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Hochsaison mit Drohneneinsatz: Rettung vor der scharfen Klinge

Main-Tauber-Kreis (PM). Mitten in der Setzzeit von Reh und anderen Wildarten haben Landwirte mit der ersten Mahd im Grünland begonnen. Junge Hasen und Rehkitze besitzen zu diesem Zeitpunkt noch keinen Fluchtinstinkt – sie ducken sich im Schutz der hohen Wiese und hoffen unentdeckt zu bleiben. Das jedoch wird ihnen zum Verhängnis. Hochrechnungen gehen von über 90.000 Rehkitzen aus, die den Mähwerken jährlich zum Opfer fallen.
Da die Jungtiere selbst für geübte Augen im hohen Gras kaum auszumachen sind und das Absuchen von Flächen mit Helfern und Hunden aufwändig ist, kommt moderne Technik in Form von Drohnen mit Wärmebildkameras zum Einsatz: In den frühen Morgenstunden sind die Temperaturunterschiede zwischen dem Bewuchs und den Jungtieren noch so groß, dass diese leicht auf dem Bildschirm des Piloten erkennbar sind. Tagsüber oder am Abend, wenn die Sonne bereits untergegangen ist, ist der Kontrast gering. Innerhalb weniger Minuten können mit Hilfe einer Drohne hektarweise Wiesen überflogen werden. Wird ein Objekt von der Wärmebildkamera angezeigt, können Helferinnen und Helfer es leicht im hohen Gras finden. Das Kitz wird behutsam mit Handschuhen und dicken Grasbüscheln, zum Schutz vor menschlichem Geruch, in Sicherheit gebracht und nach dem Grasschnitt in der Nähe der Fundstelle wieder ausgesetzt. Dort wird es von der Rehgeiß in der Regel wieder angenommen und versorgt.
Jäger und Bauern müssen hierbei Hand in Hand arbeiten, damit die Aktion von Erfolg gekrönt ist. Wichtig ist, dass der Jäger rechtzeitig vom Landwirt informiert wird, so dass er sein Team zusammenstellen kann. Die Mahd selbst muss rasch erfolgen, da die Kitze etwa alle zwei Stunden von der Ricke, dem Muttertier, gesäugt werden.
Aktuell sind in Baden-Württemberg über 12 Drohnen-Teams offiziell im Einsatz. Einige sind auf der Homepage des LJV unter www.landesjagdverband.de/projekte/kitzrettung mit den entsprechenden Kontaktdaten aufgeführt. Im Durchschnitt rettet jedes Team zwischen 20 und 80 Tiere je Saison.
Kreisjägermeister Hariolf Scherer freut sich, dass auch innerhalb der Kreisjägervereinigung Bad Mergentheim nun Drohnen mit Wärmebildkameras auf eigene Kosten (8.000-10.000€) von Jägerinnen und Jäger angeschafft worden sind und diese nach entsprechender Einarbeitungszeit demnächst von Mitgliedern der KJV angefordert werden können. Details zur Anforderung und Vergütung der Drohneneinsätze werden in der nächsten Vorstandssitzung der KJV besprochen.
Der Landesjagdverband Baden-Württemberg hat aktuell eine Broschüre mit vielen Daten und Fakten sowie Hintergründen zur Kitzrettung veröffentlicht. Diese steht Ihnen unter www.landesjagdverband.de/projekte/kitzrettung als Download zur Verfügung.