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Redaktionsgespräch zum Thema Diesel und zur Zukunft des Automobils

„Es wird wesentliche Änderungen geben“

Bad Mergentheim. Anfang September lud Kanzlerin Angela Merkel zum Dieselgipfel ins Kanzleramt. Vor Kurzem veranstalteten wir in unserer BlickLokal-Geschäftsstelle in Bad Mergentheim im Rahmen unserer Reihe „Redaktionsgespräche“ unseren eigenen kleinen Dieselgipfel. Zu Gast waren die Autohausbesitzer Elmar Fahrbach, Christian Bartosch (beide Bad Mergentheim), Jochen Spiller (Königshofen) sowie Werner Schech, Niederlassungsleiter der DEKRA in Würzburg. Feinstaub, Umweltprämie sowie die Vor- und Nachteile der Dieselautos waren die diskutierten Themen. Zudem wurde die Zukunft des Automobils in den Blick genommen.

Lange wurden Dieselfahrzeuge als umweltfreundliche Alternative zum Benzinmotor gepriesen. Manipulationsskandale und die Diskussion um zu hohe Feinstaubwerte brachten den Dieselmotor in letzter Zeit jedoch zunehmend in Verruf. Im Redaktionsgespräch fühlten wir den vier Experten auf den Zahn, was sie von Dieselfahrzeugen halten.

Vor- und Nachteile der Dieselfahrzeuge

BlickLokal: Warum sollten sich Kunden heute noch einen Diesel kaufen?

Werner Schech: Weil die Technik up-to-date ist und die Fahrzeuge eine relativ wirtschaftliche Fahrweise gewährleisten.

Elmar Fahrbach: Und weil sie robuster als Benziner sind und länger leben.

Gefragt nach der Umweltbilanz der Dieselmotoren zeichnet der DEKRA-Niederlassungsleiter Schech ein differenziertes Bild. Bei den Stickoxiden seien Dieselfahrzeuge mit Benzinern vergleichbar, die Feinstaubbelastung sei allerdings höher. Ärgerlich findet Schech jedoch, dass sich bei der Feinstaubdebatte alles um das Auto drehe. Dabei gebe es auch andere Faktoren wie z.B. das Heizen. Auch Christian Bartosch bricht eine Lanze für den Diesel und gibt zu bedenken, dass auch für Elektroautos viele Rohstoffe benötigt würden und die Frage der Betankung – mit Öko- oder Braunkohlestrom – eine entscheidende Rolle spiele. Jochen Spiller bringt dagegen die Subventionierung der Dieselfahrzeuge ins Spiel. Diese hätten zwar tatsächlich einen niedrigeren Verbrauch, seien jedoch in der Produktion eigentlich teurer als Benziner.

Fahrverhalten entscheidend für Kaufentscheidung

Bis hierin hatten wir überwiegend Positives und nur wenig Kritik an Dieselfahrzeugen gehört. Zeit, bei den drei Automobilverkäufern dann doch noch einmal nachzuhaken.

BlickLokal: Wann lohnt sich es sich einen Diesel zu kaufen?

Jochen Spiller: Wer nur kurze Strecken fährt, dem ist ein Diesel nicht zu empfehlen. Wir merken auch, dass die Leute verunsichert sind und nach Alternativen suchen. Wir verkaufen überwiegend Hybridfahrzeuge.

Christian Bartosch: Das Wichtigste ist die Bedarfsermittlung. Wieviel Kilometer fahre ich, für was brauche ich das Auto. Bei langen Strecken sehe ich keine Alternative zum Diesel.

Elmar Fahrbach: Ein Vielfahrer kommt einfach nicht ohne Diesel aus.

 

 

Schadstoffausstoß auf dem Prüfstand

BlickLokal: Ab dem kommenden Jahr soll nun der Schadstoffausstoß der Fahrzeuge auch auf der Straße und nicht mehr nur auf dem Prüfstand gemessen werden. Wird uns das endlich reale Messwerte bringen?

Werner Schech: Ich bezweifle die Vergleichbarkeit der Tests auf der Straße. Hier kommt es doch stark auf verschiedene Faktoren an, z.B. wo und wie man fährt. Was wir bräuchten wäre ein Prüfstandtest, der vergleichbar zur Straße ist. Die jetzigen Prüfstandtests sind nicht real.“

Angesprochen auf das Thema Feinstaub und mögliche Fahrverbote sehen Werner Schech und Christian Bartosch die Nachrüstung der Dieselfahrzeuge als nicht ausreichend an. Fahrverboten stehen sie jedoch auch sehr skeptisch bis klar ablehnend gegenüber. „Wir müssen hier verschiedene Lösungen anpacken: Heizen, Verkehr, Stadtreinigung…“, setzt Schech auf einen umfassenden aber auch langfristigen Lösungsansatz.

Umweltprämie wird gut angenommen

Wie reagieren nun die Kunden auf die Diskussionen um den Diesel? Auf diese Fragen geben die vier Experten unterschiedliche Antworten. Während Jochen Spiller und Werner Schech eine Verunsicherung der Kunden spüren, ist das Bild bei Christian Bartosch und Elmar Fahrbach gemischt. So konstatiert Elmar Fahrbach nach zunächst zögerlichem Kaufverhalten in den letzten Wochen wieder eine hohe Dieselnachfrage. „Wir haben uns nach dem VW-Skandal zusammengesetzt und überlegt, wie wir Kundennachfragen beantworten können. Komischerweise müssen wir jedoch bei anderen Marken mehr erklären als bei VW,“ berichtet Christian Bartosch. Die Umweltprämie wird dagegen bei allen drei Händlern gut angenommen

Zukunft des Automobils

Bei der Frage nach der Zukunft des Automobils und ob die deutsche Automobilindustrie diese Zukunft bereits verschlafen hat, zeigen sich die deutlichsten Differenzen zwischen den Gesprächsteilnehmern.

So glaubt Jochen Spiller nicht, dass die deutsche Automobilindustrie den Vorsprung anderer Hersteller noch aufholen kann. Diese seien immer einen Schritt voraus. Er verweist darauf, dass z.B. Toyota seit September sein erstes Wasserstoffauto auf den Markt gebracht hat.

Werner Schech geht dagegen davon aus, dass die deutsche Automobilindustrie den Rückstand wettmachen kann. Es gehe ja nur um den Motor, das sei aufzuholen. Auch Christian Bartosch sieht die deutschen Hersteller nicht weit im Hintertreffen.

Und wie sieht nun die Zukunft des Automobils aus?

Auch wenn keiner der vier Gesprächspartner in die Zukunft blicken kann, wagt Werner Schech doch eine Prognose: „In 20 bis 30 Jahren werden wir gemischt unterwegs sein. Wir werden immer noch konventionelle Verbrennungsmotoren haben. Die Veränderungen werden jedoch wesentlich sein. So wird z.B. das automatisierte Fahren auch Treibstoff einsparen.

Einig sind sich abschließend alle vier Gesprächsteilnehmer, dass sich auch das Denken der Kunden ändern muss. Weg vom Trend immer schwererer und möglichst PS-starker Autos hin zu alternativen und sparsameren Modellen.

Christina Sack

 

 

 

Elmar Fahrbach betreibt sein Autohaus im Bad Mergentheimer Mobilpark Ried.

 

 

 

Beim Redaktionsgespräch zum Thema Diesel trafen sich vier Automobilexperten in der BlickLokal-Geschäftsstelle in Bad Mergentheim.(Fotos Beate Tomann)

 

 

 

 

 

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