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Walldürn. Osterburken. Römer, Kultur, Forschung, Geschichte

Auf den Spuren der Römer – entlang des Obergermanisch-Rätischen Limes

Artikel von Christina Sack, BlickLokal

 

BlickLokal unterwegs in Walldürn und Osterburken

 

Walldürn/Osterburken. 2005 wurde der Obergermanisch-Rätische Limes, der u.a. durch Walldürn und Osterburken führt, zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Mit einer Länge von 550km ist er das größte Bodendenkmal Europas. Selten kann man Geschichte so hautnah, praktisch vor der eigenen Haustür, erleben: Römer und germanische Stämme trafen hier aufeinander, betrieben Handel, beeinflussten sich gegenseitig. BlickLokal-Reporterin Christina Sack machte sich auf nach Walldürn und Osterburken, um sich auf die Spuren der Römer in unserer Heimat zu begeben.

 

160 n. Chr. verlegten die Römer den alten Odenwaldlimes um einige Kilometer nach vorne- damit begann die römische Geschichte von Walldürn und Osterburken. In Walldürn entstand ein kleineres Kastell samt Römerbad, das heute noch in seinen Grundfesten erhalten ist. Neckarburken verlor seinen Standort als Sitz der 3. Aquitanischen Kohorte, stattdessen errichtete diese in Osterburken ein neues Kastell. Noch heute ist die römische Vergangenheit für die beiden Odenwaldstädte ein großes touristisches Pfund.

 

Römische Badekultur

Für Reinlichkeit war bei den Römern gesorgt. Errichteten sie entlang des Limes ein Kastell, durfte auch ein Bad nicht fehlen. Im Süden von Walldürn, an der L   Richtung Waldstetten, sind die Überreste des dortigen Römerbades zu besichtigen. Vom sich in direkter Nachbarschaft befindenden Kastell sind dagegen keine Spuren mehr zu erkennen.

Kaltbad, lauwarmes Bad, Heißbad, beheizt durch Fußboden- und Wand –  unsere heutige Thermenlandschaft findet sich schon bei den Römern wieder.

Walldürn. Osterburken. Römer, Kultur, Forschung, Geschichte

Das Römerbad in Walldürn ist in seinem Grundriss gut erhalten und lohnt einen genaueren Blick.

Wandern auf dem Limespfad

Im Anschluss an den Besuch des Römerbades lässt es sich auf dem Walldürner Limespfad auf historischen Spuren wandeln. Die Besonderheit des Obergermanisch-Rätischen Limes –  er zieht sich kilometerlang meist schnurgerade durch die Landschaft –  lässt sich in Walldürn gut nachvollziehen. Auf dem ca. 2km langen, beschilderten Limesweg geht es kerzengerade durch den Wald, Steigungen und Kurven Fehlanzeige. Zu sehen sind vier Fundamente ehemaliger Wachtürme, die am Limes im Abstand von ca. 400m angebracht waren. Am Ende des Weges ist zudem eine Holzpalisade rekonstruiert, die die vorderste Abgrenzung zum „Barbarenland“ darstellte. Die meist dreistöckigen Wachtürme befanden sich erst im Abstand von ca. 18 Metern hinter der Palisade. Im Verlauf des 3. Jhd. n.Chr. wurde im Zwischenraum zudem ein Graben ausgehoben.

Gingen Historiker lange davon aus, dass der Limes militärischen Zwecken, also vor allem der Grenzsicherung und Verteidigung diente, kommt die neuere Forschung zu anderen Erkenntnissen. Nach ihrer Analyse taugte der Limes kaum zur ernsthaften Abwehr von Angriffen. Vielmehr sicherte er wohl den „Wirtschaftsraum Römisches Imperium“. Schon immer war das Römische Reich eines, das nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich erobert wurde. Auch am Obergermanisch-Rätischen Limes ist von einem regen Austausch, kulturell wie wirtschaftlich, mit der einheimischen Bevölkerung auszugehen. Die Grenzübergänge am Limes dienten als Zollstationen und Markflecken, an denen Handel stattfand.

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Auf dem Limeswanderweg in Walldürn lässt es sich auf den Spuren der Römer wandeln. Die nur noch in Fundamenten erhaltenen Wachposten waren im Abstand von ca. 400m angebracht.

Die zwei Osterburkener Kastelle

Osterburken verdankt seine römische Vergangenheit der erwähnten Vorverlegung des Limes 160 n. Chr.  Die 3. Aquitanische Kohorte machte sich sogleich daran, ein Kastell zu errichten, das sogenannte Kohortenkastell. Zunächst wahrscheinlich mit einer Holzpalisade versehen, wurden Mauern, Türme und Torbauten jedoch schon bald aus Steinen gebildet.

Heutzutage ist vom Kohortenkastell leider so gut wie gar nichts mehr zu sehen, die moderne Stadt Osterburken nimmt seinen Platz ein. Lediglich die Reste des zentralen Stabsgebäudes geben Aufschluss über die ehemalige Bebauung.

Dafür ist vom 185 bis 192 n. Chr. errichteten Annexkastell deutlich mehr zu sehen. 185 n. Chr. wurde das bestehende Kohortenkastell von Aufständischen angegriffen, die Römer entschlossen sich direkt daran anschließend, in Hanglage, ein weiteres Kastell zu errichten. Dieses sollte sie fortan vor Angriffen von dieser Seite aus schützen. Vom Annexkastell sind etliche Grundmauern sehr gut erhalten, sodass man im sogenannten Limespark Osterburken, illustriert durch Schautafeln und Animationen, durchaus anschaulich auf den Spuren der Römer wandeln kann. Wer noch mehr wissen möchte, für den ist ein Besuch des Römermuseums natürlich Pflicht. Einzigartige Funde wie die Schneidershecke oder der Mithras-Altar gehören zu den Schmuckstücken des Museums.

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Vom zuerst erbauten Kohortenkastell ist in Osterburken leider so gut wie nichts erhalten. Die Stahlkonstruktion veranschaulicht eines der ehemaligen Eingangstore.

Ende und Kontinuitäten

Gefundene Pfeilspitzen belegen, dass es im dritten Jahrhundert nach Christus einen Angriff feindlicher Germanen auf die Kastelle in Osterburken gab. Sicher ist, dass sich das römische Imperium im 4. und 5. Jhd. n. Chr. zunehmend auf dem Rückmarsch, letztendlich hin zum endgültigen Zerfall, befand. Kastelle und Befestigungen wurden Schritt für Schritt aufgegeben, die Zeit der Römer war vorbei, ihren Platz nahmen verschiedene Stämme ein.

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Die rekonstruierte Holzpalisade auf dem Limeswanderweg stellte die vorderste Abgrenzung zum „Babarenland“ dar.

Sicherlich kam es jedoch mit dem Abzug der Römer nicht zu einem völligen Abbruch jedweder Beziehungen. Zu eng war schließlich der wirtschaftliche als auch kulturelle Austausch gewesen, als dass sich römische Waren, römisches Handwerk oder römische Sitten nicht auch unter die germanischen Stämme gemischt hätten und sicher dort weiterlebten.

Wer sehen will, welche Bedeutung das römische Erbe auch heute, nach fast 2000 Jahren,  noch bei uns hat, ist bei einem Ausflug nach Walldürn und Osterburken genau richtig.

 

 

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