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Kunst, Terroir und Wein

Ein Rückblick: Kultur und Genuss im Garten des Haus der Heimat

SCHILLINGSFÜRST. Wie könnte man einen angenehmen Sommerabend besser würdigen, als in entspannter Atmosphäre bei einem Glas Wein und stimmungsvoller Live-Musik die malerischen Werke eines heimischen Künstlers zu genießen – das Ganze abgerundet mit einer vielfältigen Auswahl an leckeren Häppchen? Diesen oder einen ähnlichen Gedanken mussten die Veranstalter wohl gehabt haben, als sie beschlossen, den Kultur- und Genussabend ins Leben zu rufen. Zum ersten Mal fand dieser letzten Samstag im Garten des Haus der Heimat, in Schillingsfürst, statt.

Schon immer waren Kunst und Weingenuss eng miteinander verknüpft. Bereits seit Jahrtausenden übte Wein seinen inspirierenden Einfluss auf die bildenden Künste aus. Viele bekannte Künstler gaben ihre innige Beziehung zu dem edlen Getränk offen zu. In diesem Sinne fand man sich auch an diesem Abend zusammen. Während Hay Yan Waldmann-Wang, die Leiterin des Ludwig-Doerfler-Museums, mehrere ausgewählte Werke des Frankenmalers präsentierte, versorgte Hermann Schneider, Altbürgermeister der Gemeinde Adelshofen, die Besucher mit Informationen rund um die ausgeschenkten Weinsorten. Der Weinkenner beschreibt, wie die Idee zur Weinprobe im Haus der Heimat entstand: „Vor einiger Zeit hielt ich eine Weinprobe in Tauberzell, dort war auch Michael Trzybinski. Er meinte dann, sowas könnten wir eigentlich auch mal bei uns im Doerfler-Museum machen. Ich erklärte mich gerne dazu bereit.“ – eine Idee war geboren. Der Schillingsfürster Bürgermeister Michael Trzybinski beteiligte sich daraufhin maßgeblich an der Umsetzung des Plans, hierbei scheute er sich offensichtlich nicht, selbst aktiv zu werden: Der Großteil der am üppigen Buffet zu findenden Köstlichkeiten stammten von ihm persönlich!

Bürgermeister Michael Trzybinski hatte eigenhändig eine köstliche Auswahl an Häppchen vorbereitet

„Hauptsache es schmeckt…“
Zur Eröffnung des Abends war die Tauberzeller Weinprinzessin Jessica I. vor Ort. In ihrer Eröffnungsrede betont sie die enge Verbundenheit von Wein und Kunst und bildet im gleichen Zuge die Brücke zu Ludwig Doerfler, in dessen Werken das Thema Wein durchaus auch zur Sprache kommt. Abschließend trägt Jesscia I. das zum Thema passendes Gedicht „Weinlese“ des Ansbacher Dichters Johann Peter Uz vor. Somit konnte der Abend beginnen. Die Museumsleiterin beginnt mit der Präsentation des Bildes „Sommertag“ – ihr ganz persönliches Lieblingswerk von Doerfler. „Besonderes Merkmal ist das harmonisch, stimmungsvolle Zusammenspiel der Grün- und Blautöne, kombiniert bilden sie eine aussagekräftige Atmosphäre…“. Wenige Worte später ist es dann soweit. Die erste Runde der Weinprobe beginnt. Während die auf den Tischen bereitgestellten Gläser bereits nach und nach gefüllt werden, erläutert Hermann Schneider noch einige Details hinsichtlich des bekannten Müller-Thurgau Weines. Einerseits eine interessante Erfahrung, zu sehen, welche Sorten wann mit welchen anderen Reben gekreuzt wurden, um das heutige Endprodukt zu erhalten. Andererseits wird schnell klar wie viel trockene Theorie hinter dem Thema verborgen ist – und besser auch verborgen bleibt. „Für den normalen Weintrinker ist einfach nur wichtig zu wissen, welcher Wein ihm persönlich schmeckt. Das ganze andere Wissen ist eigentlich für Wissenschaftler, die mit Weinbau zu tun haben…“, so Schneider.

Humor und Stimmung im Museumsgarten
Mittlerweile sind alle Gläser gefüllt. Die Stimmung steigt. Trotz des etwas kühleren Wetters und des leicht bewölkten Abendhimmels ist die Atmosphäre ungetrübt. Liebevoll hat man die Tische dekoriert und Lichterketten schmücken den Garten. Die Sitzgelegenheiten sind teils unter Dach im eigentlichen Museumsatelier, ein anderer Teil befindet sich im Freien – so verteilen sich die geschätzt 50 Gäste optimal.

Ein besonderes Highlight war das Duo „Saxannah“. Annalena Neu und Hannah Karlstetter sind Studentinnen an der Hochschule für Musik in Würzburg. Extra angereist, wussten sie das Publikum in Schillingsfürst mit professioneller Saxophonmusik zu begeistern. Die regelmäßigen Live-Musik Einlagen untermalten das Abendprogramm klanglich und waren ein entscheidender Faktor für die einzigartige Stimmung.

Auch zu erwähnen ist Hermann Kaiser aus Uffenheim. Mit seinem reichen Repertoire an Trinksprüchen, Witzen und humorvollen Gedichten bot er dem Publikum des Öfteren Anlass zu schallendem Gelächter. So entstammt auch folgende Anekdote sachgemäß aus seinem Mund: „Goethe war einst in Marienbad vier Wochen zur Kur, dort ließ er sich extra 150 Liter Wein aus Main-Fränkischen Hügeln liefern – also Frankenwein. Eines Abends saß man beisammen und Goethe wurde gefragt was denn eigentlich seine Ideale seien. Dieser antwortete: Ganz klar; der Wein, die Dichtkunst und die Frauen. Man fragte weiterhin worauf er denn am ehesten verzichten würde. Keine Frage – selbstverständlich die Dichtkunst. Als ihm dann erneut die Frage gestellt wurde, was er nun weglassen würde – Frauen oder Wein – fiel ihm die Antwort nicht ganz so leicht. Nach etwas Bedenkzeit entgegnete Goethe jedoch: In diesem Fall käme es dann wohl auf den Jahrgang an…“

Hiermit wäre man also wieder beim Thema: Künstler und Wein – eine innige Verbundenheit.

Fürst Chlodwig zu Hohenlohe

Terroir?
Doch das Thema des Abends war nicht nur Wein und Kunst, sondern auch Terroir. Wer dem Französischen mächtig ist, wird vermutlich verstehen, worum es dabei geht… Terroir bedeutet so viel wie Boden oder Gegend – allerdings reicht diese Übersetzung nicht ganz aus, um der Bedeutung von Terroir im Kontext mit Weinbau gerecht zu werden. „Der Boden prägt den Wein, so ein Französisches Sprichwort. Allerdings schließt der Begriff Terroir heutzutage wesentlich mehr ein. Viele Faktoren, unter Anderem natürlich auch der Boden, spielen eine wichtige Rolle in Bezug auf die Weinqualität. Aber ebenso zählen zu den Terroir Aspekten die Fähigkeiten des Winzers oder die Auswahl der Rebsorten.“, erklärt Schneider.

Ehrwürdig
Am Ende gab es eine weitere Bildpräsentation, allerdings etwas anders als die vorherigen. Diesmal war es kein Doerfler – in goldenem Rahmen wurde ein Portrait von Fürst Chlodwig zu Hohenlohe auf die Staffelei gestellt. Michael Trzybinski betont, dass Fürst Chlodwig, welcher von 1894 bis 1900 Reichskanzler war, einen großen Dienst für die Stadt Schillingsfürst geleistet hat: „Als Bürgermeister werde ich oft gefragt, wie es eigentlich kommt, dass eine kleine Ortschaft wie Schillingsfürst, mit damals etwa 2100 Einwohnern, zur Stadt erhoben wurde. Nun, ich bin mir sicher, dass wir das unserem damaligen Reichskanzler zu verdanken haben. Dazu stehen wir auch. Letztendlich steht und fällt unsere Geschichte auch mit der Geschichte der Fürstenfamilie.“ Anlässlich dieser Tatsache hat man den letzten Wein extra aus Elsass-Lothringen importiert – dem Ort wo Chlodwig gelebt hat. Die Abschlussrede des Bürgermeisters ließ außerdem darauf deuten, dass dieser Abend nicht der Letzte zum Thema „Kunst, Wein und Terroir“ war. Insofern es allgemein gewünscht wird, stehen die Chancen gut, dass der Kultur- und Genussabend womöglich sogar zur Tradition wird….

Bürgermeister Michael Trzybinski und Museumsleiterin Hai Yan Waldmann-Wang präsentieren ein Bild von Doerfler

Foto und Text Amos Krilles

 

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