das Grafschaftsmuseum schließlich ankaufen. Die Übergabe erfolgte nun im Archivverbund Main-Tauber im Kloster Bronnbach, wo sich auch die Geschäftsstelle des Historischen Vereins Wertheim mit ihrer Leiterin Bettina Winkler befindet. Der Vereinsvorsitzende PD Dr. Frank Kleinhagenbrock übergab das Gemälde an Museumsleiterin Stefanie Arz M.A. Diese freut sich über das neue Objekt, das in der zukünftigen Burgabteilung, die gerade in Planung ist, einen würdigen Platz finden soll.

Das Gemälde, das im vergangenen Jahr im Kunsthandel auftauchte, stammt von einem anonymen Künstler. Bereits im November 2019 hatte Museumsmitarbeiterin Dr. Constanze Neuendorf daraufhin mit der Recherche zu dem mit „R“ unterzeichnenden Künstler begonnen. Leider konnte bislang keine Zuordnung erfolgen, obwohl das Bild von einem evtl.  aus Würzburg stammenden Künstler geschaffen wurde. Auch die auf dem Bild befindliche Datierung, die auf eine Entstehungszeit im Juni 1873 verweist, führte nicht weiter. Allerdings ist das Motiv bestens bekannt. Eine bis ins Detail fast identische Darstellung befindet sich auf einem Stich in der Museumssammlung, der in der im 19. Jahrhundert populären Zeitschrift „Die Gartenlaube“ 1863 erschienen ist. Diese Grafik, bezeichnet „nach der Natur gezeichnet von Winkler“, ist gut 10 Jahre älter als das Gemälde und entstand etwa zeitgleich mit einer sehr ähnlichen Ansicht Wertheims von Theodor Verhas, der 1863 die Gegend in zahlreichen Darstellungen zeichnerisch festhielt. Auch von diesem Heidelberger Künstler (1811-1872) befindet sich ein großes Konvolut an Zeichnungen und Aquarellen in der Wertheimer Museumssammlung. Trotz des eindeutigen Bezugs auf die Winklersche Darstellung  ist es erstaunlich, wie detailgenau der noch unbekannte Maler diese Vorlage in Öl umsetzte und dabei die Farbigkeit der Gebäude realistisch wiedergegeben hat. Offenbar war auch er selbst vor Ort, hat die gelben Gebäude wie Kemenate und Stiftskirche treffend und in gekonnter Lichtstimmung erfasst, wie sie der zeichnerischen Vorlage nicht zu entnehmen sind. Zurück in Wertheim ist das auf Leinwand gemalte Bild nun eine erfreuliche Ergänzung der Gemäldesammlung, in der eine gemalte Ansicht aus dieser Perspektive bislang fehlte.

Zu sehen sein wird das Gemälde in der künftigen Burgabteilung des Grafschaftsmuseums neben Grabungsfunden zusammen mit weiteren Ansichten von Stadt und Burg. (cn)

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