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Sagen aus der Region: Von der Wettenburg bis zur schönen Melusine

Main-Tauber/Neckar-Odenwald-Kreis. Kennen Sie die Sage von der Wettenburg bei Urphar? Wissen Sie über das Liebesnest des Grafen zu Gamburg Bescheid? Oder wissen Sie, was es mit den „Klopferle“ in Bad Mergentheim auf sich hat? BlickLokal hat sich auf die Spuren der heimischen Sagenwelt gemacht und präsentiert Ihnen heute je eine Erzählung aus unseren vier Verbreitungsgebieten.

Die Gebrüder Grimm sind die bedeutendsten deutschen Märchensammler. Im 19. Jahrhundert machten sie sich daran, Geschichten zu sammeln und aufzuschreiben. Zuvor wurden Märchen, Sagen, Legenden und Schwänke mündlich weitergegeben. Sie waren ein nicht unwesentlicher Teil des „Unterhaltungsprogramms“ in früheren Jahrhunderten und  verkürzten sicherlich den ein oder anderen langen Herbst- und Winterabend, wie sie uns nun auch wieder bevorstehen.

Könige und Prinzessinnen, Geister und Ritter, Feen und weise Frauen, der Teufel und gute Geister gehören zum festen Inventar der Erzählungen. Auch Landschaften, Berge und Täler, Seen und Flüsse spielen keine unwesentliche Rolle. Auch das Taubertal und der Odenwald haben ihren Part in unseren heimischen Sagen.

Die Wettenburg – Eine Sage von einer geizigen und hartherzigen Gräfin

Eine halbe Stunde oberhalb von Wertheim liegt ein Felsen, der von drei Seiten vom Main umflossen wird. Dort oben stand einst eine Burg. Von ihr ist nichts mehr zu sehen, doch werden manch unheimliche Ereignisse von dort oben berichtet.

Die Sage erzählt, dass die letzte Gräfin auf dem Schloss eine geizige und hartherzige Frau gewesen sei. Sie beutete ihre Bauern aus, doch besonders hasste sie die Bettler und armen Leute, die um eine kleine Gabe an ihr Burgtor klopften. Um endlich Frieden vor ihnen zu haben, beschloss sie, den Main auch um die vierte Seite des Felsens zu leiten, um den Weg für das „Gesindel” zu versperren.

Der Burgvogt äußerte Bedenken, Gott möge es missfallen, dem Fluss ein anderes Bett zu geben. Sie aber sagte: „Es mag Gott lieb oder leid sein; mein Vorhaben wird ausgeführt! So wenig ich diesen Ring wiedersehe, so wenig unterbleibt es!” Damit zog sie einen Ring vom Finger und warf ihn in den Fluss. Noch am selben Abend aber fand der Koch in einem Karpfen, den er für das Festmahl zubereitete, den Ring wieder und brachte ihn arglos zur Gräfin. Die wurde totenbleich, und im selben Moment fuhr ein Blitz vom Himmel und mit einem gewaltigen Donnerschlag versank die Burg im Berg.

Aus der Melusinen-Sage: Das Liebesnest des Grafen zu Gamburg

Die Sage berichtet von einem Grafen, der auf der Gamburg lebte und eine wundersame Begegnung mit einer Wasserfrau hatte. Zu damaliger Zeit war die Mühle ein alter und verfallener Bau, das schöne Fabelwesen dort als Magd zu Diensten. Mit List und Tücke, indem er ihre Kleidung entwand als sie im vorbeiströmenden Fluss badete, gewann der Graf Herrschaft über sie und so wurde die Melusine zu seiner Geliebten. Er baute ihr ein kleines Schoss am Tauberufer, gleich neben der alten Mühle und verbrachte dort die schönsten Stunden mit ihr, während die Gräfin im Schloss zu Gamburg voller Leid auf ihren Gatten wartete.

Das ruchlose Treiben blieb nicht unbemerkt, der Müller lief zum Abt des Klosters Bronnbach, um sich angesichts des ehrenlosen Lebenswandels seines Grafen Rat einzuholen. Der gab ihm ein Papier, das mit geweihtem Wachs verschlossen war und empfahl ihm es auf der Treppe abzulegen, die vom Liebesschloss zum Fluss führte. Als die schöne Melusine einmal wieder ein Bad in der Tauber nehmen wollte, entdeckte sie das heilige Siegel und verschwand für immer in den Fluten. Der Graf zerbrach an diesem Verlust und er verstarb nur wenig später an Herzeleid. Das Schloss jedoch wurde zur heutigen Eulschirbenmühle.

Die Klopfgeister aus der Mühlwehrstraße und vom Spitalkeller

In der Mühlwehrstraße in Bad Mergentheim steht ein großes, stattliches Haus. Sein verzierter Giebel überragt alle seine Nachbarn. Im Volksmund wird es „Ritterhaus“ oder auch „Geisterhaus“ genannt. Seit alter Zeit treiben hier die „Klopferle“ ihr Unwesen. Kündigt sich ein gutes Weinjahr an, so hört man in den oberen Hausräumen und vor allen Dingen in den Gewölbekellern das „Klopferle“.

Ähnliches wird auch vom Spitalkeller berichtet. Hier gehen zwei Geister um, ein grauer und ein schwarzer. Besonders an Weihnachten vor einem guten Weinjahr bringen sie sich zu Gehör. Im Advent hört man sie abends, gleich nach dem Betläuten. Mit ihren silbernen Hämmerchen schlagen sie auf die Fässer. Sie sollen nicht bloß ein gutes Weinjahr anklopfen, sondern sich auch deswegen bemerkbar machen, weil in der Spitalkirche keine Heilige Messe mehr gelesen wird. Gelegentlich werden die „Klopferle“ boshaft und werfen dann Gemüse in Schüsseln und Tellern im Keller um.

Die mystische Sothenquelle von Hettingen

Einst fuhr eine Gesellschaft von Buchen nach Hettingen, nicht auf der gewöhnlichen Fahrstraße, sondern auf dem Wege, der durch das Wiesental führt. An der Gemarkungsgrenze blieb das Fuhrwerk stecken. Der Fuhrmann machte alle möglichen Anstrengungen, um weiter zu kommen, aber umsonst.

Er rief immer: „Hü, in Gottes Namen“, aber es half nichts. Da wurden die Insassen ungeduldig und einer rief dem Fuhrmann zu: „Fahr‘ zu in Teufels Namen.“ Sofort versank der Wagen mit der ganzen Gesellschaft.

Alle sieben Jahre sieht die Deichsel wenige Augenblicke heraus, in derselben Stunde, in welcher der Wagen versank. So viele Steine auch schon in das Loch geworfen wurden, es ist nicht auszufüllen, denn es ist grundlos.

Bei jedem Blitzschlag fällt ein Donnerkeil auf die Erde herab. Derselbe dringt sieben Klafter tief in die Erde, steigt aber jedes Jahr wieder um ein Klafter in die Höhe.

Nach sieben Jahren liegt er an der Oberfläche, aber nur eine kurze Zeit. Wer ihn dann zufällig findet, hat Glück damit.

 

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