Aktuelle Stellenanzeigen:

Jetzt wachsen wieder Weinstöcke im Naturraum Ketterberg

Stadt, Naturschutzgruppe und Weingärtner starten Projekt mit Pflanzung der Sorte „Souvignier Gris“

Bad Mergentheim. Nach Abschluss der Rodungs-Arbeiten ist der neue Weinberg am Bad Mergentheimer Ketterberg gepflanzt worden. Hier wachsen nun knapp 1.500 Rebstöcke der Sorte „Souvignier Gris“. Stadtbaudirektor Bernd Straub und Landschaftsplanerin Eva Müller von der Stadt, Josef Gulde, Klaus Neeser und Elmar Patermann von der Naturschutzgruppe Taubergrund sowie Michael Schmitt, Vorsitzender der Markelsheimer Weingärtner, starteten die Bepflanzung. Dass damit die einstigen Weinberge des Deutschen Ordens an diesem Standort wieder aufleben, hat zwar eine historische Dimension – gearbeitet wurde aber mit der modernsten Technik. Nach einer GPS-gesteuerten Einmessung war der neue Weinberg vom beauftragten Lohnunternehmen Erich Hoppert in weniger als zwei Stunden angelegt. Michael Schmitt lobte die „sehr gute Bodenvorbereitung“, die Robert Michel vom städtischen Tiefbauamt in den zurückliegenden Wochen organisiert habe. Überhaupt sieht der WG-Vorsitzende den Bad Mergentheimer Ketterberg als „Spitzenlage“. Schon nächstes Jahr sollen hier die ersten Trauben wachsen und in wenigen Jahren sind bis zu 4.000 Flaschen Wein als jährlicher Ertrag angepeilt. Gepachtet hat die Stadt das Grundstück von der Naturschutzgruppe Taubergrund. Deren Vorsitzender Josef Gulde sagte beim Ortstermin, das Vorhaben sei zwar intern zunächst nicht unumstritten gewesen, da es einen starken Eingriff in ein Trockenbiotop darstelle. Aber: „Das ist eine spannende Sache. Wir haben hier die Chance auf ein ökologisches Vorzeigeprojekt, die Untere Naturschutzbehörde ist mit im Boot und mit Eva Müller vom Bauamt hat eine Fachfrau ein Auge auf die umweltgerechte Entwicklung.“ Die ausgewählte Rebsorte „Souvignier Gris“ unterstützt die nachhaltige Ausrichtung. Denn es handelt es sich um einen sehr pilzwiderstandsfähigen Weißwein, der entsprechend wenig Pflanzenschutz-Eingriffe benötigt.  Stadtbaudirektor Bernd Straub unterstrich noch einmal, dass die Anlage als „blühender Weinberg“ in Kombination mit Trocken- und Magerrasen, Lesesteinriegeln, Selbstbegrünung, Blühstreifen, Trockenmauern und Gehölzen ein Leuchtturm-Projekt für Biodiversität und Artenvielfalt werden soll. „Es ist der Stadt sehr wichtig, den gesamten Naturraum Ketterberg instand zu setzen. Deshalb werden wir auch die 2021 begonnene Sanierung von Trockenmauern in diesem Sommer und in den folgenden Jahren Stück für Stück fortsetzen“, so Bernd Straub. Auch für die weitere Gestaltung und Aufwertung der neuen Anlage gibt es bereits viele Ideen. Die Stadt plant mittelfristig die Einbindung in die umliegenden Spazier- und Wanderwege. Außerdem soll der obere Wall mit einer Natursteinmauer begrenzt und eine Sitzgelegenheit geschaffen werden. Die Naturschutzgruppe möchte in den Randbereichen Trüffelkulturen unter entsprechenden Wirtsbäumen – etwa der Haselnuss – anlegen. Dadurch könne ein weiteres Vorzeigeprojekt entstehen, das sich nicht nur im Jahr der Landesgartenschau auch sehr gut für geführte Exkursionen eigne. Oberbürgermeister Udo Glatthaar bedankt sich bei allen Beteiligten für die Unterstützung des Weinberg-Projekts: „In exponierter Lage tut sich was am Ketterberg – das war in den vergangenen Wochen von der Stadt aus gut zu sehen und häufiges Gesprächsthema. Der Ketterberg, der so fantastische Ausblicke auf Bad Mergentheim und das Taubertal eröffnet, ist zurecht eine der so genannten ‚Daueranlagen‘ unserer Landesgartenschau-Konzeption.“ Dass das Projekt mitunter auch ein wenig belächelt wurde, sei ihm durchaus bewusst, sagt der OB. „Neben der großen baulichen Entwicklung von Stadtquartieren, Straßen und Plätzen braucht jede Landesgartenschau auch solche landschaftlich-ökologischen Initiativen. Und da wird dieses Projekt langfristig einen einzigartigen Charme entwickeln, da es die Historie des Deutschen Ordens mit dem Bekenntnis zu Biodiversität und Naturschutz sowie der Weinkultur erlebbar zusammenbringt – und das alles an einem faszinierenden Aussichtspunkt.“ stv

 

BILDUNTERZEILE „Weinberg1“: Erich Hoppert (Mitte) und sein Team starteten die Bepflanzung des Ketterberg-Weinbergs mit (v.l.) Bernd Straub und Eva Müller (Stadtbauamt), Michael Schmitt (Weingärtner) sowie Josef Gulde, Klaus Neeser und Elmar Patermann (Naturschutzgruppe).  (Bild: Stadt Bad Mergentheim)

Related Posts

1,3 Millionen Euro für das Sanierungsgebiet Altstadt/ Stadtgarten
Gesamtes Landratsamt am 22. Juni geschlossen
Sonderthema „Verkaufsoffener Sonntag in Bad Mergentheim“