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Dinkelsbühl/Wilburgstetten. Der Dinkelsbühler Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer und sein Wilburgstettener Rathauskollege Michael Sommer wollen jetzt im Verbund mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Horst Arnold (Fürth) die Tonlage verschärfen, was die Reaktivierung der Bahnlinie Dombühl-Dinkelsbühl und die Aufrechterhaltung des Güterverkehrs auf der Schiene von Nördlingen her anbelangt. Alle drei trafen sich jetzt zu einem Meinungsaustausch in der Wörnitzstadt.

Mit ein Grund für das Treffen war jetzt auch die vorläufige Befristung des Güterverkehrs nach Wilburgstetten bis zum 15. März dieses Jahres. Bereits seit sechs Jahren strebe man inzwischen die Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs in der Region an, so Oberbürgermeister Dr. Hammer, ohne dass ein Durchbruch gelungen sei. Viele Arbeitsrunden seien ohne entscheidende Ergebnisse verstrichen. „Jetzt muss das Thema aber entschieden werden“, so der OB, der die insgesamt rund 50 Kilometer Streckenabschnitt von Nördlingen nach Dombühl – beide werden von der Bayern-Bahn betrieben – genutzt sehen will. Ein Problem sei der mittlerweile desolate Zustand eines Teiles der Strecke, weshalb für den Güterverkehr zum Sägewerk Rettenmeier bei Wilburgstetten eine Frist gesetzt wurde. Die durch eine vernachlässigte Aufsichtspflicht zurückgefahrenen Unterhaltungsmaßnahmen könnten einen Güterverkehr jetzt nicht mehr rechtfertigen, obwohl finanzielle Mittel vorhanden wären. Durch eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs bis Nördlingen würden die dafür notwendigen Gelder frei werden, so Hammer. Ein Streckenstilllegungsverfahren laufe derzeit und ohne einen Investor scheint nicht viel zu gehen. Falls der Güterverkehr nach Wilburgstetten nicht mehr gehalten werden kann, wären nicht nur 400 Arbeitsplätze gefährdet, sondern auch die jüngsten betrieblichen Investitionen in den Sand gesetzt.

Hammer hat sich deshalb in einem Schreiben an die Bayerische Staatsregierung gewandt. Während das Wirtschaftsministerium sich nicht zuständig sieht, was Hammer missfällt, hätten sich Innen- und Finanzministerium noch nicht geäußert. Eine seit rund 150 Jahren bestehende Schieneninfrastruktur, welche eine ganz wichtige Wirtschaftsachse für die Region Dinkelsbühl darstelle, dürfe aber nicht sterben.

Am Verhandlungstisch. Fotos: Heinz Meyer

Petition an den Bayerischen Landtag einreichen

MdL Horst Arnold sieht eine Zuständigkeit eindeutig bei der Staatsregierung. Die strukturschwache Region sei touristisch noch enorm ausbaufähig. Mit einer Schiene für den Personenverkehr könnte hier eine Sog- und Magnetwirkung entstehen, welche die prognostizierten Fahrgastzahlen noch deutlich erhöhen könnte. Zudem sei eine Bedienung der Betriebe über den Güterverkehr eine „infrastrukturelle Halsschlagader“. Der Freistaat könne es sich nicht leisten, Betriebe einfach abzuhängen. Deshalb empfiehlt er beiden Kommunen, eine Petition im Bayerischen Landtag einzureichen; Gleiches wolle auch seine Partei tun. Das vorhandene Problem müsste im Landtag als „elementares Bedürfnis“ auf den Tisch kommen. Leider würden noch immer Zentralismus und Metropolismus die Landespolitik dominieren. Mit dem Ausbau des Güterverkehrs würde auch der Personenverkehr angeschoben werden, so Arnold, der strukturerhaltende und – ausbauende Maßnahmen für dringend erforderlich hält. Schließlich sei die Staatskasse prall gefüllt. In die gleiche Kerbe hieb der Wilburgstettener Rathauschef Michael Sommer, der seine Kommune als einen „Raum mit besonderem Handlungsbedarf“ sieht. Wilburgstetten könnte im Schienenpersonenverkehr künftig ein Endpunkt im VGN-Bereich sein. Arnold sprach abschließend davon, dass es geradezu ein Anachronismus und zynisch sei, auf der einen Seite das Breitband auszubauen, um dann den Nahverkehr zu kappen. Jetzt müsste gehandelt werden; bislang seien entsprechende Signale sehr kümmerlich. Weil sich auch Bündnis90/Die Grünen der Sache angenommen hätten, schlage er ein „Mittelfränkisches Bündnis“ vor, um die Region nicht am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen. Hoffnungsvolle Verlautbarungen seien zwar Bestandteil des Berliner Koalitionsvertrages, doch könne man nicht warten, bis dies umgesetzt werde. Deshalb müsste als ein erster Schritt der Personenverkehr von Dombühl nach Dinkelsbühl eingeführt werden. Auch ein privater Investor müsste bei der Stange gehalten werden: „Jetzt wäre der Freistaat an der Reihe“, so Dr. Hammer, der seine Enttäuschung darüber nicht verhehlt, dass ein Schreiben an den Bundesverkehrsminister Christian Schmidt (Fürth) bislang unbeantwortet blieb. Für Hammer ist eine intakte Infrastruktur entscheidend für die Schaffung gleichwertiger Lebensbedingungen, wie es die Landespolitik anstrebt. „Dafür ist es aber bereits Fünf nach Zwölf“, wie Horst Arnold befürchtet. Am Nachmittag traf man sich noch zu einer Betriebsbesichtigung bei der Firma Rettenmeier in Wilburgstetten.

(von links): Bgm. Michael Sommer (Wilburgstetten), SPD-MdL Horst Arnold (Fürth) und Dinkelsbühls OB Dr. Christoph Hammer.

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