Aktuelle Stellenanzeigen:

Ein Novum in der 190-jährigen Tradition der Sängervereinigung Concordia – 1831

Von Amos Krilles

Dinkelsbühl (ak). Der traditionsreiche Männerchor Concordia – 1831 erfindet sich neu: Erstmals in der rund 190-jährigen Vereinshistorie ist die Sängervereinigung unter weiblicher Leitung (seit September). Adrijana Gajic ist kein unbeschriebenes Blatt in der Chorszene; bereits 17 Jahre lang hat sie im Dinkelsbühler Raum Chöre geleitet. Doch hierbei handelt es sich nicht um die einzige Neuigkeit, wie Leonhard Bartlime, Pressesprecher, bekanntgibt. Besonderen Fokus lege man aktuell auf das „Magische Dreieck Singen“ – ein grenzübergreifendes Projekt ganz im Sinne von „Musik verbindet.“

Regelmäßig finden auch öffentliche Auftritte statt. Fotos: Amos Krilles/Privat

„Vom Flüchtlings- zum Beamtenstatus“

Dass Adrijana Gajic heute im Herzen Frankens einen Männerchor leitet, hätte sich die leidenschaftliche Musikerin in ihrer Jugend kaum erträumen lassen. Als Flüchtling kam sie mit 19 Jahren nach Deutschland – genauer gesagt: Mönchsroth. Die gebürtige Jugoslawin befand sich gerade im Abschlussjahr, als der Bürgerkrieg in Bosnien ihr Leben für immer verändern sollte. „Es gab viele Hürden zu überwinden“, erklärt sie heute in perfekt flüssigem Deutsch. „Ich hatte keine Sprachkenntnisse, auch meine Schulbildung wurde nicht anerkannt, keine Arbeitserlaubnis…“ Von jetzt auf nachher war Adrijana mehr oder weniger alleine – ohne Freunde und Verwandte. „Meine selbstgesteckten Ziele konnte ich nun nicht mehr verwirklichen.“ Heute ist sie Fachlehrerin für Musik und Wirtschaft an der Hans-von-Raumer Mittelschule in Dinkelsbühl. Ihre Geschichte ist das perfekte Beispiel für gelungene Integration. Ein wichtiges Schlüsselelement in diesem Prozess sei stets die Musik gewesen. „Die erfolgreichste gesellschaftliche Integration erlebte ich nach der Übernahme eines Männerchores im eigenen Wohnort, Mönchsroth“, schildert sie.

„Will meinen Beitrag leisten“

Das Thema Musik sei für sie schon immer wichtig gewesen. Musik und Gesang wären nicht nur ein stets „treuer Begleiter und emotionaler Unterstützer in allen Lebenslagen“, sondern bauten auch „Brücken zwischen Menschen und Kulturen.“

Nicht zuletzt aufgrund dieser Erkenntnis engagiert sie sich nun als Chorleiterin bei Concordia – 1831. „Ich will einen Beitrag leisten zur Förderung des kulturellen Lebens und des deutschen Liedgutes im eigenen Wohnort“, so ihr Statement. Seit drei Jahren wohnt sie inzwischen in der Wörnitzstadt… Auch die „aktive Teilhabe“ am gesellschaftlichen Leben vor Ort, sowie generell die Förderung von Musik, lägen ihr auf dem Herzen. Und nicht zuletzt: „Ich liebe Dinkelsbühl.“ Ein weiterer Punkt, den sie mit der Chormitgliedschaft zum Ausdruck bringen möchte.

Nicht nur Gajic freut sich über ihren neuen Posten. Auch die übrigen Chormitglieder zeigen sich erfreut, dass ihre „Wunschkandidatin“ nun tatsächlich die Leitung innehat. „Es gab ausschließlich positives Feedback…“, erklärt Bartlime. „Die neue Chorleiterin wird gut akzeptiert.“

Über Landesgrenzen hinweg: Musik vereint

Leonhard Bartlime, Pressesprecher des Vereins, und Adrijana Gajic, die neue Chorleiterin.

Eine weitere Neuigkeit sei, wie Bartlime betont, die Idee für ein „Magisches Dreieck Singen“. Zwar steckt diese noch in den Kinderschuhen, soll aber schon bald realisiert werden. Bartlime ist zuversichtlich, dass das Projekt gut ankommen wird und Zulauf findet. Dabei steht die gemeinsame Freude am Singen im Vordergrund und soll über Städte- und Landesgrenzen hinweg verbinden. „Wir wollen gemeinsam mit Chören aus anderen Städten singen“, so der Pressesprecher. Dabei wechselt die Location wöchentlich zwischen Dinkelsbühl, Ellwangen und Crailsheim. So zumindest die Idee – konkrete Neuigkeiten werden beizeiten bekanntgegeben.

„Harmonie hält uns vereint!“

„Aktuell zählt der Verein etwa 30 bis 35 Sangesbrüder“, so Bartlime. Dabei habe sich der Probenbesuch durchaus zum Positiven entwickelt. „Vor einem halben Jahr noch waren wir nur circa 25 Sänger.“ Erster Vorstand Fritz Röttinger sieht den Verein auf einem „guten Weg“, das selbstgesteckte Ziel, 45 Stammsänger, zu erreichen. Man schöpfe alle Möglichkeiten aus „um möglichst viele ambitionierte Sänger, egal welchen Alters, zu animieren.“

Die wöchentlichen Vereinstreffen und -proben finden immer donnerstags im Vereinslokal (Hotel Fränkischer Hof, Dinkelsbühl) statt. Jeweils von 20 bis 22 Uhr.

1. Vorstand Fritz Röttinger leitet die Sängervereinigung Concordia – 1831 schon seit etlichen Jahren.

Dabei geht es längst nicht nur um den musikalischen Aspekt. Im Vordergrund stehen zudem ein geselliges Miteinander, gemeinsamer Austausch und gute Laune. Frohsinn und Heiterkeit seien stets Programm. Besonders hebt Bartlime den freundschaftlichen Umgang zwischen den älteren und jüngeren Sängern hervor – getreu dem Motto: „Harmonie hält zusammen, Harmonie hält uns vereint!“ Gegenwärtig sei das älteste Mitglied 81 und das jüngste 39 Jahre.

Das Repertoire an Liedgut umfasst eine breite Auswahl: Der Chor singt unter anderem Schlager, Volkslieder, moderne Stücke aber auch Klassiker, selbst gehobene Chorliteratur steht ab und an auf dem Programm. Was englische Texte betrifft, sei man noch etwas zurückhaltend. Besonders für die älteren Semester wären englische Liedtexte oft nicht ganz einfach. Daher beschränkte man sich bisher vorrangig auf deutsches Liedgut – „schließlich sollen alle ihren Spaß haben.“

Auch verfügt der Verein über eine eigene Uniform: graue Hose, lila getöntes Jackette, weises Hemd und dazu eine farblich abgestimmte Krawatte. „Ja, das ist nicht mehr ganz zeitgemäß. Wir wissen das…“, scherzt die Chorleiterin. Allerdings habe man bisher einfach noch keinen Sponsor für ein „moderneres Outfit“ gefunden.

Aus zwei wird eins

Keine Selbstverständlichkeit: Im April dieses Jahres wurde das Jubiläum 50 Jahre Sängervereinigung Concordia – 1831 gefeiert. Seinen Anfang hatte alles am 25. Juli 1831, als der Gesangsverein Männerchor 1831 gegründet wurde. Der Chor erreichte eine Stärke von 50 Sängern, „gesellschaftspolitische Unterschiede“ hätten jedoch regelmäßig zu Streitereien geführt, wie man in der Chronik liest. Innerhalb der ersten 40 Jahre wurden 20 Vorstände „verbraucht“. 1877 spaltete sich der Verein schließlich in zwei Lager, nachdem ein weiterer Streit eskaliert war. Einige Sänger gründeten daraufhin am 18. Februar die Sängervereinigung Concordia. Im Lauf der Jahre nach der Trennung entspannte sich die Situation zunehmend und es fanden sogar gemeinsame Auftritte statt. 1969 kam es schließlich zu einer erneuten Vereinigung der beiden Gruppierungen – seitdem der Titel „Sängervereinigung Concordia – 1831“, das gemeinsame Motto: „Singen macht gute Laune!“

Immer donnerstags kommen die Sänger in ihrem Vereinslokal (Hotel Fränkischer Hof) zusammen.

 

Die nächsten Termine im Überblick:

17.11.2019: Auftritt zum Volkstrauertag

7.12.2019: „Fränkisches Gruppensingen“ in Feuchtwangen

25.12.2019: Traditioneller Weihnachtssingen mit der Stadtkapelle Dinkelsbühl in der St. Pauls Kirche

 

 

 

 

 

 

 

Related Posts

Hasen statt Lametta
Fußweg im Stadtpark wird saniert
Rundum Paket für Wohnmobilisten