Interview mit Daniel Gehrlein, Koordinator des Familiennetzwerkes Boxberg

Von Stefanie Harnisch

Boxberg. BlickLokal traf Daniel Gehrlein – er ist Sozialpädagoge und arbeitet als Koordinator beim Familiennetzwerk Boxberg.

BlickLokal: Das Familiennetzwerk Boxberg wurde in den letzten Monaten neu organisiert. Da wurde auch die Finanzierung auf neue Füße gestellt…

Daniel Gehrlein: Es ist ein Dreigestirn aus Mitteln, die die Evangelische Kirchengemeinde Boxberg-Wölchingen aus Töpfen der Evangelischen Landeskirche bezieht, einem Eigenanteil der Diakonie im Main-Tauber-Kreis und Mitteln der Stadt Boxberg, welche aus Erlässen der Kreisumlage des Landratsamtes entstanden sind. Die Stadt Boxberg stellt uns zudem die Räumlichkeiten zur Verfügung und hat hier neben uns Renovierungen durchgeführt. Der Vertrag wurde bereits im Januar 2019 unterschrieben, wir sind im Mai von der Poststraße in den Seebuckel 20 zogen.
BlickLokal: Gab es auch Änderungen bei Kooperationen?
Daniel Gehrlein: Die evangelische KITA „Schatzkiste“ in Boxberg, die ein enger Kooperationspartner ist, entwickelt sich zu einem Ev. Familienzentrum nach den Richtlinien der Diakonie Baden. Es gibt ein zertifiziertes Weiterbildungsprogramm für die Einrichtung und die Erzieherinnen – Ziel ist es, sich weiter nach außen zu öffnen, sich noch stärker in das Gemeinwesen einzubinden, zu vernetzen. Die Anforderungen an KITAS sind in den letzten Jahren stetig angewachsen und es ist wichtig und gut sich darauf vorzubereiten.

BlickLokal: Wie sieht aktuell Ihr Einsatzgebiet aus?

Daniel Gehrlein: Wir nennen uns Familiennetzwerk, da wir 13 Ortsteile betreuen, die sehr verstreut sind. Langfristig wollen wir auch dezentral direkt in den Ortsteilen etwas anbieten. Generell möchten wir einen niederschwelligen Zugang zu Beratungs-, Bildungs und Offenen Angeboten bieten. Wir haben im Familiennetzwerk eine Vielzahl an hauptamtlichen Beraterinnen und Beratern seitens des Caritasverbands im Tauberkreis e.V, des DRK Kreisverbands Tauberbischofsheim und des Diakonischen Werkes im Main-Tauber-Kreis hier, die Sprechstunden, aber auch Kurse anbieten.

BlickLokal: Welche Kurse sind besonders gefragt?

Daniel Gehrlein: Was sich zu Beginn neben den Beratungsangeboten entwickelt hat, sind Bildungsangebote. Wir haben zum Beispiel mit der Vortragsreihe „Rundum Familie“ gestartet – dies haben wir zusammen mit dem Gesundheitszentrum in Person von Herrn Dr. Schott gemacht. Die Kinder- und Jugendarztpraxis Dr. Schott ist sehr engagiert und diese Kooperation soll auch noch ausgebaut werden. Wir möchten 2020 noch intensiver in die Thematik einsteigen. Am 16. November hatten wir einen Vortrag über Osteopathie – hier wurde ein Einblick in das Thema gegeben. Die Veranstaltung war für das erste Mal sehr gut besucht und auch generationenübergreifend interessant. Es kam ein Allgemeinmediziner, der sich auf dem Feld spezialisiert hat, aus Berlin angereist.
Es gibt zudem schon länger das Generationennetzwerk hier in Boxberg, bei dem man sich engagieren kann. Sie bewerben ihre Projekte unter anderem unter unserem Dach, machen aber auch eigenständige Angebote. Mehrmals im Monat findet ein offener Treff statt: „Der Generationentreffpunkt Boxberg“.
Zudem haben wir über das Landesprojekt „STÄRKE“ einen Kurs in mehreren Teilen angeboten, der auf die Geburt und die erste Zeit danach vorbereitet. Da ging es zum Beispiel um erste Entwicklungsschritte des Kindes, Beschäftigung mit Neugeborenen und Kleinkindern. Die Veranstaltung bieten wir in Kooperation mit unserer Familienhebamme an, die im Diakonischen Werk im Main-Tauber-Kreis angestellt ist. Der Kontakt mit ihr kam zu Stande, da ich auch noch in der Schwangerschaftsberatung und der Schwangerschaftskonfliktberatung des Diakonischen Werkes tätig bin.
Der Kulturverein Akzente e.V. ist ebenfalls noch ein großer und engagierter Verein hier in Boxberg. Wir sind mit dem Verein eng in Kontakt und wollen in Zukunft gut zusammenarbeiten und Ideen entwickeln. Das Generationennetzwerk ist ein Teil davon und z.B. auch der Fahrdienst „Wir verbinden Boxberg“ ist hier organisatorisch zugehörig. Auch die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit ist dort angesiedelt.
Es wird in Kooperation mit der evangelischen KITA Schatzkiste übrigens auch noch einen offenen Treff geben, der für junge Eltern und Familien mit kleinen und jüngeren Kinder gedacht ist, wo wir (KITA und ich) die Betreuung sicherstellen wollen. Hier wollen wir auch informelle Inputs geben: Von Fasching bis zur Trageberatung oder „Erste-Hilfe-Kurs am Kind“ – die Themen werden sich über mehrere Termine erstrecken und im Januar starten.

BlickLokal: Suchen Sie Ehrenamtliche?

Daniel Gehrlein: Wir sind hier als Familiennetzwerk Boxberg eine Anlaufstelle für alle, die in diesem Umkreis und Umfeld mitdenken wollen, die sich engagieren wollen und vielleicht auch neue Ideen einbringen möchten. Wir suchen Ehrenamtliche, aber auch Leute mit Ideen, die nicht wissen, wie sie es umsetzen und organisatorisch stemmen können und deshalb jemanden brauchen, der sie unterstützt, der delegieren oder Verbindungen schaffen kann.

Blicklokal: Welche Pläne hat das Familiennetzwerk für 2020?

Daniel Gehrlein: Wir wollen einerseits Neues entwickeln, andererseits Bestehendes aufrechterhalten, vielleicht präsenter machen, weil hier in Boxberg schon sehr viel passiert. Wir werden auch versuchen im nächsten Jahr mehrere Aktionstage zu bestimmten Themen anzubieten- vor allem mit dem Gesundheitszentrum, aber auch mit der KITA und den Schulen.
Zum Thema „Natur erleben“ möchten wir z.B. gerne etwas anbieten, um Kinder und Jugendliche ein bisschen mehr nach draußen zu locken. Vielleicht auch zum Thema „Kräuter“ etc. Wenn sich hier jemand auskennt, ist er gerne willkommen, sich mit uns zu engagieren. Auch das Feld gesunde Ernährung ist uns wichtig. Zudem wollen wir an das Thema „Nutzung von Medien“ rangehen.
Zudem ist angedacht, mit einer Kinder- und Jugendpsychotherapeutin eine Gruppe anzubieten. Wahrscheinlich eine Betroffenengruppe ADHS oder eine Gruppe für Kinder- und Jugendliche mit psychisch kranken Eltern.
Außerdem wollen wir versuchen, eine Hebammensprechstunde anzubieten, damit der Hebammenmangel, der zurzeit extrem ist, etwas abgefedert wird. Auch soll ein offenes, niederschwelliges Begegnungsangebot, an einem Ort des öffentlichen Lebens in der Stadt entwickelt werden. Es soll dabei immer eine Ansprechperson dabei sein, um einfach mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Hier können sich Ehrenamtliche auch gerne engagieren.

BlickLokal: Vielen Dank für das Interview!

Angebote des Familiennetzwerk Boxberg
1.) Beratungsangebote
-Sprechstunde „Koordination Familiennetzwerk“
-Kirchlich-Allgemeine Sozialberatung: Anlaufstelle für alle persönlichen und sozialen Fragestellungen, Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen

-Erziehungsberatung
-Jugend- und Migrationsdienst
-Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung
-Anlaufstelle Startklar! (Unterstützung junger Erwachsener beim Übergang in Ausbildung und Arbeit)
-Schuldnerberatung
-Ökumenische Fachstelle für Flucht- und Migration im Main-Tauber-Kreis

2.) Bildungsangebote
-Vortragsreihe „Rundum Familie“
– PC- und Smartphone-Kurse des
Generationennetzwerk Boxberg
-STÄRKE Kurs: „Die erste Zeit mit unserem Baby – Vorbereitung auf die Geburt und die erste Zeit danach“

3.) Offene Angebote
–Sonntagscafé, Akzente e.V., Kulturverein
-Generationen-Treffpunkt Boxberg, Möglichkeit Kontakte zu finden und sich mit Bürgern vor Ort auszutauschen
-Treffpunkt Familie Boxberg, Für alle Mütter, Väter, Kinder und Neugierige. Ein Angebot zur unkomplizierten Begegnung aller Altersgruppen mit wechselnden Programmangeboten für Kinder und Erwachsene
– Treffpunkt für Frauen und Kinder aus allen Ländern, Evangelische Erwachsenenbildung Odenwald-Tauber