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Mittelalter und saftige Bässe

Impressionen vom 42. Kiliani Altstadtfest in Bad Windsheim

BAD WINDSHEIM. Der Begriff Mittelalter ist häufig geprägt von einer mehr oder weniger romantischen Vorstellung: Man denkt an mächtige Burgen, leidenschaftliche Handwerker und Ritter, die sich bei Turnieren die Zeit vertreiben. Wirft man aber einen etwas genaueren Blick auf die historischen Fakten des dunklen Zeitalters, zerspringt dieses romantische Mittelalter- Bild schnell in tausend Tonscherben. Die Realität war hart und grausam – nicht wirklich begehrenswert. Anders jedoch beim Kiliani Altstadtfest.

 

Zum 42. Mal…

Dort wehte am vergangenen Wochenende ein Hauch Mittelalter durch die Altstadt von Bad Windsheim. Den Besuchern bot sich von Freitag bis Sonntag eine bunte Mischung aus Mittelalter, kulinarischen Genüssen, Unterhaltung und Moderne. Insgesamt stand das Fest zwar unter dem Banner des Mittelalterlichen Rahmen Themas; ob eingefleischte Mittelalter-Fans es jedoch als solches hätten durchgehen lassen, bleibt zu bezweifeln… Je nachdem wo man sich gerade aufhielt, war vom mittelalterlichen Flair nicht allzu viel zu spüren – das sollte die Qualität des Festes jedoch keineswegs mindern. Vielmehr handelt es sich dabei wahrscheinlich um bewusste Planung: Die Veranstaltung kann letztendlich nur deshalb stattfinden, weil viele Schultern gemeinsam das Gewicht tragen. Um die allgemeine Organisation kümmert sich die Kur-, Kongress- und Touristik-GmbH. Am Tag des Geschehens sind es aber in erster Linie Vereine beziehungsweise deren Mitglieder, welche vor Ort Gesicht zeigen und sich um die Besucher kümmern. Gerade dieses Zusammenspiel aus bewusst mittelalterlichem Programm und dem gegenwartsnahen Angebot der Vereine, machen das Kilianifest einen Besuch wert – vor allem auch für Familien.

Unterhaltung am Marktplatz

Die Kur-, Kongress- und Touristik-GmbH sorgte in Zusammenarbeit mit der „Mittelalter-Zeitreisen Agentur“ Sündenfrei für ein spannendes, lustiges und klanglich fröhliches Spektakel, für Jung und Alt. Am Samstag war auf der Hauptbühne von 15 bis etwa 24 Uhr fast pausenlos etwas geboten. Mit Dudelsack und einer großen Umhänge Trommel bewaffnet, versetzte das musikalische Duo „Musica Brachialis“ die Luft in Schwingung. Angesichts der rhythmischen Klangkulisse fiel es manch einem offensichtlich gar nicht so leicht, die Beine still zu halten… Die Musiker verstanden es zwischen den Liedern – auch ohne Instrumentale Unterstützung – das Publikum zu begeistern: Auf derben Humor und freche Sprüche folgt eine Welle des Applauses. Für junge Mädchen und kleine Knappen gab es ein ganz besonderes Spektakel: Die Ritterlichen Raufereien. Sämtliche Bemühungen der anwesenden Eltern, ihren Kindern beizubringen, nicht zu streiten, wurden in diesem Moment vermutlich zu Nichte gemacht. Mal mit Streitaxt, mal mit Schwert – man prügelte sich was das Zeug hielt! Immer schön drauf, am besten der Kopf! Und als ob dem nicht genug wäre, auch mit fiesen Sprüchen war man nicht gerade sparsam. Bevor der Kampf losging, wurde das Publikum in zwei Gruppen unterteilt und eine Anhängerschaft für jede Partei festgelegt. Je nachdem wer im folgenden Duell einstecken musste, jubelte oder buhte die jeweilige Gruppe dementsprechend laut. Die Kleinen waren sichtlich angetan, nicht nur Zuschauer, sondern auch Teil des Gefechts zu sein! Unfair wurde das ganze jedoch, als ein kleiner Junge seinem Favoriten, eine vermutlich kurz vorher erworbene, Spielzeugpistole gab. Mit derart futuristischen Waffen war der Ausgang des Konfliktes schnell besiegelt…

Osmanisch kulinarisch

Verlassen wir nun jedoch den Marktplatz und folgen der Straße Richtung Weinmarkt… Es geht vorbei an einigen Ständen, angeboten werden Schmuck, Töpferwaren, mittelalterliche Musik genauso wie knallig buntes Plastikspielzeug – man merkt bereits wie der Mittelalter Touch langsam schwindet. Die von Marktplatz kommende Dudelsackmusik wird leiser und gleichzeitig hört man zunehmend deutlich den satten Bass elektronischer Musik. Bald wird klar, woher dieser stammt… Am Weinmarkt angelangt stößt man auf eine weitere Bühne, links und rechts zwei fette Lautsprechertürme. Auf dem Platz finden sich reichlich Sitzgelegenheiten und ringsum werden verschiedene Köstlichkeiten angeboten: Börek, Lammkebab, Lahmacun oder Döner – und einiges mehr. Viele der Gerichte werden direkt vor den Augen der Besucher zubereitet – vom Grill in den Mund. Auch die Musik ist zweifelsohne orientalisch. Man merkt, dass man mittlerweile das europäische geprägte Mittelalter verlassen hat. Offensichtlich befinden wir uns mittlerweile auf osmanischem Grund und Boden: Die Ländereien des Internationalen Türkischen Kulturhauses Bad Windsheim e.V. Besonderes Highlight dort ist die Tombola. Als die Verlosung näher rückt wird auch der Platz immer voller. Mit gutem Grund. Neben vielen kleineren Gewinnen werden zwei Markenfahrräder im Wert von jeweils etwa 400 Euro verlost. Logisch, dass man da gerne 1,50 Euro in ein Los investiert… So viele Leute machen ja schließlich auch nicht mit…

Zu Kalt?

Apropos, tatsächlich schienen die Besucherzahlen – zumindest am Samstag – nicht allzu hoch gewesen zu sein. Besonders am Nachmittag war alles ziemlich überschaulich. Am Abend wurden die Gäste dann zunehmen mehr, auch viele Junge Leute lockte das Angebot. Dennoch – die Zahl der vorhandenen aber unbesetzten Biertischgarnituren ließen darauf schließen, dass die Veranstalter gerne noch einiges Volk mehr gesehen hätten… Ob es am schlechten Wetter lag? Die kalte, zum Teil regnerische Luft könnte durchaus schuld gewesen sein.

Wie auch immer – die anwesenden Gäste ließen sich die Feierlaune vom Wetter nicht vermiesen. Umso tiefer die Nacht und desto höher der Alkoholpegel, so stieg auch die Stimmung.

Für jeden Geschmack war etwas geboten. Über die Altstadt verteilt gab es unterschiedliche musikalische und genüssliche Hotspots. Mehre kleinere und größere Nebenbühnen boten den Künstlern Raum, ihr instrumentales oder gesangliches Talent zu beweisen. Gar nicht so leicht zu entscheiden, wo man am liebsten verweilen will, am besten man erkundet selbst – eventuell beim 43. Kilianifest nächstes Jahr? Text / Fotos Amos Krilles

 

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