Wirtschaft kommt nicht in Schwung
Industrie und Handel negativ gestimmt, nur unternehmensnahe Dienstleistungen zufrieden

MITTELFRANKEN (RED). Die mittelfränkische Wirtschaft kommt auch zum Jahresbeginn nicht in Schwung: Die Stimmung in der Industrie hat sich weiter abgekühlt. Die Betriebe in Handel, verbrauchernahen Dienstleistungen und Bauwirtschaft melden bei der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage ebenfalls keine Verbesserung ihrer Geschäftslage. Nur die unternehmensnahen Dienstleistungen verzeichnen gute Geschäfte und sind für die nächsten Monate optimistisch.

„Die Stagflation hat die Wirtschaft noch immer fest im Griff“, so IHK-Präsident Dr. Armin Zitzmann. „Den Unternehmen machen die Kostensteigerungen und die Nachfragerückgänge weiterhin Sorgen. Sie sehen keine Anzeichen dafür, dass es in den nächsten Monaten zu einem stabilen Aufschwung kommen könnte.“

Der IHK-Konjunkturklimaindex tritt deshalb auf der Stelle: Zum Jahresbeginn 2024 erreicht er einen Wert von 95,8 Punkten (minus 0,3 Punkte im Vergleich zum Herbst). Der Rückgang ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sich die Industriebetriebe bei der IHK-Konjunkturumfrage weitgehend negativ äußerten und von schwachen Auftragseingängen im Exportgeschäft berichteten. Das trifft Mittelfranken mit seiner exportorientierten Industrie besonders stark.

Die aktuelle Geschäftslage wird von den Betrieben etwas besser beurteilt als im vergangenen Herbst, am besten von den Betrieben der unternehmensnahen und personenbezogenen Dienstleistungen. Unzufriedenheit herrscht dagegen in Industrie und Handel. Die Perspektiven für die kommenden Monate werden von den mittelfränkischen Betrieben mit Skepsis betrachtet, besonders pessimistisch sind Bauwirtschaft und Handel. Und auch in der Industrie haben sich die Aussichten verdunkelt. Nur die Dienstleistungsbetriebe sehen unter dem Strich zuversichtlich in das erste Halbjahr. Dieses Stimmungsbild schlägt sich unmittelbar in der Personalplanung der Betriebe nieder: Neue Jobs entstehen vor allem in den unternehmensnahen Dienstleistungen, während die Betriebe in Industrie, Bauwirtschaft und Handel kaum Neueinstellungen planen. Gleiches gilt für die Investitionspläne: Vor allem die Industriebetriebe halten sich zurück, ein Drittel von ihnen will die Investitionen sogar verringern oder ganz einstellen.

Die mittelfränkischen Betriebe nennen vor allem diese wirtschaftlichen Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung: Zwei Drittel von ihnen äußern Sorge über die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die sie als Gefahr für den Wirtschaftsstandort sehen. Das ist bemerkenswert, weil dieser Aspekt nun einen neuen Rekordwert in der IHK-Umfrage erreicht hat. Begründet werden die Klagen u. a. mit hohen Bürokratielasten und -kosten, zunehmenden Hemmnissen im internationalen Handel sowie Unklarheit über staatliche Regelungen und Förderprogramme (z. B. Heizungsgesetz, Elektromobilität).

Mehr als die Hälfte der Betriebe klagt weiterhin über zu hohe Energie- und Rohstoffpreise, wenngleich hier der Preisdruck im letzten Jahr nachgelassen hat. Auch die gesunkene Inlandsnachfrage und die gestiegenen Arbeitskosten werden als Risiken für die Betriebe und den Standort genannt. Ein weiterer Hemmschuh sind die Zinsen, die wegen der Bekämpfung der Inflation hoch bleiben. Sie dämpfen die Kauflaune der Verbraucher und die Investitionen der Betriebe. Speziell der Handel und die Bauwirtschaft haben aber immerhin die Hoffnung, dass die Haushalte in den nächsten Monaten wieder etwas mehr ausgeben, weil sie durch hohe Tarifabschlüsse mehr Geld zur Verfügung haben.

„Wenn die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als potenzielles Wachstumshemmnis einen neuen Rekordwert erreichen, dann zeigt das den dringenden Handlungsbedarf der Politik“, so IHK-Präsident Zitzmann. „Diese Verunsicherung muss enden und die Betriebe müssen klar erkennen können, dass die Wirtschafts- und Finanzpolitik in Deutschland und Europa die Weichen konsequent in Richtung Wachstum umstellen. Dann werden auch die Unternehmen ihre Investitions- und Beschäftigungsbremsen lösen.“

 

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