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Hol mal schnell – Erinnerungen an Weiltinger Gemischtwarenläden

Weiltingen (pm/ak). Nach der Eröffnung der kleinen Postausstellung vor einigen Wochen hat nun die neue Hauptausstellung des Weiltinger Museumsvereins ihre Türen geöffnet. Mit dem Titel „Hol mal schnell – Erinnerungen an Weiltinger Gemischtwarenläden“ beleuchtet Museumsleiterin Erika Kränzlein die wechselvolle Geschichte von kleinen Ladengeschäften, ihren Besonderheiten und deren Niedergang in den letzten Jahrzehnten. Dazu hat sie verschiedene Einrichtungsgegenstände, Auszüge aus Briefwechseln und Gewerbemeldungen sowie Geschichten der Familien zusammengetragen und in der alten Turnhalle im Rathaus aufgebaut. Gemessen an der heutigen Geschäftelandschaft in der Marktgemeinde, in der es zumindest mit je einem Bäcker und Metzger sowie der Apotheke noch weitestgehend den Grundbedarf gibt, war die Lädenlandschaft in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts vielseitiger. 

Die Ausstellung liefert spannende Einblicke in die Ladenstruktur des letzten Jahrhunderts. Fotos: Jürgen Eisen

Bei der kleinen Eröffnungsfeier zog Karl Eisen, Vorsitzender des Museumsvereins einen Vergleich zwischen den Ladengeschäften und anderen Wirtschaftszweigen. Derzeit gebe es keinen einzigen Lebensmittelladen mehr im Ort. Als die Weiltinger Molkerei am 31.12.1966 geschlossen wurde, lieferten noch 60 Bauern ihre Milch dort ab. Milch und Molkereiprodukte wurden direkt beim Verarbeiter eingekauft. Um den Ausschank der Frischmilch und den Verkauf der Produkte musste man sich bewerben. Heute gibt es nur noch vier Milchviehhalter in Weiltingen. Bei den Schweinehaltern ist gar nur noch einer übrig geblieben. Gründe dafür gebe es viele. Während früher noch jeder Haushalt selber geschlachtet hat, haben Vorschriften und Beschränkungen den Beruf des Hausmetzgers aussterben lassen. Alles musste größer und effektiver werden. Lebensmittel, Obst und Gemüse müssen das ganze Jahr in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.

Geschichten und Schicksale

Erika Kränzlein ging in ihren Ausführungen auf die Besonderheiten in ihren Recherchen ein. Hinter jedem der bis zu sieben gleichzeitig betriebenen früheren Ladengeschäften standen Familien und deren Schicksale. Die Museumsleiterin brachte Familiengeschichten ans Licht, die sich um Notverkäufe aufgrund fehlender Nachfolger oder Finanzsorgen drehten. Lehrlinge oder die Ehefrauen übernahmen das Zepter und führten neue Sortimente oder Spezialitäten ein.

Einige Exponate…

Um nur einige der Beispiele zu nennen, erwähnte Erika Kränzlein die Einrichtung eines Konsums im heutigen Schloßweg. Diese Genossenschaft hatte in Schopfloch ihren Sitz und eröffnete zum 01.04.1949 einen Laden. Als Besonderheit des Konsums gab es jede Woche frischen Fisch. Der Laden wurde von den Flüchtlingsfamilien bevorzugt. Als diese in Weiltingen weniger wurden, ging auch das Geschäft zurück und wurde schließlich Anfang 1966 geschlossen. Wenn man so will, ist der Konsum einer der Vorgänger von dem, was wir heute unter Edeka kennen.

Bäcker Ernst Baumann war bekannt für seine Prinzregententorte und hatte neben seiner Bäckerei ein kleines Lebensmittelgeschäft. Von ihm stammen die ausgestellte Ladeneinrichtung und der Süßigkeitenautomat.

Eine Besonderheit war, dass die Weiltinger Ladenbesitzer auch immer ihre Stände auf den Weiltinger Märkten im Frühjahr und Herbst hatten. Waren es die Grillwürste, der große Käselaib oder besondere Backwaren, die Märkte waren so etwas wie eine Leistungsschau.

Der Marktplatz hatte seinen Namen nicht zu Unrecht, gab es doch in der Spitze mit drei Lebensmittelläden und vier Gaststätten sowie einem Schulhaus eine richtige Konzentration an Handel und Gewerbe.

Alte Bilder der Häuseransichten, in denen früher die Läden waren ergänzen die Ausstellung mit Eindrücken wie es noch vor 70 Jahren in Weiltingen aussah.

Ausstellung bis Oktober

Die neue Sonderausstellung ist wie die kleine Postausstellung noch bis Oktober jeweils an den Sonntagen zwischen 13 und 17 Uhr zu besichtigen. Auf das ausgehängte Hygieneschutzkonzept wird verwiesen. Außerdem sind Termine nach Vereinbarung mit Museumsleiterin Erika Kränzlein möglich.

Döschen und Verpackungen…

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