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Nuckelgiraffe steht inzwischen in der Nationalbibliothek

14-jähriger Autor Gideon Bo Freier: „Ich hätte mir das nie erträumen können“

Von Amos Krilles

Nordenberg (ak). Anfangs ein nützlicher Helfer, später oftmals ein lästiger Begleiter, den man nur schwer wieder los wird: der „Schnulli“. Genau bei diesem Schritt soll das liebevoll illustrierte Kinderbuch „Muriel – die Nuckelgiraffe“ helfen. Relativ ungewöhnlich an diesem Buch ist nicht nur das Thema, sondern auch der Autor, genauer gesagt dessen Alter. Gideon Bo Freier war gerade einmal 14 Jahre alt, als im vergangenen Jahr die erste Auflage mit 50 Exemplaren gedruckt werden konnte.

Der 14-jährige (inzwischen 15) Autor des Buches. Fotos: Amos Krilles/Privat

Aktuell wohnt Gideon mit seiner Familie in Nordenberg bei Rothenburg und besucht die 9. Klasse der Montessorischule. Schon als kleiner Junge war er vom Lesen und Schreiben fasziniert. Ganz besonders ist er ein „Fan von Fantasy und Mittelalter“, wie er selbst beschreibt. Bereits in der dritten Klasse verfasste er erste Kurzgeschichten. „Sogar die Mitschüler haben immer auf die nächste Fortsetzung gedrängt“, erinnert sich seine Mutter Nicole Freier. Bis heute sind der Feder von Gideon schon etliche Geschichten entsprungen, doch „Muriel – die Nuckelgiraffe“ ist die erste, welche in Buchform erschienen ist.

„Idee für die Geschichte hatte ich bereits mit drei Jahren“

„Die Idee für ein Kinderbuch ist an sich schon früh entstanden“, schildert der junge Autor. „Ich war zehn, als ich eines Tages mit einer Freundin von der Schule nach Hause lief und wir uns darüber unterhalten haben.“ Zur tatsächlichen Umsetzung sollte es mehr oder weniger „unerwartet“ nur einige Jahre später kommen, als die „Große Arbeit“, das Abschlussprojekt für die 8. Klasse, anstand. „Es war zu diesem Zeitpunkt eine echte Herausforderung für mich, ein Thema, beziehungsweise eine Buch-Idee zu finden.“ Doch eines Tages der rettende Einfall: seine Mutter erzählte ihm eine Geschichte, die er sich bereits als drei-jähriger Junge ausgedacht hatte. „Ich war damals so begeistert davon, dass ich sie sogar auf einem Schmierblatt aufgeschrieben habe“, erzählt die Mutter. „Inhaltlich ging es darum, den ‚Nukki’ abzugewöhnen.“

Gideon entschied sich daraufhin, diese Erzählung als Grundlage für sein Projekt, ein Buch, zu nehmen: „Ich war unter Zeitdruck, da ich plötzlich nur noch drei Monate bis zur Fertigstellung hatte. Einen Roman hätte ich nicht zeitgerecht fertigstellen können – zumindest nicht zufriedenstellend.“ Auch der Zuspruch seiner Mentorin habe ihn dahingehend motiviert. Nun ist er stolz darauf, dass „seine erste Geschichte auch sein erstes Buch geworden ist.“

Trotz vieler Herausforderungen rechtzeitig fertig geworden

Mit einer Digitalkamera hat Gideon die Seiten abfotografiert, um diese in Druckformat zu verwandeln. „Das war gar nicht so einfach, ohne Profi-Ausrüstung“

Schätzungsweise stecken insgesamt rund 200 Stunden Arbeit in dem 14 Seiten umfassenden Kinderbuch. Es gab zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen. „Auf den aller letzten Drücker ist es zum Vorstellungstag gerade noch rechtzeitig fertig geworden“, formuliert es der junge Verfasser.

Nicht nur der Text stammt von Gideon sondern auch alle Illustrationen entspringen seiner Fantasie. „Dass die Bilder letztendlich auch so aussehen wie gedacht, ist der spontanen Hilfe von Claudia Hädicke zu verdanken“, bringt er seine Wertschätzung seiner Kunstlehrerin gegenüber zum Ausdruck. Nur mit Hilfe ihrer theoretischen und praktischen Unterstützung in Form von Tipps usw. sei das Buch überhaupt zustande gekommen. Ebenso sei die Mentorin Greta Brumme (Illustratorin) maßgeblich mit Rat und Tat beiseite gestanden.

Jede einzelne Seite hat der 14-Jährige per Hand gezeichnet und mit Aquarelltechnik bemalt. Oft sei dies nicht einfach gewesen. „Wir haben viel herumprobiert.“ Schließlich hätte man nicht auf professionelle Soft- und Hardware zurückgreifen können. Stattdessen galt es mithilfe von diversen Freeware-Programmen und einer Digitalkamera das gesamte Buch in druckbare Form zu bringen.

„Mich reizt auch das Verlegen“

Ursprünglich war die Verwendung von Farben auf Mineralölfreibasis geplant, da Kinder das Buch so problemlos auch in den Mund nehmen können. Allerdings entpuppte sich dies als schwer umsetzbar, da das damalige Budget nicht für die dazu benötigte Auflage gereicht hätte. Allgemein gestaltete sich die Suche nach einer Druckerei kompliziert. „Es gibt nur wenige Druckereien, die überhaupt Papp-Bücher herstellen“, erklärt Gideon. Schließlich würde man jedoch mit der Druckerei Sachsendruck als Partner fündig. Die nun verwendete Farbe ist (entsprechend der Spielzeugnorm) ebenfalls trotzdem für Kinder geeignet. Dieses ganze „drumherum“ sei für ihn unter anderem der „Reiz“ an dem Projekt. „Mir geht es gar nicht nur ums Schreiben, sondern auch das Verlegen…“

Jede einzelne Seite wurde mit viel Liebe zum Detail per Hand gestaltet…

„Hätte mir das nie erträumen können“

Finanziert wurde das Unterfangen bisher weitestgehend durch die Unterstützung der Eltern, außerdem gab es im Herbst letzten Jahres eine online Crowdfunding-Kampagne. Angespornt durch das durchweg positive Feedback von außen, ist eine weitere größere Auflage von mindestens 1.000 Büchern samt ISBN-Nummer geplant. „Wir haben festgestellt, dass das Thema ‚Schnulli abgewöhnen’ in Kinderbüchern allgemein kaum thematisiert wird. Es geht meistens eher um Baustelle und Co“, so Nicole Freier. Nicht zuletzt darauf ließe sich ihrer Vermutung nach auch die gute Resonanz zurückführen. Aktuell können einige letzte Exemplare für zwölf Euro auf www.lila3.de erworben werden. Längerfristig soll das Buch auch über Buchhandlungen, Amazon und Co. angeboten werden, allerdings benötige man dafür noch etwas Zeit.

Im nächsten Schritt hofft man auf genügend finanzielle Mittel, um eine Auflage von 1000 Stück, nun auch mit ISBN, produzieren zu können. Besonders stolz ist die gesamte Familie, dass bereits jetzt jeweils zwei Exemplare in der National- und der Landesbibliothek zu finden sind. „Das hätte ich mir damals nie erträumen können“, freut sich Gideon.

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