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LAG schiebt deshalb zahlreiche Projekte an

Wörnitz. Von Dinkelsbühl im Süden bis Ohrenbach im Norden haben sich 19 Kommunen zusammen geschlossen, um die Region an der Romantischen Straße mit ihren mehr als 60.000 Einwohnern auf einer Fläche von 698 Quadratkilometern weiter voranzubringen, aber auch um Historisches und Lebenswertes zu bewahren. Begrenzt wird das Gebiet im Osten vom Markt Colmberg und im Westen von der Landesgrenze zu Baden-Württemberg.

 

Die LAG Vorstandschaft. Foto: LAG

Erst jüngst waren viele der 108 Mitglieder, welche sich aus den 19 Bürgermeistern der Kommungen sowie zahlreichen Wirtschafts- und Sozialpartnern zusammensetzen, in Ohrenbach zusammengekommen, um eine neue Vorstandschaft zu wählen. Dabei wurde der bisherige Vorsitzende Herbert Lindörfer (Bezirksrat aus Feuchtwangen) in seinem Amt bestätigt. Ihm zur Seite stehen künftig die Bürgermeister Johannes Hellenschmidt (Ohrenbach) und Wilhelm Kieslinger (Colmberg) als Stellvertreter sowie Peter Köhnlechner (Insingen) als Schriftführer. Die hiesige Vereinigung ist nur eine von inzwischen 69 Lokalen Aktionsgruppen in Bayern, wie Geschäftsführerin Pia Grimmeißen-Haider in der Geschäftsstelle in Wörnitz betont. Eine Art Vorreiter in der Region sei gewiss die LAG in der Hesselbergregion gewesen, welche schon zwölf Jahre vorher ihre Arbeit im südlichen Landkreis Ansbach aufgenommen hatte. Deren Strukturen wurden jetzt teilweise übernommen. So steht an der Spitze des eingetragenen Vereins ein Vorstand mit zahlreichen „geborenen Mitgliedern“. Dieser wird von den aktuell 108 Mitgliedern gewählt, welche auch

Die alte Dorfscheune bei Gailroth wird umgestaltet.

die 47 Mitglieder des so genannten „Steuerkreises“, dem eigentlichen Entscheidungsgremium, bestimmen. Ein Fachbeirat aus Vertretern von Trägern öffentlicher Belange und diverser

Kinderliederbuch „Ein kleiner Schelm bist Du“

Fachbehörden sowie mehrere Projektgruppen und vier Arbeitskreise vervollständigen das Organigramm der LAG. Die vier Arbeitskreise beschränken sich in erster Linie auf den Ausbau und die Vernetzung der Tourismusangebote und den Erhalt des kulturellen Erbes sowie auf die Gestaltung des demografischen Wandels, den Erhalt der hiesigen Kulturlandschaft wie auch die Stärkung als Wirtschaftsstandort und den Erhalt des traditionellen Handwerks. Alle Themen sollen dazu beitragen, den ländlich geprägten Raum entlang der Romantischen Straße zu entwickeln und weiterhin als attraktiven Standort zu festigen. Die Verantwortlichen sind dabei überzeugt, dass man die Potenziale der Region gemeinsam noch besser ausschöpfen kann. Zentrale Anlaufstelle für die Bewilligung von Anträgen für bestimmte Vorhaben ist dabei das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Fachzentrum Diversifizierung und Strukturentwicklung, in Uffenheim. Inzwischen hat die Lokale Aktionsgruppe bereits so viele Projekte auf den Weg gebracht, dass aktuell fast alle Mittel vergeben sind, so der Vorsitzende Herbert Lindörfer. Allerdings seien in den Töpfen für Kooperationsprojekte und für das Projekt „Unterstützung Bürgerengagement“ noch Mittel frei, wie es hieß. Maximal stehen für einen Förderzeitraum – der aktuelle läuft von 2014 bis 2020 – rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Durch einen entsprechenden Nachtragshaushalt könnte diese Summe noch erhöht werden, worauf die Verantwortlichen hoffen.

Künftige Pilger- und Radler-Herberge in Binzwangen

Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit

„Wir müssen die LAG und ihre Arbeit noch bekannter machen, damit sie sich in der Region auf lange Sicht für alle Bürger etabliert“, meint Pia Grimmeißen-Haider. Dabei kommt ihr eine Zufriedenheitsabfrage der Steuerkreismitglieder zu Gute. Demnach seien die Ergebnisse der Umfrage sehr positiv gewesen. Die Befragten waren begeistert von den Projekten, von der Arbeit der Geschäftsstelle in Wörnitz und den einzelnen Gremien sowie von der gesamten Wirkung der so genannten „LEADER-Förderung“. Blickt man tiefer in die Arbeit der LAG, so muss man feststellen, dass schon zahlreiche Einzelprojekte abgeschlossen wurden. So konnte im September 2016 ein Barfußpfad in Nordenberg bei Windelsbach eröffnet werden. Entlang des 1,8 Kilometer langen Pfades werden auf 30 Tafeln Informationen zu den Stationen selbst wie auch über die umgebende Natur anschaulich dargestellt. Um die Attraktivität der Region an der Romantischen Straße als Reiseziel für Radtouristen zu steigern, wurde bis November 2016 neben der Dinkelsbühler Jugendherberge ein Fahrradservice-Stützpunkt eingerichtet. Die Station bietet Platz für 40 Fahrräder und 24 Schließfächer. Die Ausstattung geht soweit, dass auf einer Werkbank sogar kleinere Reparaturen vorgenommen werden können. Ebenfalls im Herbst 2016 wurde ein neues Kinderliederbuch vorgestellt. Mit diesem soll die regionale Historie gepflegt und erlebbar gemacht werden – ein wahrer kultureller Schatz wurde hier geborgen. Auch konnte im letzten Sommer der neue Radwanderweg „Historische-8-Frankenhöhe“ seiner Bestimmung übergeben werden. Dieser führt durch neun Kommunen und hält an 14 Stationen Informationen über die regionale Geschichte bereit. Ferner möchte die Stadt Feuchtwangen im so genannten „Nixel-Areal“ durch die Umnutzung einer denkmalgeschützten Scheune und die Umgestaltung der dazugehörigen Freianlagen eine neue Innen- und Außenspielstätte mit Tribüne schaffen. Die LAG unterstützt dieses Vorhaben mit der Förderung der Ausstattung der Räumlichkeiten. In Arbeit ist aktuell auch die alte Dorfscheune im Schnelldorfer Ortsteil Gailroth, die so umgestaltet werden soll, dass künftig verschiedene Interessengruppen die Räumlichkeiten für ihre Aktivitäten nutzen können. Bald losgehen soll es auch mit der Verwirklichung eines „Wappenwanderweges“ mit Bewegungsparcours in Diebach einschließlich sanitärer Anlagen im

Eröffnung der Fahrradservicestation Dinkelsbühl Foto: Stadt Dinkelsbühl

ehemaligen Klärwärterhaus. Darüber hinaus will die LAG bald ein Projektmanagement vergeben, das sich mit dem Thema „Pittoreskes Rothenburg“ beschäftigt. Der damit verbundene Themenkomplex soll mit mehreren Ausstellungen visualisiert werden. Weitere beantragte, aber noch nicht bewilligte Projekte sehen einen künftigen „RegioTreff Frankenhöhe“ mit intregrierter Regional-Theke in Lauterbach bei Geslau sowie eine „Vinothek Tauberzell“ und eine Pilger- und Radler-Herberge in einem ehemaligen Austragungshaus in Binzwangen sowie ein privates Freizeitangebot „FrankenLust am Mohrenhof“ bei Geslau vor. Weitere beschlossene und bewilligte Kooperationsprojekte mit anderen LAG´s sind die Erfassung historischer Kulturlandschaften, die Einrichtung und der pilothafte Betrieb einer Fastnachtsakademie im unterfränkischen Kitzingen, der

Geschäftsführerin Pia Grimmeißen-Haider vor der LAG-Geschäftsstelle in Wörnitz. Fotos: Heinz Meyer

mittelfränkische Jakobsweg von Nürnberg nach Rothenburg, der „Jakobstrinkbrunnen“ in Oberhegenau bei Colmberg, die Vernetzung von Radrouten im Romantischen Franken und die innovative Weiterentwicklung der Fränkischen Moststraße. Ferner will man den Spuren jüdischen Lebens in Westmittelfranken mit einem Dokumentationszentrum „Familengeschichten – Jüdisches Leben in Colmberg“ und einer Dokumentation des jüdischen Friedhofs in Schopfloch nachgehen. Auch soll die historische Grenze von 1804 zwischen Hohenlohe-Schillingsfürst und Preußen erlebbar gemacht werden. Weitere geplante Vorhaben sind eine Informationsbeschilderung des Obsthains zwischen Diederstetten und Dinkelsbühl, die Schaffung einer „Mühlenroute“, ein Abenteuerspielplatz unweit der Colmberger Burg und die Zugänglichmachung eines jüdischen Ritualbades, der Mikwe, in Rothenburg. Aus den genannten Gründen will man mit einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit auf diese Projekte aufmerksam machen. Vertreten ist man deshalb wieder mit einem eigenen Stand im April dieses Jahres bei der Ansbacher „Kontakta“. Die neuesten Planungen sehen sogar die Einführung eines so genannten „Rückkehrer-Newsletters“ für alle Mitgliedsgemeinden vor, mit dem junge Menschen nach einem Wegzug weiter über aktuelle Dinge aus der Heimatregion informiert werden sollen, um diese irgendwann vielleicht zur Rückkehr ins westlichste Mittelfranken bewegen zu können. Denn eines ist sicher: Auch an der Romantischen Straße lässt es sich in einer schönen Landschaft mit vielen Angeboten unterschiedlichster Art sehr gut leben.

Einweihung des Barfußpfades mit Kommunalpolitikern in Windelsbach. Foto: LAG

 

Text: Heinz Meyer

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