„Uns hat es gereizt, wirklich gute Brände herzustellen“

Produkte aus Hobbybrennerei in Ipsheim/Oberndorf unter den bayernweit besten Spirituosen

Ipsheim/Oberndorf (ak). Herbert und Erika Beck Treuheit staunten nicht schlecht, als sie 2010 erstmals an der Fränkischen Prämierung des Fränkischen Klein- und Obstbrennerverbandes Würzburg e.V. teilnahmen und man ihnen anschließend das Ergebnis mitteilte: sechs Silbermedaillen für sechs eingereichte Sorten. Dabei hatte man sich „gerade erst“ dazu entschieden, die Hobbybrennerei der Eltern überhaupt weiterzuführen und sich tiefer in die Materie einzuarbeiten. Offensichtlich die richtige Entscheidung – seitdem werden die Oberndörfer Spirituosen immer wieder ausgezeichnet und finden ihren Weg wahrhaft in alle Munde.

Das Herzstück der Brennerei, die Destillieranlage.

Das Familienunternehmen blickt heute auf eine mittlerweile jahrzehntelange Tradition zurück: Angefangen hat alles im Winter 1974/75. Hans und Maria, die Eltern von Herbert Beck Treuheit erwarben damals das Brennrecht sowie die benötige Destillieranlage.

Herbert und Erika Beck Treuheit – seit etwa 10 Jahren sind die beiden leidenschaftliche Brenner.

In der Landwirtschaft tätig, war die Brennerei ein „netter Nebenerwerb“ für die Wintermonate, wenn in der Regel weniger zu tun war. Das während der Jahre angesammelte Wissen gaben sie im Lauf der Zeit an ihren Sohn weiter, welcher 1993 schließlich auch den kompletten Hof mitsamt Brennanlage übernommen hat. Doch an Passion für das „Hobby“ mangelte es zu diesem Zeitpunkt noch etwas, so könnte man sagen. Als Landwirt und selbstständiger Unternehmer mit einem Baggerbetrieb hatte Beck Treuheit ohnehin genug zu tun. 2008 war man dann sogar kurz davor, die Brennerei aufzugeben. „Es war völlig unklar, wie es weitergehen soll“, erinnert sich Erika Beck Treuheit, gelernte Raumausstatterin und Mutter von drei Söhnen. Schließlich fällte man jedoch eine Entscheidung: Die Brennerei sollte nicht nur erhalten bleiben, es wurde sogar eine neue hochwertige Anlage gekauft. Das Ehepaar traf gemeinsam die Entscheidung, „Qualität erzeugen zu wollen“. Und in diesem Zuge sei letztendlich auch die Leidenschaft für die Schnapserzeugung entbrannt, beziehungsweise habe man diese „für sich entdeckt“. Man absolvierte diverse Weiterbildungen, u.a. einen staatlich geprüften Brennerkurs, seit etwa zwei Jahren sind die beiden zudem sogar offiziell ausgebildete Edelbrandsommeliers. „Uns hat es gereizt, wirklich gute Brände herzustellen“, beschreibt Erika Beck Treuheit die Motivation des Ehepaares. Dass man diesem Anspruch durchaus gerecht wird, bestätigen zahlreiche Auszeichnungen: So hat die Ipsheimer Brennerei im vergangenen Jahr an der BayernBrandPrämierung mit acht Sorten teilgenommen. Das Resultat: sieben Mal Silber, ein Mal Gold.

Whisky made in Franken

Im aktuellen Sortiment der „Aroma Brennerei“ findet sich eine breite Vielfalt an Spirituosen – egal ob Gin, Geiste, Liköre, Whisky oder Brände. Darunter auch eher exotische Sorten wie Ingwergeist und Bockbier- oder Mispelbrand. Was Experimente angeht sind Beck Treuheits stets offen für Neues: „Wir sind immer am ausprobieren…“ Insofern das Ausgangmaterial genug Fruchtzucker enthält sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Gleichzeitig legt man großen Wert darauf, eine stetig gleichbleibend hohe Qualität zu erzeugen. Man wolle keine „Ausreißer nach oben“ produzieren. Besonders stolz ist man auf das relativ junge Whisky Angebot (seit 2014). Herbert Beck Treuheit bekam zum 50. Geburtstag ein original Whiskyfass aus Eiche geschenkt. Somit war der Startschuss gefallen und die Produktion des „Ayscher Whiskys“ konnte beginnen. Auf „Ayscher“ sei man deshalb gekommen, da die Aisch (Fluss) in einem alten Wasserrechtsbuch von 1504 noch mit „y“ geschrieben wurde, erklärt Beck Treuheit die ungewöhnliche Schreibweise.

Der Startschuss für die Whiskyproduktion: Zum 50. Geburtstag bekam Herbert Beck Treuheit sein erstes Eichenfass geschenkt.

Aromat als Namensgeber

Besonders stolz sind Beck Treuheits auf ihren „Ayscher Whisky“.

Das Herzstück des Betriebes bildet die 150 Liter fassende Abfindungsbrennanlage aus glänzendem Kupfer. Im Gegensatz zu „Standartmodellen“ hat diese zusätzlich einen sogenannten Aromaten verbaut, welcher, wie der Name schon vermuten lässt, für ein noch feineres Aroma im Endprodukt sorgt. Allerdings dürfe man sich vom Begriff nicht täuschen lassen und denken, dass dabei künstliche Aromen hinzugefügt werden, betont der Brenner. Vielmehr sorgt das Bauteil für einen „schonenderen“ Destillationsvorgang und steigert somit die Qualität der Brände. Diesem Aromaten sei auch der Name des Betriebs „Aroma Brennerei“ geschuldet. Ebenfalls positiven Einfluss auf das Aroma hat Kupfer, damit erklärt sich auch, warum dieses standartmäßig für den Bau der Anlagen verwendet wird. Doch es gibt einen weiteren Grund, verrät Beck Treuheit: Kupfer verhindert, dass giftige Blausäure während des Destilliervorgangs mit übergebrannt wird.

Geruchssinn gefragt

Das fertige Destillat verlässt die Anlage. Der Alkoholgehalt zu diesem Zeitpunkt beträgt ca. 80 Prozent.

Von der Maische bis zum fertigen Endprodukt sind einige Schritte notwendig. Größtenteils passieren diese automatisch innerhalb der Rohre und Kessel. Doch auch die Erfahrung und das Können des Brenners spielen eine entscheidende Rolle. Anfangs wird die Maische in die sogenannte Blase (fasst 150 Liter) gegeben. Ein Rührwerk sorgt dafür, dass diese in Bewegung bleibt, während sie gleichmäßig erhitzt wird. Der Brennkessel befindet sich direkt unterhalb der kugelförmigen Blase und wird mit Holz befeuert. Ab circa 78 Grad Celsius beginnt das Methanol zu verdampfen, dieses bildet den als solchen bezeichneten Vorlauf. Ab etwa 80 Grad verdampft das trinkbare Ethanol, welches den begehrten Mittellauf bildet. Zuletzt, ab ca. 84 Grad, verdampfen Fette und Öle (Abfallstoffe), diese werden wiederum als Nachlauf bezeichnet. Mithilfe verschiedener Kühler wird der Dampf anschließend zum Kondensieren gebracht und mit einer Temperatur von 15 bis 20 Grad verlässt der Ausfluss die Anlage. Es ist Aufgabe des Brenners, die drei Läufe voneinander zu trennen, letztendlich möchte man nur den Mittellauf am Ende auch in der Flasche haben. Anhand des Geruches erkennt Beck Treuheit, wann der Vorlauf zu Ende ist, der Nachlauf aber noch nicht begonnen hat. Typisch für den Vorlauf ist der kleberartige Geruch – kein Wunder, schließlich wird Methanol u.a. zur Herstellung von genau solchem verwendet… Der Mittellauf hat einen Alkoholgehalt von etwa 80 Prozent. Um Trinkstärke zu erhalten, wird er mit Wasser verdünnt.

Neuregelung seit 2018

Gut gefüllte Regale zeugen vom breiten Sortiment der Brennerei.

Als Schnapsbrenner gilt es, strenge Auflagen einzuhalten. Unregelmäßige Kontrollen durch den Zoll seien auch bei der Ipsheimer Brennerei immer wieder der Fall, meint Beck Treuheit. Als Abfindungsbrenner muss er genau dokumentieren, welche Mengen an Maische er verarbeitet. Anhand dessen wird dann die Steuer festgesetzt. Anders ist es bei sogenannten Verschlussbrennereien. Bei solchen misst eine „Uhr“ die exakt erzeugte Menge, welche allerdings ebenso versteuert werden muss. Was die rechtliche Lage bei Brennrechten angeht, gibt es seit 2018 eine Neuerung: Bis dato gab es bundesweit nur ein begrenztes Kontingent an Brennrechten. Seit letztem Jahr gilt in dieser Hinsicht Gleichberechtigung – unter bestimmten Voraussetzungen kann jeder das Brennrecht für 300 Liter (Jahresmenge) kaufen. Dieses ist nicht mehr, wie vorher, betriebsgebunden, sondern personengebunden. Im Todesfall verfällt es. Voraussetzungen für das Brennrecht wären beispielsweise der Besitz einer bestimmten Menge eigener Obstbäume, Ackerland oder Waldflächen. Destillen mit einem Fassungsgehalt von nicht mehr als 0,5 Liter Maische sind frei. Allerdings warnt Beck Treuheit vor dem Gebrauch solcher Geräte: „Da man bei so geringen Mengen den Vor- und Nachlauf nur schlecht bis gar nicht vom Mittellauf trennen kann, ist die Qualität dieser Brände schlecht. Auch für die Gesundheit.“ In diesem Kontext sei es auch interessant zu erwähnen, dass negative Begleiterscheinungen wie das berüchtigte „Katergefühl“ oftmals nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass die Läufe nicht sorgfältig getrennt wurden. „Bei sauber gebranntem Schnaps kann man auch mal mehr trinken, ohne, dass man das am nächsten Tag zu spüren bekommt…“

Die sog. Blase wird mit Maische befüllt.

 

Text: Amos Krilles – Fotos: Amos Krilles/Privat

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