Judengasse 10 ist nun im Besitz von Kulturerbe Bayern

Rothenburg (ak). Seit Ende Januar ist das historische Gebäude Judengasse 10 offiziell im Besitz der bürgerlichen Stiftung Kulturerbe Bayern. 75000 Euro an Spendengeldern kamen zusammen, um das spätmittelalterliche Wohnhaus vom Verein Alt Rothenburg zu erwerben. Ziel ist es nun, das Gebäude denkmalgerecht herzurichten. Man hofft dabei, dass sogar heuer noch mit den Bauarbeiten begonnen werden kann.

Im Beisein von Rothenburgs Oberbürgermeister Walter Hartl und dem Landtagsabgeordneten Andreas Schalk wurde der Kaufvertrag unterzeichnet. Foto: Kulturerbe Bayern

Am 25. Januar wurde der Kaufvertrag offiziell unterzeichnet. Im Rahmen des anschließenden Pressetermins direkt vor Ort in der Judengasse erläuterte Dr. Andreas Hänel, Mitglied im Vorstand der Stiftung Kulturerbe Bayern und Projektleiter für die Rettung des Schützlings, die weiteren Pläne in Bezug auf das Projekt: Letztendlich soll das Haus „wieder zu einem lebendigen Ort in der Altstadt Rothenburgs werden.“ – nicht nur im Sinne einer Nutzung als Museum, sondern tatsächlich auch als Wohnraum. Bis dahin muss aber noch einiges getan werden. Aktuell werden noch archäologische Untersuchungen und Bauvorbereitungsarbeiten durchgeführt. Sobald diese abgeschlossen sind, wird die denkmalgerechte Instandsetzung vorbereitet. „Den Baubeginn planen wir abhängig vom Spendeneingang frühestmöglich im Laufe des Jahres 2019“, so Hänel. Daher benötige man die Hilfe der „Menschen in Bayern“, nur so könne das Haus wieder zum Schmuckstück werden.

Freiwillige Helfer helfen bei den archäologischen Arbeiten, diese sind bereits in vollem Gange.

Die Instandsetzung erfolgt mit erfahrenen Partnern aus der Region. Volunteers helfen mit, indem sie ihre Zeit und Kompetenzen in das Projekt unentgeltlich einbringen, wie zum Beispiel bei den archäologischen Untersuchungen in Zusammenarbeit mit dem Verein Alt-Rothenburg. Architekt Eduard Knoll koordiniert als Vertreter von Kulturerbe Bayern ehrenamtlich die Arbeiten vor Ort. Unternehmer aus der Region sind und waren bereits für das Projekt aktiv: Andreas Konopatzki und Klaus-Jürgen Edelhäuser vom gleichnamigen Architekturbüro sowie das Roßtaler Ingenieurbüro Christofori und Partner haben bei den bauvorbereitenden Maßnahmen ihre persönliche Zeit ehrenamtlich eingebracht. So entstand beispielsweise ein genaues digitales Aufmaß des Hauses als unverzichtbare Grundlage für die Instandsetzung.

Unerwartet alt

Die Mikwe im Gewölbekeller
des Gebäudes zählt zu den ältesten in Deutschland.

Im Zuge der bereits erfolgten Arbeiten und Untersuchungen wurde von Experten nachgewiesen, dass die Eichen- und Fichtenhölzer, welche für die Bohlenstube verwendet wurden, aus der Umgebung von Rothenburg stammen und 1409/1410 geschlagen wurden –somit ist der Raum wohl sogar älter, als bisher angenommen. „Die Stube entstand also bereits zur Erbauungszeit des Hauses. Sie dürfte zu den ältesten erhaltenen ihrer Art in Bayern gehören – genau wie das jüdische Ritualbad im Gewölbekeller“, so Dr. Johannes Haslauer, Historiker und Vorsitzender des Vereins Kulturerbe Bayern. Besagtes Ritualbad (Mikwe) ist das einzige bislang in der Stadt entdeckte und zählt zu den ältesten in ganz Deutschland. Bohlenstuben – von kräftigen Holzbalken ummantelt – waren oft der einzige beheizte Raum und damit die gute Stube eines Hauses. „Das soll die Bohlenstube in der Judengasse 10 auch künftig wieder werden und Raum für vielerlei Begegnungen bieten.“

Hoch gelobt

Dr. Andreas Hänel (rechts) im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Fotos: Amos Krilles

Neben den Vertretern der Stiftung waren auch am Bau Beteiligte und einige interessierte Gäste anwesend. Auch wenn die Stiftung nun der Eigentümer ist, so wird die Instandsetzung dennoch in enger Zusammenarbeit mit dem Verein Alt Rothenburg erfolgen. Dabei setzt man auf die Zusammenarbeit mit „erfahrenen Partnern aus der Region.“ Dr. Markus Naser, Vorsitzender des Vereins Alt Rothenburg, brachte seine Zufriedenheit zum Ausdruck: „Dass wir die Judengasse 10 in die Obhut von Kulturerbe Bayern geben können, macht uns froh und glücklich. Damit hat die Judengasse 10 eine gute Perspektive, wieder zu einem echten Schmuckstück zu werden.“ Auch Oberbürgermeister Walter Hartl brachte in einem Grußwort seine Freude über das Vorhaben zum Ausdruck und bedankte sich bei den Beteiligten. Landtagsabgeordneter Andreas Schalk schloss sich den positiven Worten an und erklärte das Objekt sogar zu einem „absoluten Schmuckstück für die Region.“

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