Stellvertretender Ministerpräsident Thomas Strobl kam nach Assamstadt

Der Wirtschaftsrat – Sektion Badisch-Franken – traf sich zum Vortrag bei Magna

Assamstadt (BT). Auf Einladung des Wirtschaftsrates sprach Minister Thomas Strobl in den Räumen von Magna in Assamstadt. Sektionssprecherin Petra Joaux begrüßte und dankte den Gastgebern für die Unterstützung. Mehr als 45 Unternehmer und Unternehmerinnen, die Mitglieder des Vereins sind und persönlich geladenen Gäste waren aus allen Richtungen angereist. Sie kamen aus Stuttgart, Bad Mergentheim, Mannheim und sogar aus München zum exklusiven Vortrag. General Manager der Magna Spiegelsysteme Roland Rieger hieß Referent und Gäste herzlich willkommen und Andreas Buhl, Assistenz General Manager und Vorstandsmitglied des Wirtschaftsrates der Sektion Badisch-Franken, stellte den Unternehmenskonzern Magna kurz vor.

>> Magna Spiegelsysteme GmbH
Die Wurzeln des weltweit tätigen Automobilzulieferers gehen zurück auf das Jahr 1957 und die ersten Zusammenarbeit mit General Motors. Heute fertigen 173.000 Mitarbeiter an 340 Produktionsstandorten eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte, von Sitzen bis hin zu Antriebssträngen. Magna ist der einzige Automobilzulieferer, der auch Gesamtfahrzeuge baut. In Nordamerika ist die Nummer eins der Automobilzulieferer – weltweit ist er auf Platz drei. Der Standort Assamstadt geht auf die Firmengründung Zipperle in 1921 zurück. In Assamstadt beginnt die Produktionszeit 1981. Schon 1994 kommt Magna mit ins Spiel der Spiegelproduktion. Mit 572 Mitarbeitern auf einer Produktionsfläche von 24.700 Quadratmetern werden Spiegelsysteme für Autos gefertigt. Es sind hauptsächlich Außen- und Innenspiegel für Marken wie Mercedes, BMW, AMG, Audi und Porsche. Hinzu kommen Türgriffe und Antennenelemente. Mit 33 Spritzguss-Automaten werden jährlich bis zu 100 Tonnen Kunststoffgranulate verarbeitet. Magna versteht sich als Vorreiter einer neuen technischen Revolution in der Automobilindustrie und Wegbereiter in allen Bereichen der Mobilität der Zukunft mit dem Schwerpunkt Elektrifizierung und vollautomatisiertes Fahren.

>> Thomas Strobl – kurz zur Person
Thomas Strobl ist ein deutscher Politiker. Er ist seit 2011 Landesvorsitzender der CDU in Baden-Württemberg und seit Dezember 2012 einer von fünf stellvertretenden Vorsitzenden der CDU Deutschlands. Seit dem 13. Januar 2014 war Strobl einer der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, bis er im Juni 2016 aus dem Bundestag ausschied. Seit 12. Mai 2016 ist er Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration des Landes Baden-Württemberg sowie stellvertretender Ministerpräsident im Kabinett Kretschmann II.

>> Chancen und Herausforderungen
Zunächst stellte Thomas Strobl fest, dass wir nun schon seit über zehn Jahren ein gutes Wirtschaftswachstum haben. „Eigentlich geht es uns ziemlich gut. Das Steueraufkommen ist gut. Wir haben in Baden Württemberg nur 3,3 Prozent Arbeitslosigkeit. Ich mache mir keine Sorgen für das Handwerk, den Maschinen- und Anlagenbau und auch in vielen anderen Bereichen sind die Auftragsbücher voll.“ So Strobel. Was ihm aber Sorgen bereite ist die Automobilbranche, denn diese stehe vor einer gigantischen Herausforderung. Durch die Digitalisierung werde gerade das Auto in seinen Funktionen neu als Automatisches Automobil erfunden. Zwischen Karlsruhe und Heilbronn läuft schon eine tägliche Testphase für autonomes Fahren. Pilotierte Autos bis zum Tempo 80 Kilometer/Stunde sind schon Realität, die wir vielleicht noch nicht wahrnehmen. Pilotiertes Parken in Parkhäusern wird auch schon getestet. Stellen Sie sich vor, Sie verlassen das Auto im Erdgeschoss und den Rest macht das Auto selbstständig – hoch in die Parkzone und auch wieder runter. Der zweite Veränderungsbereich ist die Motoren-Entwicklung überhaupt, die absolut technologieoffen zu betrachten sei. Das E-Auto wird seinen Platz in den Städten finden, aber was ist mit dem Rest? Die dritte große Veränderung ist die Gesellschaftliche, die Strobl Sorgen bereitet. Früher gehörte das eigene Auto zum ersten Prestigeobjekt, zum Jugendtraum. Heute spielen Smartphones diese Rolle. Viele Jugendliche wollen schon gar kein eigenes Auto mehr haben. Themen wir Carsharing sind Lösungen für die Hinfahrt zur Disco und zurück geht es unter Umständen alkoholisiert und sicher mit dem TAXI. Hier bricht ein riesiger Markt an Endverbrauchern vorzugsweise in den Städten weg. Über den Tellerrand geschaut hat der Automobilmarkt auch andere Bedrohungen in Sicht. Strafzölle von Präsident Donald Trump, die bis zu 25 Prozent erreichen könnten, sind keine Freude. Das Thema Handelskrieg ist eine Realität, die begonnen hat.

>> Was können wir tun?
„Baden Württemberg hat die beste Innovationskraft in ganz Europa“, so Thomas Strobl. Das liege vor allem daran, dass 4,8 Prozent des Umsatzes durch die Unternehmen wieder in Forschung und Entwicklung investiert würden. Aber während Großunternehmen ihre Forschung und Entwicklung (FE) mit großen Schritten steigern, haben die KMUs so viel „Geschäft“, dass sie sich keine Steigerung im Bereich Forschung und Entwicklung leisten. Hier könne die Politik etwas tun. Thomas Strobl stellt sich vor, das Thema „Forschung und Entwicklung“ steuerlich besser zu stellen. Gerade bei den KMU´s wäre das im sparsamen Ländle, bestimmt eine große Zusatzmotivation, sich nicht abhängen zu lassen. Die Niederländer seinen uns da schon kräftig voraus, denn 35 Prozent der Investition in FE werden dort steuerlich rückerstattet. „Stärken stärken!“ ist das Motto und wenn wir schon so gute Ideen im Land haben, dann wäre es sicher richtig, hier noch eine „Schippe“ drauf zu legen.

>> Zuwanderung als Tatsache
In Baden Württemberg läuft es gut, deshalb kommen natürlich auch viele Menschen zum Arbeiten und Leben hierher. Zuzug entsteht zunächst als Binnenwanderung aus den „Neuen Bundesländern“. In den letzten drei Jahren kamen 4 Millionen Menschen nach Baden Württemberg. Über 2 Millionen aus Europa, um zu arbeiten – ein Erfolg der Freizügigkeit in Europa. Und dennoch sind 40-50% der spanischen Jugendlichen ohne Ausbildung und Arbeit. Strobl schaut zurück in die Anfänge der 70er Jahre und nennt die Hauptfehler der Integration der „Gastarbeiter“. Man dachte sie kommen und sie gehen wieder. Dieses „Herrendenken“, dass die damaligen „Gastarbeiter“ ohne Familie und ohne Generationsverantwortung zum Arbeiten kommen, war falsch. Heute haben wir in Baden Württemberg 64.000 anerkannte Flüchtlinge na 16A Grundgesetz. Die meisten sind zwischen 20 und 25 Jahren alt und männlich. Aber sie bringen auch neue Herausforderungen mit. Analphabetismus, mangelnde Sprach- und Rechenkenntnisse sind eine Hürde. Auch das aktuelle Integrationskonzept, erst Sprache und dann arbeiten, ist überarbeitungsfähig. Strobl: „Es ist durchaus zumutbar, nach acht Stunden Arbeit noch zwei Stunden Sprachkurs zu besuchen. Denn Integration finde beim Arbeiten statt. Es gäbe schon Schritte der Politik, die sich richtig anfühlen, denn zum Beispiel könnten Migranten ohne Flüchtlingsstatus, die eigentlich ausreispflichtig seien eine Ausbildung innerhalb von drei Jahren absolvieren. Strobl stellte in Aussicht, dass diejenigen, die arbeiten dann auch langfristig eingebürgert werden.

>> Unternehmer-Apell  –  Europa-Wahl Beteiligung
Arbeitskräftemangel sei ein lösbares Problem. Der weltweite Wettbewerb jedoch dürfe nicht unterschätzt werden. China und Amerika sind gerade im Bereich „Künstliche Intelligenz“ am Vormarsch. Europa ist bärenstark. Aber ohne „Europa“ gäbe es viel zu verlieren. Deshalb forderte Strobl die Unternehmer auf, gerade in ihren Unternehmen für die Teilnahme an der Europawahl zu plädieren. „Nicht das es uns so geht wie beim Brexit: Die Jugend war halt nicht bei der Wahl!“. Der Arbeitsplatz habe etwas mit einem funktionierenden Europa zu tun. Die Mitte müsse zur Wahl gehen, denn ohne Europa und Deutschland als Exportland hätten wir im ganzen Bundesland weit mehr arbeitslose Mitmenschen und dann ginge es uns allen mit Sicherheit nicht mehr so gut. Deshalb sei es u.a. so wichtig für Europa zu wählen.

>> Fragerunde der Unternehmer
Die Digitalisierung, die Verbesserung der Netze (Strom und Daten), die Cyber-Security waren Thema. Auch die bürokratischen Hürden, um ausländische Mitarbeiter anzuwerben, wurden kritisiert. Thomas Strobl nahm sich der Probleme auch im persönlichen Gespräch an.

>> Was ist der Wirtschaftsrat?
Mit 12.000 Mitgliedern ist der Wirtschaftsrat der CDU e.V. ein bundesweit organisierter unternehmerischer Berufsverband, der 1963 gegründet wurde und unabhängig von Parteipolitik agiert. Er will die Speerspitze der Erneuerung in der Wirtschaft-, Finanz und Sozialpolitik sein. Praktische unternehmerische Erfahrung bringt der Wirtschaftsrat wirtschaftspolitische Sachfragen ein . Der Wirtschaftsrat der Sektion Badisch-Franken erstreckt sich über das Gebiet Buchen/Walldürn, den Main-Tauber-Kreis und dem angrenzenden Unterfranken.

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