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Theorie und Praxis eng verknüpft

Sanierung der Landwirtschaftsschule in Uffenheim ist angelaufen

UFFENHEIM (PM/AK). Vereinzelt erinnern noch bunte Wandgemälde in der ehemaligen Berufsschule an der Fernwasserstraße in Uffenheim an eine frühere Zwischennutzung als Ausweichquartier für einen Kindergarten. Inzwischen gibt Baulärm den Ton in dem Gebäude an, das in den kommenden Monaten fit gemacht wird für seine Zukunft als moderne Landwirtschaftsschule. Rund 700.000 Euro investiert der Landkreis unter anderem in die Modernisierung der Lehrsäle, der Sanitäranlagen und der technischen Ausstattung wie die Elektroinstallationen.

Der ehemalige EDV-Raum, der zuletzt kaum noch als solcher genutzt wurde, wird zum Seminarraum umfunktioniert. Die Studierenden kommen mit ihren Laptops in den Unterricht, jeder benötige die entsprechende technische Ausstattung direkt an seinem Platz, erläutert Schulleiterin Ulrike Buchner. Die beiden Lehrsäle werden mit neuester Medien- und Präsentationstechnik ausgestattet. Hell waren die Räume dank einer Fensterfront ohnehin schon, nach der Sanierung sind sie runderneuert inklusive neuer Heizungen und Mobiliar.

Ebenfalls Bestandteil der Teilsanierung ist ein neuer Nähsaal für die Hauswirtschaftsabteilung. Lediglich Schönheitsreparaturen sind für das Lehrerzimmer und die Aula vorgesehen, denn mittelfristig steht eine Generalsanierung des Gebäudes aus dem Jahr 1964 an. Speziell die Aula soll künftig stärker in den Mittelpunkt rücken, Ulrike Buchner kann sich dort, wenn es wieder möglich ist, verschiedene Veranstaltungen vorstellen. Das neue „Forum – Ernährung, Landwirtschaft und Forsten“ beispielsweise, das kürzlich digital gestartet ist, soll mittelfristig in der Aula etabliert werden.

„Es soll aktuelle Themen aus der Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aufgreifen, die momentan von der Gesellschaft stark diskutiert werden wie zum Beispiel Gewässerschutz, Tierwohl, Biodiversität“, sagt die Schulleiterin.

Schulleiterin Ulrike Buchner in einem der Lehrsäle der Landwirtschaftsschule. Foto: Christine Berger, Landratsamt

Das Forum solle den Dialog zwischen Verbrauchern und den Erzeugern fördern, daher richtet sich das Forum nicht nur an Landund Forstwirte, sondern generell an Interessierte. Ende April steht die Biologische Vielfalt im Hof und Garten auf dem Themenplan. Für Juni gibt es Überlegungen, eine Infoveranstaltung zu den verschiedenen Berufen in der Landwirtschaft anzubieten. Eine Aus- oder Fortbildung in einem „grünen Beruf“ kann unglaublich erfüllend sein, wie die Schulleiterin findet. Bei der täglichen Arbeit geht es um das Zusammenspiel von Natur, mit Lebewesen und im jahreszeitlichen Wechsel. Diese Vielseitigkeit ist es auch, die an der Landwirtschaftsschule vermittelt wird. Themen der pflanzlichen Produktion und Tierhaltung werden dort unterrichtet, Unterrichtsfächer sind Tiergesundheit und Tierschutz, Rechnungswesen, Steuer- und Sozialrecht.

„Wir bereiten die Studierenden umfassend auf ihre berufliche Zukunft als landwirtschaftlicher Unternehmer vor. Der eigene Betrieb steht immer im Mittelpunkt“, sagt Buchner über den Unterricht an der Landwirtschaftsschule. Aus ihrer Sicht sei die Ausrichtung auf die individuellen Voraussetzungen der Schüler ein „großes Plus“. Eine Besonderheit ist die enge Verzahnung von Theorie und Praxis, ausgehend vom Betrieb der Studierenden. Ein weiterer Vorteil der Landwirtschaftsschule ist für sie, dass mit der Abschlussprüfung fünf der sieben Prüfungsteile der Meisterprüfung abgelegt werden können.

Aktuell läuft der Anmeldezeitraum für den dreisemestrigen Studiengang Landwirtschaft, der am 18. Oktober startet. Auch wer Interesse hat, zur Vorbereitung an einem Praxisjahr teilzunehmen, kann noch einsteigen. Das Praxisjahr dient durch einzelne Schultage der Vorbereitung auf die Landwirtschaftsschule. Wichtig ist Ulrike Buchner, dass die Studierenden im Unterrichtsfach „Rede- und Diskussion“ lernen, den Dialog mit der Gesellschaft zu führen. Vor der Pandemie präsentierten sich beispielsweise die Studierenden am Uffenheimer Handwerkermarkt, um mit Verbrauchern ins Gespräch zu kommen. „Verständnis für beide Seiten“, möchte Buchner so wecken, die Schüler sollen vermitteln, wie verantwortungsvoll in der Landwirtschaft mit Ressourcen umgegangen wird. Auf der anderen Seite erhalten sie die Chance, ihren Betrieb und Arbeitstechniken der modernen Landwirtschaft zu präsentieren.

Dass manche Schlagworte in den vergangenen Jahrzehnten kaum an Aktualität verloren haben, konnten die Lehrkräfte feststellen, als sie beim Ausräumen der Lehrsäle auf teils 100 Jahre alte Bücher stießen. Regelrechte Schätze seien zutage getreten, erzählt Ulrike Buchner. In einem der Bücher sei etwa der Kartoffelanbau als die wirtschaftlichste Frucht bezeichnet worden, alle großen Landwirte hätten damals Kartoffeln angebaut. Aus den frühen 1930-er Jahren stammt ein Buch, in dem die Vorzüge der Bienenzucht beschrieben werden. Biodiversität war also schon damals ein Thema. Ein altes Lehrbuch mit dem Titel „Gesunde und zweckmäßige Ställe“ zeigt, dass bereits 1958 Tierwohl eine wichtige Rolle im Unterricht spielte. Den historischen Büchern wird Ulrike Buchner einen festen Platz in der Schule einräumen. Auf positives Echo stieß der Start der Sanierungsarbeiten bei Landrat Helmut Weiß, ihm liege die Verbesserung der Unterrichtsbedingungen sehr am Herzen. Sein Dank gilt den Mitgliedern des Kreistags, die die Mittel für die Baumaßnahme freigegeben haben.