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Trapezbleche und Rollstuhlfahrer – ein Inklusionsprojekt der besonderen Art

„Auch aus Steinen, die Dir in den Weg gelegt werden kannst du etwas bauen“, dieses Zitat stammt von Erich Kästner. Wie viel Wahrheit hinter dieser Aussage steckt, wird anhand der Geschichte von Familie Zimmermann, aus Stilzendorf, schnell deutlich. Heute ist Hans Zimmermann Geschäftsführer der Firma Zimmermann Trapezblechhandel GmbH – nach außen hin ein erfolgreicher mittelständischer Betrieb mit über 20 Angestellten. Die Geschichte des Betriebs ist das perfekte Beispiel, dafür dass Erich Kästner mit anfangs genanntem Zitat Recht hatte. Die Umstände waren oft nicht leicht, aber Hans Zimmermann und seine Frau Brigitte Zimmermann haben nicht aufgegeben, sondern nutzten die im Weg liegenden Steine um damit weiter zu bauen. Dabei ging es nicht in erster Linie um finanziellen Erfolg, sondern um weitaus mehr.

Das Besondere am Konzept der Firma ist die Inklusionsarbeit. Inklusion könnte man wie folgt definieren: Jeder Mensch gehört ganz natürlich zur Gemeinschaft, egal wie er aussieht, welche Sprache er spricht oder ob er eine Behinderung hat. Jeder kann mitmachen. Wenn jeder Mensch überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, beim Wohnen oder in der Freizeit – das ist Inklusion.

Genau dieses Ziel verfolgt Familie Zimmermann: „Unser Wunsch ist es, Behinderten auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu geben, dass diese auch was arbeiten können.“

Die Umstände genutzt

Der komplette Betrieb ist Behindertengerecht gebaut und eingerichtet worden. Beispielsweise findet man nirgendwo Stufen oder schmale Durchgänge, sämtliche Türen sind extrabreit, sodass auch Rollstuhlfahrer problemlos hindurchpassen.

Die Lagerhalle

Nicht grundlos spielt der Aspekt Inklusion für Familie Zimmermann eine wichtige Rolle. Letztendlich waren bzw. sind es die Familiären Umstände und Schicksale welche das Ehepaar Zimmermann dazu bewegten, sich für das Thema Integration von Menschen mit Behinderung ganz praktisch einzusetzen: Zwei ihrer fünf Kinder sind querschnittsgelähmt und sitzen im Rollstuhl, sein ältester und jüngster Sohn, ebenso seine Schwiegertochter. Trotz des sehr guten Schulabschlusses seines Sohnes Daniel, war es diesem nicht möglich, Arbeit zu finden – einziger Grund: Mit 19 Jahren hatte dieser einen schweren Autounfall, seitdem sitzt er im Rollstuhl. „So entstand die Idee, uns selbstständig zu machen. Die Hoffnung war, dass wir ihn dann irgendwann selbst einstellen können. Eigentlich haben wir das ein bisschen spät gemacht, mit 46 noch ein Geschäft zu gründen, aber ein paar Jahre danach konnten wir unseren Sohn dann tatsächlich auch schon einstellen. Und dann hat sich das weiter aufgebaut und mittlerweile haben wir sogar noch einen Rollstuhlfahrer eingestellt.“, so Hans Zimmermann. „Leider hat sich bis jetzt niemand weiteres mit Behinderung bei uns beworben“.

Fast kein Unterschied

Viele Tätigkeiten innerhalb des Betriebs, wie beispielsweise praktische Arbeit im Lager, können von den Behinderten nicht gemacht werden. Aber gleichzeitig gibt es einige Bereiche, wo es kaum einen Unterschied macht, ob man im Rollstuhl sitzt oder nicht. „Die Behinderten sind vor allem im Büro, kümmern sich um die Logistik, schreiben Angebote oder regeln Telefonate – schließlich sind sie geistig ja fit, nur beim Bewegen gibt es Schwierigkeiten. Natürlich brauchen sie ab und zu auch Hilfe, beispielsweise müssen die Kollegen manchmal helfen, einen Ordner aus dem hohen Regal zu holen. Aber im Grunde ist von der Arbeitsweise kein Unterschied zu gesunden Menschen, die Behinderten arbeiten genauso gut wie alle anderen auch.“

Nicht immer leicht…

Gleichzeitig birgt die Integrationsarbeit allerdings auch Schwierigkeiten. Verglichen mit gesunden Mitarbeitern sind die Behinderten anfälliger für Krankheiten, was praktisch bedeutet, dass wichtige Arbeitskräfte ausfallen. Auch die Schillingsfürster Firma hat damit zu kämpfen, dennoch ist Hans Zimmermann optimistisch: „Im letzten Jahr ist einer unserer behinderten Mitarbeiter für ein halbes Jahr ausgefallen und auch dieses Jahr ist der andere schon fünf Monate krank. Das ist zwar schwierig, aber wir schaffen das. Es muss ja irgendwie weitergehen und bisher haben wir es auch immer irgendwie gemeistert, von dem her…“

„Der Staat tut zu wenig“

Zwar gibt es von staatlicher Seite durchaus Förderungen, aber diese sind auch nur begrenzt. So gibt es beispielsweise eine Eingliederungshilfe, welche die Betriebe im ersten Jahr finanziell unterstützt, sei es durch teilweise Lohnzahlungen oder bei der Anschaffung von Behindertengerechten Einrichtungsgegenständen. „Allgemein wird das Ganze aber viel zu wenig gefördert und unterstützt. Theoretisch gibt es Fördertöpfe, welche Randvoll sind, weil sie viel zu wenig ausgeschöpft bzw. genutzt werden.“, erklärt der Geschäftsführer. Insgesamt findet er, dass von staatlicher Seite mehr getan werden müsste, sodass Unternehmen angespornt werden, behinderte Menschen einzustellen. Zwar zu wenig, aber immerhin etwas – so gibt es eine entsprechende Regelung, welche besagt, dass alle Unternehmen, die eine festgelegte Behindertenquote nicht erfüllen wollen, zu Zahlungen in einen Fördertopf verpflichtet sind.

„Es müsste dennoch einfach noch mehr finanzielle Anreize geben, sodass die Unternehmen denken, Mensch, der ist zwar nicht so schnell, aber ich stell ihn ein und das lohnt sich dann finanziell trotzdem noch ein bisschen. Dann wäre das ganze gar kein Problem.“

Hans Zimmermann wünscht sich, dass die Bedeutung von Inklusion in Betrieben und Beruf, von der Allgemeinheit mehr erkannt wird. Auch für seinen Betrieb hofft er, dass es in dieser Hinsicht noch vorwärtsgeht und mehr Menschen mit Behinderung beschäftigt werden können und somit eine Chance erhalten.

Küchen, Ställe und Trapezbleche

Doch bevor der Blick in Richtung Zukunft geht, lohnt es sich auch die Vergangenheit etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Hans Zimmermann gründete den Trapezblechhandel im Alter von 46 Jahren. Eigentlich ist der Unternehmer gelernter Koch, war dann jedoch über 30 Jahre im Stall-Bau tätig. Dadurch kam er immer wieder in die Situation, dass Kunden in fragten, wo man denn günstig Trapezbleche beziehen könne – am besten auch in Kleinmengen. So kam er auf den Gedanken, selbst die gefragten Baumaterialien zu verkaufen und machte sich 2006 selbstständig. Anfangs handelte Hans Zimmermann ausschließlich mit zweite Wahl Posten, welche er günstig von Firmen erwerben konnte, meist stammten die Trapezbleche aus Fehlplanungen oder Falschlieferungen. Verkauf war immer Mittwochabend und Samstagmorgen. Die Nachfrage wurde immer größer und bald nahm er auch Neuware in das Sortiment auf. Der Verkauf boomte und wenig später, im Jahr 2010, erwarb der Mittelfranke das Grundstück in Schillingsfürst und baute dort die jetzige Lagerhalle.

Der Schlüssel zum Erfolg

Das Erfolgsrezept seines Unternehmens besteht nicht nur darin, dass Trapezbleche ein gefragtes Produkt sind. Was Zimmermann GmbH zu einem gefragten Händler macht, ist die Tatsache, dass die Bleche direkt auf Lager sind und somit sofort abgeholt werden können – lange Bestell-Wartezeiten gibt es nicht. Kunden aus ganz Deutschland, z.B. Hamburg, aber auch aus den Nachbarländern wie Schweiz, Österreich und Belgien kommen aus diesem Grund nach Schillingsfürst um Blech zu kaufen. Letztendlich sind es aber nicht nur die Bleche, welche die Zimmermann GmbH nach außen hin immer wieder in gutes Licht rücken. Einerseits setzt sich der Betrieb für Inklusion ein, gleichzeitig sind Hans und Brigitte Zimmermann auch Mitglieder bei Amelie e.V.  Mit den Betriebseinnahmen unterstützen sie regelmäßig den gemeinnützigen Verein, der sich für chronisch kranke und behinderte Kinder stark macht. Besonders stolz ist Hans Zimmermann auf seine Lehrlinge, zwei Jahre hintereinander wurden sein Betrieb ausgezeichnet, den besten Lehrling in Ansbach ausgebildet zu haben.

Text / Bilder Amos Krilles

Das Team vor Ort am Materiallager

 

Lagerhalle

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