Region wird vom RKI als Borreliose-Hochrisikogebiet und FMSE-Risikogebiet eingestuft
MAIN-TAUBER-KREIS (RED). Mit dem beginnenden Frühling kommt die Hochzeit der Zecken. Beim Blutsaugen können sie verschiedene Erreger wie FSME-Viren oder Borreliose-Bakterien übertragen. Der Main-Tauber-Kreis ist laut Robert-Koch-Institut (RKI) Risiko-Gebiet für solche Erkrankungen. Hier wurden 2022 bei den AOK-Versicherten 478 Borreliose-Infektionen gemeldet, 2021 waren es 578. In Baden-Württemberg verringerten sich die Borreliose-Behandlungen bei den AOK-Versicherten von 17.789 im Jahr 2018 auf 15.789 im Jahr 2022. Von 2018 bis 2022 sank die Zahl der Borreliose-Diagnosen landesweit pro Jahr im Durchschnitt um 2,29 Prozent, im Main-Tauber-Kreis um 4 Prozent.
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch Viren ausgelöst, die zu einer Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute führen können, die teilweise tödlich verläuft. 2023 wurden in Baden-Württemberg 143 AOK-Versicherte wegen der gefährlichen Infektion behandelt. Davon mussten 74 Personen aufgrund einer Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarksentzündung ins Krankenhaus. Eine Person im Alter von 54 Jahren verstarb. Gegen FSME ist eine Impfung möglich. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die FSME-Impfung für Einwohner und Besucher des Main-Tauber-Kreises, die durch Freizeitaktivitäten im Grünen ein erhöhtes Zeckenstichrisiko haben sowie Personen, die beruflich durch FSME gefährdet sind, etwa Forstarbeiter.
Die FSME-Viren befinden sich in den Speicheldrüsen der Zecken. Durch den Stich können sie rasch in die Blutbahn des Wirtes gelangen. Anders die Borrelien: Sie befinden sich im Darm der Tiere, sodass die Erreger erst bei längerem Saugen – in der Regel nach circa 12 Stunden – übertragen werden. Wird die Zecke rasch entfernt, ist das Übertragungsrisiko der Borreliose-Bakterien daher sehr gering.
Schätzungsweise 5 bis 35 Prozent der Zecken sind mit diesen Erregern infiziert und sie können überall auftreten. Dr. Ralph Bier, Mediziner bei der AOK Baden-Württemberg erklärt: „Die Infektion mit Lyme-Borreliose kann Gelenkentzündungen, Arthritis oder Herzrhythmusstörungen verursachen.“ Die Erkrankung könne, so der AOK-Experte, mit Antibiotika wirkungsvoll therapiert werden. Problematisch sei allerdings, dass sie oft erst Monate nach der Infektion erkannt werde. Ohne Behandlung könne es zu Lähmungserscheinungen, Nervenentzündungen oder Schwellungen der Gelenke kommen.
Weil gegen Borreliose keine Impfung möglich ist, sollten Zeckenstiche nach Möglichkeit vermieden werden. Bei Spaziergängen sollte man möglichst auf festen Wegen bleiben und Unterholz, hohes Gras sowie Hautkontakt zu bodennahen Pflanzen meiden. Auf heller Kleidung, die den Körper weitestgehend bedeckt, lassen sich die Spinnentiere leichter finden.
Es gibt auch synthetische oder natürliche Stoffe, die durch ihren Geruch Zecken fernhalten. Diese sogenannten Repellentien sind in Drogeriemärkten und Apotheken frei erhältlich. Sie werden auf die Haut aufgetragen und können für einen kurzen Zeitraum von einigen Stunden einen gewissen Schutz bieten.
Wer nach einem Zeckenbiss Krankheitszeichen wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen oder Abgeschlagenheit zeigt, sollte einen Arzt aufsuchen. Charakteristisch für eine Borrelien-Infektion ist in etwa 90 Prozent der Fälle die sogenannte Wanderröte, eine sich ringförmig ausbreitende Rötung mit blassem Mittelfeld, die an der Einstichstelle, aber auch an anderen Körperstellen auftreten kann.
- Ausführliche Informationen gibt es im Internet unter www.aok.de/bw-gesundnah/vorsorge-und-gesundheit

Bei Aktivitäten im Freien sollte man sich vor Zeckenbissen schützen. Für Risikogebiete, wie den Main-Tauber-Kreis, empfiehlt die STIKO eine FSME-Impfung. Foto: AOK







