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Orgel „Instrument des Jahres 2021“

Ein Seh- und Hörerlebnis inmitten der Dinkelsbühler Altstadt

Orgel „Instrument des Jahres 2021“

Dinkelsbühl freut sich, dass die Orgel zum „Instrument des Jahres 2021“ ernannt worden ist. „Wir haben inmitten unserer Altstadt, der schönsten Altstadt Deutschlands (Focus), drei große Kirchen und unsere Friedhofskirche mit wunderbaren sehenswerten Orgelinstrumenten. Weiterhin gibt es in den Stadtteilen Segringen und Weidelbach wunderbare Orgeln. Die Betitelung ‚Instrument des Jahres 2021‘ gibt der Orgel und damit auch unseren Dinkelsbühler Orgeln die Wertschätzung und Aufmerksamkeit, die sie verdient haben“, so Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer.

Königin der Instrumente

„Die Orgel wird seit alters und zu Recht als die Königin der Instrumente bezeichnet, weil sie alle Töne der Schöpfung aufnimmt und die Fülle des menschlichen Empfindens zum Schwingen bringt“, sagte bereits 2016 der damalige Papst Benedikt XVI. Eine Orgel kann zudem verschiedene andere Musikinstrumente imitieren. Sie kann z.B. wie eine Flöte, ein Violoncello, eine Klarinette oder eine Posaune klingen. Der Organist kann die verschiedenen Klänge von seinem Spieltisch aus durch sogenannte Register auswählen und miteinander kombinieren. – Einen kleinen Einblick über die Dinkelsbühler „Königinnen“ geben im Folgenden die beiden Kantoren der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden, zu deren Aufgaben das liturgische und konzertante Orgelspiel und die Begleitung des Gemeindegesangs gehören. Auch die Kirchengemeinden Weidelbach und Segringen stellen ihre „Königinnen“ vor.

Älteste spielbare Orgel Mittelfrankens steht in Dinkelsbühl

„Mit der ‚Rieger-Orgel‘ und der ‚Schwedenorgel‘ stehen in unserem Münster St. Georg zwei wunderbare und gleichzeitig außergewöhnliche Instrumente zur Verfügung“, so Münsterkantor Volker Oertel. Die Hauptorgel von St. Georg wurde 1997 von der Orgelbau Firma Rieger (Schwarzach/Vorarlberg) erbaut. Sie verfügt über 58 Register auf drei Manualen und Pedal und ist somit eine der größten Orgeln in Mittelfranken. Es handelt sich um eine dreimanualige Schleif­ladenorgel mit mechanischer Spiel- und Regis­ter­traktur nebst zusätzlicher elektrischer Register­steuerung. Eine 768-fache Setzeranlage mit Sequenzerschaltung erlaubt dem Organisten die Voraus­programmierung verschiedener Orgel­registrierungen. Der Spieltisch befindet sich freistehend an der Emporen­brüstung. Insgesamt sind 3.939 Pfeifen verbaut; die Gesamt­höhe des Orgelgehäuses über dem Emporenboden beträgt ca. 13,3 Meter. Eine Besonder­heit stellt das in das Orgel­gehäuse integrierte Bild des Drachentöters St. Georg dar, das 1860 von Julius Frank geschaffen worden war und um 1890 seinen Platz über dem nordöstlichen Seitenportal gefunden hatte.

Mit dem vermutlich um 1610 vom Nürnberger Orgelbaumeister Stephan Cuntz erbauten Orgelpositiv beherbergt unser Münster außerdem einen besonderen kirchenmusikalischen Schatz: Es handelt sich um die älteste spielbare Orgel Mittelfrankens. Das Positiv wurde ursprünglich für die Spitalkirche (Heilig Geist) gebaut. Nachdem die Schweden im Jahr 1632 St. Georg verwüstet und auch die Orgel ausgeplündert hatten, wurde die Kirche von den Protestanten übernommen. Sie brachten ihr Instrument aus der Spitalkirche mit. Als sie 1634 wieder aus der Kirche ausgewiesen wurden, haben die Katholiken das Instrument als Pfandobjekt für ihre unbrauchbar gewordene Orgel behalten. Mit einem Vergleich endete ein Rechtstreit im Jahr 1642 – gegen eine finanzielle Abfindung ging das wertvolle Instrument in den Besitz der katholischen Pfarrgemeinde über und wird seither im Volksmund liebevoll „Schwedenorgel“ genannt. Münsterkantor Volker Oertel ist sehr glücklich über diesen Doppelpack: „Während auf der großen Rieger-Orgel die gesamte Orgelliteratur gespielt werden kann, ist man mit der Schwedenorgel in der Lage, alte Musik historisch präzise zum Klingen zu bringen.“

Auf bayerische Orgelreise nach Dinkelsbühl

„Die Späth-Orgel mit 39 klingenden Registern auf 3 Manualen und Pedal aus dem Jahr 1995 ermöglicht die Wiedergabe fast aller Stilrichtungen. Grundsätzlich auf ein romantisches Klangbild mit vielen weichklingenden Registern ausgerichtet, zeichnet sie aber auch polyphone Barockmusik klar und durchhörbar“, so beschreibt der „Bayerische Orgelreiseweg“ der Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern die Orgel in der evangelischen Kirche St. Paul, die eine von sieben Stationen des „Bayerischen Orgelreiseweg“  ist. Die zweite Station ist die Barockorgel im Heilig-Geist-Spital. Die größte, wenigstens in vielen Teilen, erhaltene Orgel des Orgelbauers Schultes aus dem Jahr 1792 war bei ihrer Fertigstellung das größte Orgelwerk der Stadt. In den folgenden Jahrhunderten wurde sie immer wieder überarbeitet (und dabei auch verkleinert) und dem musikalischen Zeitgeschmack angepasst. Dennoch zählt sie mit 26 klingenden Registern auf zwei Manualen und Pedal zu den größten Instrumenten im Umkreis. „Klanglich bietet sie eine interessante Mischung aus verschiedenen Epochen, wobei der schöne barocke Grundklang immer noch erkennbar ist. Sie stellt historisch und klanglich eines der interessantesten Orgeldenkmäler der Region dar“, so der evangelische Stadt- und Dekanatskantor Oliver Panzer.

Von England nach Dinkelsbühl

„Seit 2018 ist die Dinkelsbühler Orgellandschaft noch um ein außergewöhnliches Instrument reicher“, so Oliver Panzer. In der Friedhofskirche St. Leonhard erklingt seitdem eine Orgel der renommierten Orgelbaufirma Kirkland mit dem für englische Orgeln typischen, extrem weichen und doch raumfüllendem Klang. Die neun unterschiedlichen Klangfarben verteilen sich auf zwei Manuale und Pedal, wobei die vier Register des zweiten Manuals über einen sogenannten Schweller stufenlos in der Lautstärke variiert werden können. Bei den großen Instrumenten im Münster oder in der St. Paulskirche üblich, ist es für ein Instrument dieser Größenordnung eine Besonderheit. Es handelt sich dabei nicht nur um eine zusätzliche musikalische Ausdrucksmöglichkeit, sondern zeigt sich bei der Begleitung von Sängern und leiseren Soloinstrumenten auch aus rein praktischen Gründen gerade in der Friedhofskirche als sehr sinnvoll.

Die Orgel ist nach etwa 100 Jahren Dienst auf der englischen Insel nach einer Kirchenauflösung auf den Kontinent gekommen und wurde durch die Orgelbaufirma Kutter aus Friedrichsroda klanglich und optisch generalüberholt und an den Raum unserer Friedhofskirche angepasst.

Auch in den Stadtteilen Segringen und Weidelbach stehen zwei herausragende „Königinnen der Instrumente“:

Goldene Rosen in Segringen

Am Erntedankfest 2004 wurde die neue Orgel in der Segringer St. Vinzenzkirche geweiht. Damit kamen damals die Renovierungsarbeiten in der Kirche zum Abschluss. Ein Brand im Advent 2002 hatte den Innenraum der Kirche zerstört. „Ursache war wohl ein Kurzschluss in der Orgelbank Heizung. Die alte Segringer Orgel brannte völlig aus. Seit 2004 also schmückt eine Orgel des Feuchtwanger Orgelbauers Lutz die Kirche der Dinkelsbühler Urpfarrei. Die Kosten der Segringer Orgel betrugen damals ca. 210.000 Euro, die aus Spenden und mit Hilfe der Brandversicherung finanziert wurden“, berichtet Pfarrer Dr. Markus Roth. Die Lutz Orgel besitzt 16 Register, zwei Manuale und ein Pedal. Die vergoldeten Schleierbretter nehmen das Rosenmotiv aus dem Segringer Altar auf. Annedore Lutz aus Dinkelsbühl spielt nahezu jeden Sonntag auf der Lutz Orgel. Auch bei Konzerten ist der festliche Klang der Orgel zu hören.

Wahrer Schatz für die Kirchengemeinde Weidelbach

Die Orgel in der Kirche St. Ulrich in Weidelbach ist im Vergleich zur Geschichte der Kirche, die bereits 1311 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, relativ jung. 1896 wurde die Firma Steinmeyer in Oettingen mit dem Neubau einer Orgel beauftragt. Am 13. September 1869 war die Orgel dann aufgestellt und bespielbar. Die Orgel besitzt zwei Manuale und 16 Register. Der Spieltisch ist zum Altar hin ausgerichtet, so dass der Organist sein Instrument „im Rücken“ hat. Die Orgel ist eine Schleifladenorgel und die Registratur erfolgt noch mechanisch. Einzig der Blasebalg wird durch einen Motor elektrisch angetrieben – allerdings ist auch noch die Vorrichtung zum Treten des Blasebalges komplett vorhanden und funktioniert auch noch. Das Instrument ist bis auf die Prospektpfeifen vollkommen original vorzufinden. Einige Register dieses Instrumentes sind inzwischen äußerst selten im originalen Zustand erhalten. Insbesondere das im zweiten Manual spielbare „Physharmonika 8“ ist kaum mehr zu finden. „Es existieren wohl nur noch eine Handvoll dieser Instrumente im Süddeutschen Raum. Deshalb handelt es sich bei der Weidelbacher Orgel um ein Instrument ‚von hohem kulturellen und denkmalschützerischem Wert‘ und dadurch ist es ein wahrer Schatz für die Kirchengemeinde“, so die Weidelbacher Kirchengemeinde. Die Orgel wurde im Rahmen der Generalsanierung der St. Ulrich Kirche von 2009 bis 2014 komplett gereinigt und überholt.

Orgel kann auch Jazz, Filmmusik und mehr

Unter dem Motto „Orgel um halb – 30 Minuten Orgelmusik in St. Georg“ finden regelmäßig freitags um 15.30 Uhr halbstündige Orgelkonzerte an der großen Rieger-Orgel des Münsters statt, die leider aufgrund der aktuellen Corona-Bestimmungen bis auf Weiteres ausfallen müssen. Bei den Konzerten zeigt Volker Oertel, dass die Orgel mehr als „nur“ klassische Werke aus den verschiedenen Jahrhunderten kann – es kommt auch Jazz oder Filmmusik zum Klingen. Die Musik wird dabei stets mit kurzweiligen Erklärungen zu Komponisten, Werken und zur Orgel unterfüttert. Touristen und Einheimische schwärmen von einem „echten Seh- und Hörerlebnis“.

Orgelstadt Dinkelsbühl

„Dinkelsbühl könnte man mit all diesen Instrumenten, von denen jedes eine besondere eigene Geschichte hat und die insgesamt eine sehr große Stilbreite des Orgelbaus und der damit verbundenen, sehr unterschiedlichen Klangmöglichkeiten abbilden, guten Gewissens als Orgelstadt bezeichnen“, so der Fachmann Oliver Panzer.

„Ein herzliches Dankeschön an das Engagement der beiden Kantoren und der Kirchengemeinden für die städtische Bereicherung durch und mit dem Instrument Orgel. Weiterhin viel Freude mit der Königin der Instrumente, auch über das Ehrenjahr 2021 hinaus“, bedankt sich Oberbürgermeister Dr. Hammer.

 

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