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Tauberbischofsheim – Bürgermeisterwahl ist am 30. Juni

Bewerberpräsentation in der Stadthalle bewegt Tauberbischofsheimer Bürger

TAUBERBISCHOFSHEIM (SH). Bereits am morgigen Sonntag ist die Bürgermeisterwahl. Aufgrund der zahlreichen Kandidaten – insgesamt sieben Personen werfen ihren Hut in den Ring – kann es durchaus zu einer Neuwahl kommen. Alle Kandidaten dürften in diesem Fall nochmals teilnehmen, zwischen dem 1. und 3. Juli könnten sich noch neue Kandidaten bewerben. Die Neuwahl würde am 14. Juli stattfinden. Die Chance, die Kandidaten einmal persönlich in der Stadthalle zu erleben, nutzten am vergangenen Montag, 24. Juni über 800 Personen. Aufgrund des außergewöhnlich großen Interesses der Bürger an der Veranstaltung wurde zusätzlich die Grünewaldhalle geöffnet – hier fanden noch einmal 550 Personen Platz, die das Ereignis mittels Videoübertragung verfolgen konnten. Die Versammlung wurde von Elmar Hilbert geleitet. Insgesamt treten am morgigen Sonntag, 30. Juni sieben Bewerber an: Patrick Kowatsch, Dr. Matthias Blümm, Michael Schmid, Anette Schmidt, Stefan Konietzny, Harald Gehrig und der Amtsinhaber Wolfgang Vockel.
Michael Schmid ist parteilos, 4-facher Vater, Lehrer, lebt seit 6 Jahren in Tauberbischofsheim und möchte die Situation für Familien verbessern. Es geht ihm um neue unabhängige Politik, gut ausgestattete Schulen, eine barrierefreie Innenstadt, bezahlbare Kigaplätze, bezahlbare Bauplätze, flexible, familienfreundliche Arbeitszeiten, ein Angebot für Jugendliche etc.

Patrick Kowatsch, parteilos, 25 Jahre, ehemaliger Fechter, moniert, die Heimat habe an Lebensqualität abgenommen., junge Arbeitnehmer sollen durch bessere Rahmenbedingungen in der Region gehalten werden, er möchte langfristig eine lebens- und liebenswerte Zukunft gestalten.

Dr. Matthias Blümm ist gebürtiger Tauberbischofsheimer, hat in Public Health promoviert, ist Coach & Berater sowie Heilpraktiker. Bürgerbeteiligung ist die wesentliche Grundlage seiner Vision für Tauberbischofsheim. Tauberbischofsheim brauche eine neue Identität. Zudem fordert er ein Hallenbadneubau für Tauberbischofsheim – uneingeschränkt. Auch die Innenstadtbelebung, eine App für Bürger und als Anlaufstelle für Touristen etc. sind ihm wichtig. Für Neu-Unternehmen müsse der rote Teppich ausgerollt werden. Auch die Förderung von Kindern und Jugendlichen liege ihm am Herzen. Kitas und Schulen müssten mit ihrer Ganztagesversorgung flexibler auf dynamischere Arbeitszeitmodelle der Eltern reagieren.

Stefan Konietzny ist Ingenieur. Er möchte die Bürger ernst nehmen, Transparenz und Unabhängigkeit gehören zu seinen Grundsätzen. Auch eine Würdigung der ehrenamtlichen Arbeit und der Wunsch nach Veränderung bewegen ihn. Man müsse die Innenstadt neu denken, hier mehr Veranstaltungen anbieten (z.B. Straßenmusikfeste). Auch aktiver Umwelt- und Klimaschutz ist ihm ein Anliegen. Zudem könne ein Naturschutzbeauftragter zusammen mit anderen Kommunen eingesetzt werden. Auch die Errichtung eines städtischen Campingplatzes ist ihm wichtig. Des Weiteren würde er professionelles Leerstandsmanagement betreiben, Ortsteile beleben und die Stadt wirtschaftlich breiter aufstellen. Dabei seien auch Start-ups Optionen, denn diese könnten die großen Arbeitgeber von morgen sein.

Anette Schmid ist amtierende Bürgermeisterin von Großrinderfeld, verheiratet, hat drei Kinder und bezeichnete sich gleich eingangs als echte „Bischemerin“. Sie möchte dialogbereit und kommunikativ sein, draußen bei den Menschen. Man müsse auf die Menschen zugehen und ihnen zuhören – all das sei von den Menschen vermisst worden. Ihrer Ansicht nach verdienen die Stadtteile mehr Wertschätzung und die Ortschaften mehr Entscheidungsfreiheit. Sie traue sich zu, wichtige Impulse zu setzen, gemeinsam neu zu denken und dies auch umzusetzen.

Anette Schmid sieht sich als Moderatorin und als Motivatorin.

Amtsinhaber Wolfgang Vockel ist bereits seit 24 Jahren im Amt und möchte gerne in einer vierten Amtszeit die Stadt weiterentwickeln. Es gibt laut Wolfgang Vockel riesige Themen: Beispielsweise familienbezogene Themen der Bildung, große Infrastrukturaufgaben, Klimaschutz und Ressourceneinsparung, die Mobilität der Menschen, die Forcierung der Stadtentwicklung u.a. durch das Besorgen von Fördermitteln etc. Wolfgang Vockel ist davon überzeugt, mit Sachverstand und Engagement die Aufgaben der Zukunft wahrzunehmen. Harald Gehrig war bis zuletzt Diplomat im Dienst des Auswärtigen Amtes, zuletzt in Madagaskar im Einsatz, und erst wenige Tage in Deutschland. Er bedauere, nicht vorher wie alle anderen einen Wahlkampf geführt zu haben. Dies sei nicht möglich gewesen, da sein Dienstherr ihn nicht vorab gehen lassen wollte. Sämtliche Informationen über seine Mitbewerber habe er sich über Medien besorgt. Er setzt die Schwerpunkte Klimawandel, eine Kultur des Zuhörens, eine kraftvolle Umsetzung dessen, was man gemeinsam erarbeite und die Vision einer solidarischen Stadt. Die Kandidaten präsentierten sich in einer 8-minütigen Vorstellungsrunde, dann folgte eine Fragerunde. Ein 5-minütiges Schlusswort rundete den persönlichen Eindruck ab, den die Tauberbischofsheimer von den Bewerbern erlangten. Das Wahlprogramm eines jeden Kandidaten war bereits öffentlich und somit den meisten Interessierten bekannt. Bei der Kandidatenvorstellung ging es um die Ziele eines jeden Bewerbers, aber in erster Linie wollte man ihn einmal reden hören, sehen wie er auftritt, wie er sich im öffentlichen Raum bewegt. Wie präsentiert sich ein Kandidat, vermag er sich auszudrücken? Besonders werden auch eine gewisse Authentizität und Bürgernähe sowie vorhergehende Erfahrungen wahrgenommen.

Kann eine öffentliche Bewerbervorstellung die persönliche Wahlentscheidung erleichtern? Wer sich unter den zahlreichen anwesenden Tauberbischofsheimern umgehört hatte, bekam oft ein bis zwei Favoriten genannt. Der Kreis der wirklich infrage kommenden Kandidaten wurde bei den meisten anwesenden Personen durch die Veranstaltung am Montag sehr viel kleiner. Es wurde wahrgenommen, wer sich wirklich im Vorfeld mit Tauberbischofsheim intensiv auseinandergesetzt hat und wer nicht. Das reine Lebensalter der Kandidaten darf kein Kriterium sein, besonders da hier ein großes Spektrum präsentiert wurde. Dagegen sollte man durchaus Kompetenzen, Lebenserfahrung und die Fähigkeit, sich gut und präzise ausdrücken zu können, werten. Auch die schnelle Erfassung von Sachverhalten und die Fähigkeit, überlegte Lösungen zu finden sind zentral für das Amt des Bürgermeisters. Wer hat neue Ideen, ausreichend Elan und ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger? Die Wahlentscheidung ist sicherlich nicht leicht, ein Abwägen von Prioritäten und das Vertrauen in einen bestimmten Kandidaten (m/w) müssen ineinandergreifen. Jedoch sollte man unbedingt von seinem Wahlrecht Gebrauch machen.

Bild Kandidatenvorstellung
BU: Sieben Kandidaten konkurrieren um das Amt des Tauberbischofsheimer Bürgermeisters. Von links: Harald Gehrig, Anette Schmidt, Stefan Konietzny, Dr. Matthias Blümm, Michael Schmid, Patrick Kowatsch und der amtierende Bürgermeister Wolfgang Vockel.
Foto: SH