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Vom Schweinestall zum global erfolgreichen Familienunternehmen – die Bohlender GmbH

Lauda-Königshofen. Ein ehemaliger Schweinestall in der Bahnhofstraße 3 in Lauda – zwischen Kugelgraben und dem Verkehrsdurchlass am Wörth – wurde einst zur Keimzelle der Firma Bohlender. Noch heute erinnert die kleine Emailletafel mit der Aufschrift „Adam Bohlender, Kunst- und Bauschlosserei“ an die Ursprünge des heute global erfolgreichen Familienunternehmens, das sich auf die Verarbeitung von Hochleistungskunststoffen spezialisiert hat. Bürgermeister Dr. Lukas Braun und Fachbereichsleiterin Sabine Baumeister haben den Geschäftsführer Volker Bohlender im Rahmen der städtischen Wirtschaftsförderung besucht.
Die amtliche Gewerbeanmeldung am 1. September 1959, noch vom damaligen Bürgermeisteramt Lauda ausgestellt, belegt den Geburtstag der „H. Bohlender Metallbearbeitung“. Hermann Bohlender und seine Frau Gertrud hatten am Küchentisch den gemeinsamen Entschluss gefasst, sich der Weiterverarbeitung von Messing zu widmen. Zuvor hatte der Firmengründer beiläufig von Schwierigkeiten seines damaligen Arbeitgebers bei der Herstellung von Messingdrehteilen erfahren. Für den gelernten Techniker war die unternehmerische Neugier und die Lust an der Problembewältigung der entscheidende Ansporn, nun selbst als Nebenerwerb in die Produktion zu gehen. Gesagt, getan: Da die väterliche Schlosserei noch vermietet war, wurde kurzerhand der Schweinestall aus dem Besitz der Mutter mit einer Drehbank ausgestattet. „Pragmatisch war die Familie Bohlender schon immer“, schmunzelt der Sohn des Gründers, Volker Bohlender.
An seinem Vater, der 2017 nach einem langen und erfüllten Leben starb, schätzte Volker Bohlender die Professionalität und den unermüdlichen Arbeitseifer, vor allem aber seinen unternehmerischen Weitblick. Seit 1997 ist Volker Bohlender selbst Geschäftsführer der Bohlender GmbH, die den zwischenzeitlichen Firmenstandort im Bischofsheimer Weg 2002 an den Grünsfelder Waltersberg verlagert hat. An den Tag der Entscheidung kann er sich noch genau erinnern: „Es war der Freitag vor der Eröffnung des Weinfests im Jahr 2000“, blickt Volker Bohlender zurück, „als ich dem damaligen Bürgermeister Otmar Heirich telefonisch mitteilte, Lauda-Königshofen zu verlassen und nach Grünsfeld umzusiedeln.“ Eine weitere Entwicklung sei unter den gegebenen Umständen nicht möglich gewesen, berichtet Bohlender über den Entschluss, den er auch rückblickend als eine gute Entscheidung betrachtet, zumal der Industriepark ob der Tauber ohnehin ein Gemeinschaftsprojekt der Städte Grünsfeld und Lauda-Königshofen ist. Der gebürtige Laudaer ist der Stadt also erhalten geblieben, nur der tägliche Weg zur Arbeit wurde ein paar Kilometer weiter.

Die stattliche Produktpalette des Unternehmens umfasst ca. 40.000 verschiedene Artikel – von der Rührwelle bis zum Abluftfilter. „Wenn Glas in der chemischen Beständigkeit nicht mehr den hohen Erfordernissen genügt, kommen wir ins Spiel“, so Bohlender. Zwar gelangt ein Großteil der Leser vermutlich eher nicht mit den Produkten des Familienunternehmens in Berührung. Doch sie sind gefragte Produkte für einen anspruchsvollen Kundenstamm und umfassen drei Standbeine: Unter der Marke BOLA verarbeitet Bohlender Hochleistungskunststoffe für den Einsatz in Laboren und im medizinischen Bereich. Individuell konfigurierbare Schränke für die Lagerung und Trocknung von Chemikalien werden unter dem Namen SICCO – übersetzt aus dem Lateinischen: trocken – vermarktet. Sie kommen zum Beispiel bei der Produktion von Handychips zum Einsatz oder auf Kriminalämtern, wenn es um die Konservierung wichtiger Beweismittel geht. Zu guter Letzt bietet das Familienunternehmen auch Sicherheitslösungen für den HPLC-Laborbereich an und hat hierfür vor anderthalb Jahren die Sparte b.safe geschaffen. Für diese Neuentwicklung erhielt Bohlender sogar den Zukunftspreis des Main-Tauber-Kreises.
Es gab auch unsichere Zeiten
Doch in der über 60-jährigen Geschichte des Unternehmens blieb Volker Bohlender auch vor nicht verschuldeten Rückschlägen nicht verschont. „Ein solcher Dämpfer war der Terroranschlag vom 11. September 2001. Der Spatenstich zum Erweiterungsbau, einer rund 2800 Quadratmeter großen Lager- und Fertigungshalle, lag da erst eine Woche zurück. 9/11 hat die Auftragslage von einem Tag auf den anderen fast vollständig auf null gesetzt. Nach etlichen schlaflosen Nächten angesichts der großen Unsicherheit, ob und wann sich die Weltwirtschaft wieder erholen würde, kam schließlich nach Wochen das große Aufatmen“, bilanziert der Geschäftsführer erleichtert. Auch bei einem Brand der Photovoltaikanlage vor einigen Jahren habe man großes Glück und eine aufmerksame Nachbarin gehabt: „Das hätte auch anders ausgehen können.“
Rohstoffbeschaffung bereitet Kummer
Das beständige Wachstum der Bohlender GmbH ist aber nicht vom Himmel gefallen, sondern das Ergebnis harter Arbeit. Gerade deshalb ist der Geschäftsführer auf seine rund 70 Mitarbeiter besonders stolz. Den aktuellen Schwierigkeiten bei der Rohstoffbeschaffung könne man dadurch begegnen, dass man sich frühzeitig ein umfangreiches Lager angelegt hat, doch je länger die Knappheit anhält, umso schwieriger werde es, berichtet Bohlender. Dass man sich endlich wieder auf Fachmessen wie der ACHEMA präsentieren dürfe, bezeichnet der Geschäftsführer als überfällig. „Begreifen geht nur mit begreifen“, ist der Geschäftsführer, der sich auch im sozialen Bereich engagiert, überzeugt. Als Stadtrat zwischen 2004 und 2014 hob er die Bürgerstiftung Lauda-Königshofen, deren erster stellvorsitzender Vorstand er lange Zeit war, aus der Taufe. Bürgermeister Dr. Lukas Braun und Fachbereichsleiterin Sabine Baumeister berichteten in diesem Zusammenhang von aktuellen Projekten der Stiftung, und bedankten sich für das erfolgreiche unternehmerische und gesellschaftliche Wirken von Volker Bohlender in der Region. Besonders freut es den Geschäftsführer, dass die dritte Generation bereits in den Startlöchern steht. Schließlich ist der Name Bohlender seit nunmehr 63 Jahren ein Garant für höchste Zuverlässigkeit und Qualität. Wie es aussieht, bleibt der Erfolg auch weiterhin in der Familie.

Bilduntertext: Volker Bohlender (Mitte) mit der städtischen Fachbereichsleiterin Sabine Baumeister und Bürgermeister Dr. Lukas Braun bei der Führung durch das Betriebsgelände. Fotonachweis: Stadt Lauda-Königshofen

 

 

 

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