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Weltladen Bad Mergentheim – Fachgeschäft des Fairen Handels

Rita Hofmann: „Der Weltladen ist dreifach gut“

Text und Fotos von unserer Redakteurin Stefanie Harnisch

Gründung:

Der Vorgänger des heutigen Weltladens entstand unter dem Dach der katholischen Münstergemeinde St. Johannes Baptist als Projekt des Ausschusses „Mission – Entwicklung – Frieden“. 1992 begannen die Aktivitäten rund um den Fairen Handel in Bad Mergentheim im Kleinen: ein Garagenverkauf im Weberdorf war der Anfang. 1995 zog man ins Spital am Gänsmarkt und öffnete zweimal monatlich samstags. 2009 schließlich erfolgte der Umzug in die Zaisenmühlstraße 3 in Bad Mergentheim. Der gemeinnützige Verein „Weltladen Bad Mergentheim e.V.“ wurde dann am 13. Juli 2012 gegründet. Der Umzug und die Vereinsgründung eröffneten neue Möglichkeiten. Im Herbst wird das 10-jährige Jubiläum des Weltladens an diesem Standort gefeiert. 2020 kann bereits das 25-jährige Vereinsjubiläum begangen werden. Der Verein Weltladen e.V. bemüht sich, die laufenden Kosten des Ladenbetriebs durch Beiträge und Spenden aufzubringen und versteht sich als kirchennaher Verein. Vereinsziel ist es, mit dem im Weltladen erwirtschafteten Geld konkrete Projekte der von der römisch-katholischen Kirche mitgetragenen Missions-, Entwicklungshilfe- und Friedensarbeit zu fördern. Aktuell spendet der Weltladen Bad Mergentheim pro Jahr ca. 8000 Euro.

Das Team im Weltladen

Im Weltladen Bad Mergentheim zeichnet Rita Hofmann für den Einkauf verantwortlich. Dabei unterstützt sie vor allem kleine Lieferanten (ca. 20 Anbieter), die vom Fairen Handel anerkannt sind. Beim Einkauf gibt sie sich sehr viel Mühe, um viele verschiedene, individuelle Produkte anbieten zu können. Die Transparenz ist durch eine detaillierte Ausschilderung der Produkte gewährleistet.
Das bunt gemischte Team rund um den Weltladen besteht derzeit aus 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern plus Vorstandschaft – alle setzen sich ehrenamtlich und vollkommen unentgeltlich für mehr Gerechtigkeit in der Welt ein und unterstützen somit zugleich auch Hilfsprojekte für Mission, Entwicklung und Frieden. Sie tragen sich nach ihren Wünschen und Möglichkeiten zum Ladendienst ein oder übernehmen andere Aufgaben rund um den Ladenbetrieb. Die Schichten können gut abgedeckt werden, da der Ablauf professionell organisiert ist. Im Weltladen bündeln sich auch Vielfalt und unterschiedliche Lebenserfahrungen: Die Altersspanne des Ladenteams liegt zwischen 30 und 80 Jahren. Rita Hofmann lobt dabei die tolle Gemeinschaft und kümmert sich auch sehr engagiert um die einzelnen Mitarbeiter im Weltladen.
Für Rita Hofmann ist der Weltladen dreifach gut: Zum einen unterstützt er den Fairen Handel in Lateinamerika, Asien etc. vor Ort, die Menschen können im Land bleiben, weil sie eine wirtschaftliche Erwerbsgrundlage und Perspektive haben. Dann bietet der Weltladen gesunde, hochwertige Bioprodukte und Handwerkskunst an. Zum dritten fließt der Erlös durch Spenden des Weltladens Bad Mergentheim zurück in die armen Länder.

Aktivitäten des Vereins

Viele weitere Aktivitäten bietet der Verein seinem Team an: So sind der Stammtisch, die Ausflüge und die gemeinsamen Kochabende tolle Gemeinschaftsaktionen, die gut besucht werden.
Auch öffentliche Aktionen wie das „Faire Mittagessen“ im Herbst kommen gut an. So kocht hier delikat-fineCatering im Mittelstandszentrum Bad Mergentheim mit den fair gehandelten Produkten des Weltladens, der Verein übernimmt den Service. Weitere Aktivitäten zeigen das große Engagement des Vereins: Beim Würth-Familientag wird eine Filzwerkstatt angeboten. Auch beim Weltladentag, beim Schlosserlebnistag oder beim Sommerferienprogramm der Stadt Bad Mergentheim, bei der Fairen Woche im Herbst etc. ist der Verein mit seinem Produktangebot präsent. Darüber hinaus zählen Ausstellungen in großen Bankhäusern der Kurstadt zu den Erfolgen. „In den letzten Jahren gelang der Aufbau eines großen Netzwerkes, das den Verein vorangebracht hat“, stellt Rita Hofmann zufrieden fest.

Welche Produkte werden im Weltladen angeboten?

Oftmals werden Naturmaterialien oder auch Abfall wie altes Blech oder Dosen verarbeitet. Daraus entstehen originelle Produkte wie z.B. ein Handklavier oder Einkaufstüten aus Seegras. Viele Holzprodukte sind im Angebot: Salatbesteck, Untersetzer, Schalen. Schmuck wird aus Taguanuss, der Capriz-Muschel, aus Orangenschalen, aus Metall, aus Filz, aus Knöpfen etc. hergestellt. Zu entdecken sind neben Schokolade, Tee, Textilien auch Accessoires wie Taschen oder kleine Geschenkideen wie Kerzen. Ledergeldbeutel, Spielzeug, Körbe, Einkaufstaschen werden ebenfalls angeboten. Doch der Weltladen hält noch viel mehr bereit: Eine exotische Papierabteilung und ein einladender Wellnesstisch mit Seifen, Salzen, Cremes und Ölen. Viele Kunden kaufen Geschenkgutscheine und sind oftmals überrascht vom breiten Sortiment. Wer eine bewusste Einstellung zu Lebensmitteln hat, wird im Weltladen fündig: Bei hochwertigen Produkten relativiert sich der Preis, da Qualität und besondere Ergiebigkeit gegeben sind: Ein Beispiel dafür ist bei niedriger Temperatur Langzeit gerösteter Kaffee. Zudem werden individuell zusammengestellte Geschenkkörbe verkauft.

Aktuelle Projekte:

Der Weltladen Bad Mergentheim unterstützt aktuell 3 Projekte: Das Armenkrankenhaus „Policlínicos Social Aleman Espíritu Santo“ in Arequipa /Peru hat der Weltladen Bad Mergentheim bereits 2013 und 2014 unterstützt. Nun soll mitgeholfen werden, die laufende medizinische Versorgung der täglich über 2.000 Patienten zu sichern.
Die Stiftung „pro fratre et amico“ unterstützt zusammen mit Pfarrer Ralph Walterspacher aus Lauda in Äthiopien und im Südsudan Einrichtungen der Steyler Missionare. Der Weltladen Bad Mergentheim will die Kosten für einen Lehrer und seinen Unterricht aufbringen, um Kinder statt zur Arbeit zur Schule gehen zu lassen.
Daneben sollen Berthold Ludwig aus Unterbalbach und Wolfgang Spinner aus Werbach bei ihren Hilfstransporten in Zusammenarbeit mit Pfarrer Thomas Kuhn aus Werbach dabei unterstützt werden, Hilfsgüter wie z.B. Krankenbetten in den Kongo zu bringen.

Definition Fairer Handel:

Der Faire Handel orientiert sich an festgelegten Kriterien: So ist das Ziel, Kleinbauern und Handwerkern in Südamerika, Asien und teils auch in Afrika mehr Geld für ihre Produkte zu zahlen, keine Kinderarbeit zu dulden, und langfristige Lieferverträge abzuschließen, um den Menschen vor Ort eine Perspektive zu eröffnen – oft auch durch Anschubfinanzierungen. Außerdem muss der ökologische Standard und Arbeitsschutz eingehalten werden und es werden Bioprodukte verlangt. Verschiedene Organisationen wie z.B. GEPA oder DWP betreuen Kooperativen – also Zusammenschlüsse von Kleinbauern vor Ort. Die Verhandlungen werden dabei immer auf Augenhöhe geführt. Auf der einen Seite wird die Nachfrage berücksichtigt, auf der anderen Seite aber auch, was die Kleinbauern leisten können. Dabei bleibt die Wertschöpfung im Land, weil viele Produkte wie Schokolade, spezielle getrocknete Mangos etc. komplett fertig und verpackt im Herkunftsland nach Deutschland exportiert werden. In den Kooperativen werden dringende Infrastrukturmaßnahmen unterstützt, die die Menschen vor Ort voranbringen. Vom „Faire Trade“-Zeichen hat sich der Faire Handel distanziert, weil es durch die Politik des Gesamtmengenausgleichs, der großen Discountern und Handelsketten gewährt wird, bereits sehr verwässert ist. Wichtig zu wissen: GEPA arbeitet weit über das Niveau von „Fair Trade“ hinaus. Der Weltladen hat sich zur Auflage gemacht, Produkte mit mindestens 50- prozentigem Anteil aus Fairem Handel zu beziehen, zumeist liegt der Wert weit höher. Es lohnt sich also genau hinzusehen!