Delegation aus Velyka Dymerka zu Gast in der Kurstadt / Bildungs-Themen im Fokus
Bad Mergentheim. Auf Einladung von Oberbürgermeister Udo Glatthaar hat eine Delegation aus dem ukrainischen Velyka Dymerka die Stadt Bad Mergentheim besucht. Das Bekenntnis zu Dialog, Austausch und Zusammenarbeit soll inmitten des russischen Angriffskrieges auch ein klares Zeichen der Solidarität von Seiten der Kurstadt sein. Die Kommune Velyka Dymerka hat rund 39.000 Einwohnerinnen und Einwohner und liegt in unmittelbarer Nähe zur ukrainischen Hauptstadt Kiew. Der Kontakt zu Bad Mergentheim kam bei einem internationalen Forum zur Unterstützung der Ukraine zustande, wo Kommunen aus Deutschland und der Ukraine sich getroffen haben, um künftig stärker zu kooperieren. „Wir teilen mit den Ukrainerinnen und Ukrainern die europäischen Werte der Demokratie, der Freiheit und der Menschenrechte – ich sehe deshalb auch uns als Kommunen in der Pflicht, Brücken zu bauen für eine gemeinsame Perspektive“, sagt Oberbürgermeister Udo Glatthaar. „Putins verbrecherischer Angriffskrieg auf die Ukraine ist eine Katastrophe für die Menschen dort und ihr Schicksal bewegt uns jeden Tag. Statt ohnmächtig daneben zu stehen, gilt es jetzt, Freundschaften und Verbindungen zu festigen. Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene ist dabei ein guter Weg und schafft unmittelbaren Zugang zur Lebenswirklichkeit auf beiden Seiten.“ Der Besuch in Bad Mergentheim hatte das Schwerpunkt-Thema Bildung. Der stellvertretende Gemeindevorsteher Oleksandr Kutsenko hatte nicht nur eine in der Verwaltung dafür verantwortliche Mitarbeiterin mitgebracht, sondern seine Delegation umfasste darüber hinaus acht Schulleiterinnen unterschiedlicher Schulen aus Velyka Dymerka. Die Gemeinde betreibt 25 Schulen und Bildungseinrichtungen mit 6.000 Schülerinnen und Schülern. Das Programm war von OB Udo Glatthaar gemeinsam mit dem für die internationalen Kontakte zuständigen Fachbereichsleiter Jürgen Friedrich und weiteren Stadt-Bediensteten sowie externen Partnern entsprechend zugeschnitten worden. Erste Station war der Bad Mergentheimer DHBW-Campus. Dort begrüßte Prof. Dr. Enrico Purle, Studiengangsleiter BWL-International Business, die Delegation und stellte die Duale Hochschule Baden-Württemberg sowie speziell den Campus Bad Mergentheim vor. Die stellvertretende Leiterin des International Office, Anna-Magdalena Bröckl, zeigte im Anschluss die diversen Möglichkeiten für DHBW-Studierende auf, internationale Austausche zu erleben und interkulturelle Trainings zu durchlaufen. Corinne Kerscher, Zuständige für die Verwaltung des neu gegründeten Studienkollegs, erläuterte die Voraussetzungen für diese Form der einjährigen Studienvorbereitung für ausländische Studieninteressierte und ermöglichte den direkten Austausch der Delegation mit einem ukrainischen Stipendiaten des Studienkollegs. Bei einem Empfang im Neuen Rathaus stellte Lukas Wegner von der Tourist Information den Gästen Bad Mergentheim und seine Einrichtungen vor. Oleksandr Kutsenko bedankte sich für die Einblicke und Informationen und überreichte einige traditionelle ukrainische Gastgeschenke, unter anderem eine kleine Schutz- und Glücksfigur für das Rathaus. Oberbürgermeister Udo Glatthaar bekräftigte, dass er sich auch namens der Verwaltung und Bürgerschaft Bad Mergentheims sehr über den Besuch freue und sprach sich langfristig für einen EU- und NATO-Beitritt der Ukraine aus. Nächste Station war die Kopernikus-Realschule, wo Schulleiter Heiko Knebel, der auch geschäftsführender Schulleiter aller Bad Mergentheimer Schulen ist, über das Bildungssystem sowie schulische Abläufe informierte. Außerdem gab es Einblicke in Klassen- und Fachräume. Die Gäste waren auch hier sehr interessiert und hatten unzählige Nachfragen, zur Finanzierung des Schulwesens genauso wie zu Details des Unterrichts und zu Austausch-Formaten. Emotional wurde es beim Aufeinandertreffen von geflüchteten ukrainischen Kindern, die in der Schule betreut werden, mit der Delegation – wobei auch einige Tränen flossen. Die Gäste brachten ihre Dankbarkeit zum Ausdruck, dass die Kinder in Bad Mergentheim so gut aufgenommen und versorgt werden. Zum Abschluss des Tages stellte Julia Krupka, Marketingleiterin der Kurverwaltung, den Kurpark, die Gesundheits-Angebote in Bad Mergentheim und die aktuelle Skulpturen-Ausstellung vor. Am Abend konnten die Gäste weitere Kontakte knüpfen und wurden beim lockeren Austausch unter anderem von Eberhard Vollmer vom städtischen Partnerschaftskomitee betreut. Vor dem Abschied am nächsten Morgen stand noch eine Stadtführung auf dem Programm. „Wir hatten einen sehr intensiven und guten, ja herzlichen und auch berührenden Austausch mit Velyka Dymerka“, fasst Oberbürgermeister Udo Glatthaar den Delegationsbesuch zusammen. Er bedankt sich bei allen, die vor Ort daran mitgewirkt haben. „Mein Ziel ist es, dass wir interessierte Schülerinnen, Schüler und angehende Studierende für unsere Region gewinnen – gerade jene, die in der Ukraine die deutsche Sprache lernen“, sagt er. „Die ukrainischen Gäste hatten daran großes Interesse, denn sie möchten ihren jungen Leuten eine international ausgerichtete Bildung vermitteln und auch den Zugang in das deutsche (Aus-)Bildungswesen ermöglichen.“ Dies biete Vorteile für beide Seiten. Nach dem Krieg könne sich daraus zudem ein regelmäßiger Austausch in beide Richtungen entwickeln. Die Gäste zeigten sich sehr dankbar für den Informationsaustausch und sahen darin sowohl Zukunftschancen als auch ein starkes Zeichen der Solidarität. Weitere Arbeitsschritte wurden für die kommenden Monate vereinbart.
BILDUNTERZEILE: OB Udo Glatthaar (Mitte) mit dem stellvertretenden Gemeindevorsteher Oleksandr Kutsenko (3. v.l.), Katrin Kohlschreiber-Haas vom DHBW-Campus (2. v.r.) und den Vertreterinnen der ukrainischen Delegation sowie Verwaltungsmitarbeitenden beim Empfang im Neuen Rathaus. (Bild: Stadt Bad Mergentheim)




