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Wetterstation Feuchtwangen wird zehn Jahre alt

Feuchtwangen. Das Wetter hat heute im Alltagsleben der Menschen einen wichtigen Platz eingenommen. Egal ob man Berufliches, Urlaub oder Freizeitaktivitäten plant, wird vorher schnell ein Blick in die Wetterkarten geworfen. Fast alle Medien liefern wiederholt die aktuellen Wetteraussichten. Einen Beitrag zu einer verlässlichen Wettervorhersage liefert seit exakt einem Jahrzehnt auch die vollautomatische Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Feuchtwangen-Heilbronn, welche im November 2007 ans Netz gegangen ist.

Seit es auf der Erde Menschen gibt, begleitet diese das Wetter. Schon im Mittelalter hat man deshalb auch in unserer Region, vorwiegend aber in den Weingegenden, begonnen, das Wetter aufzuzeichnen. Entsprechende Nachweise, vor allem über historische Unwetter, finden sich oft in alten Kirchenbüchern. Im Laufe der Zeit entstanden auch viele Bauernregeln, weil man schon damals eine bestimmte Verlässlichkeit in Bezug auf die Witterung herbeisehnte.

Während in den großen Städten Deutschlands und einigen hervorgehobenen Bergstationen eine genaue und zuverlässige Aufzeichnung des Wetters schon im 18. und 19. Jahrhundert einsetzte, begann man in der hiesigen Region erst in den 1890er Jahren mit der akribischen Datenerfassung. Vielerorts wurden erste Niederschlagsmessstationen eingerichtet; eine der ersten im Jahre 1894 in Rothenburg ob der Tauber.

1899 folgten weitere in Wörnitz und Oberdachstetten. Ab 1901 wurden in Wörnitz auch die Schneehöhen aufgezeichnet. Im Laufe der Jahre entstand so ein sehr dichtes Netz von Niederschlagsmessstationen, ehe auf einem landwirtschaftlichen Anwesen in Bottenweiler bei Wörnitz am 8. Juni 1948 ein neues „Klimazeitalter“ eingeläutet wurde. Auf dem Anwesen des Landwirts und späteren Bürgermeisters Friedrich Trump wurde mit Unterstützung der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf eine landwirtschaftliche Wetterstation aufgebaut.

Jetzt konnten auch Temperaturen, Sonnenscheindauer, Wind und weitere Parameter genau gemessen werden. Wenige Jahre später wanderte die Wetterstation in einen Aussiedlerhof außerhalb von Bottenweiler. Im Jahr 1947 war auch in der früheren Reichsstadt Rothenburg mit der genauen Datenerfassung begonnen worden. Die Wörnitzer Station verrichtete ihren Dienst zuverlässig bis Ende des Jahres 2007. Dann wurde sie abgebaut.

Der Grund war eine hochmoderne und vollautomatische Wetterstation, die bei Feuchtwangen-Heilbronn oberhalb der „Ameisenbrücke“ errichtet worden war. Der Deutsche Wetterdienst hatte sein Rastersystem der bestehenden Wetterstationen neu geordnet und errichtete nahe der Kreuzgangstadt auf einem rund 1200 Quadratmeter großen Wiesengelände eine hochmoderne Datensammelstation.

Exakt vor zehn Jahren ging diese ans Netz und lieferte seitdem, meistens zuverlässig, Millionen von unterschiedlichsten Wetterdaten. Über Sensoren werden diese aufgenommen und über unterirdische Kabel in einen Rechner weitergeleitet, der in einer dort errichteten Stationshütte untergebracht ist. Dort werden die Daten, die vor Ort nicht abgelesen werden können, verschlüsselt und an die Regionale Messnetzgruppe des DWD in München weitergeleitet, bis diese schließlich unverschlüsselt in der Wetterdienstzentrale im hessischen Offenbach landen.

Die Station unweit der Kreuzgangstadt liegt auf einer Meereshöhe von 475 Metern und ist mit hochmodernen und mitunter sehr teuren Messgeräten ausgestattet. Neben der Lufttemperatur in zwei Meter Höhe wird dort auch die Temperatur fünf Zentimeter über dem Erdboden sowie in Bodentiefen von 5, 10, 20, 50 und 100 Zentimetern aufgezeichnet. Neben der Niederschlagsmenge kann dort auch die Niederschlagsart (Regen, Schnee, Hagel, Graupel) und sogar die Niederschlagsdauer erfasst werden.

Weitere Parameter sind die Sonnenscheindauer, Windstärke und Windrichtung, die Sichtweite, die Schneehöhen, die Luftfeuchtigkeit sowie der Luftdruck. Ein hochsensibles Gerät misst zudem die Wolkenuntergrenzen bis hin zur Wolkenart und dem Bedeckungsgrad des Himmels. Damit die Daten auch nicht verfälscht sind, müssen die Messgeräte durch einen zuverlässigen Betreuer regelmäßig gereinigt und unterhalten werden.

Auch ist im Sommerhalbjahr ein regelmäßiger Grasschnitt notwendig und im Winter gilt es, die Zufahrt zur Wetterstation und die Wege innerhalb des Stationsgeländes von Schnee freizuhalten. Nach kleineren technischen Startschwierigkeiten zu Beginn liefert die Station inzwischen überaus zuverlässige Daten, welche in die künftigen Wettervorhersagen einfließen können.

Neben der neuen hauptamtlichen Wetterstation in der Kreuzgangstadt gibt es aber auch eine wichtige Station in Rothenburg ob der Tauber, welche im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes betrieben wird. Daneben gibt es noch zahlreiche landwirtschaftliche Stationen wie zum Beispiel in Triesdorf, in Weiltingen-Frankenhofen und in Wörnitz-Mittelstetten (derzeit außer Betrieb).

Daneben wurden im Verbreitungsgebiet zahlreiche Niederschlagsmessstationen eingerichtet, welche Tag für Tag die festgestellten Niederschläge und im Winter teilweise auch die vorhandenen Schneehöhen messen. Solche Stationen gibt es in Colmberg-Binzwangen, Herrieden, Bechhofen-Voggendorf, Wassertrüdingen, Dinkelsbühl-Oberwinstetten, Buch am Wald-Schönbronn sowie in Ehingen.

Des Weiteren gibt es in der Region auch zahlreiche Betreiber von privaten Wetterstationen, wie beispielsweise in Aurach, in Herrieden-Gräbenwinden und in Schillingsfürst. Auch von dort werden interessante Wetterdaten geliefert, zu denen sich darüber hinaus einige Wald-Wetterstationen gesellen, welche neben den eigentlichen Wetterdaten noch andere spezifische Messungen vornehmen.

So ergibt sich insgesamt ein breites Netz an Messstationen, deren Daten zusammengefügt wichtige Erkenntnisse nicht nur für die Meteorologen, sondern auch für die Landwirtschaft, für die Industrie, für den Gartenbau, für die Kommunen und für viele private Interessenten liefern. So lässt sich seit dem Ende der 1980er Jahre ein deutlicher Anstieg der Temperaturen erkennen, welcher dem prognostizierten Klimawandel geschuldet sein dürfte. Auch die Sonnenscheindauer hat wegen der immer reineren Luft in den letzten Jahrzehnten zugenommen.

Komplettiert wird das Messnetz zwischen Dinkelsbühl und Wassertrüdingen bis nach Rothenburg von zahlreichen Messstellen an den heimischen Flüssen. Dort werden mindestens stündlich jeweils die aktuellen Pegelstände abgelesen, so dass man im Bedarfsfall schnell auf drohendes Hochwasser reagieren kann. Stürme und Hochwässer sind es, die in der Region in der Regel noch die schlimmsten Schäden hinterlassen. Insgesamt aber lebt man in Westmittelfranken aber in einem Gebiet, das relativ unanfällig für Naturkatastrophen ist.

 

Text und Fotos: Heinz Meyer
Dazu zahlreiche Fotos von der Wetterstation in Feuchtwangen-Heilbronn
Foto von der privaten Wetterstation in Schillingsfürst!
Foto: Meyer

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