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Franziskanerinnen von Sießen: Stadtkloster „Maria Hilf“ soll offenes Haus für jeden sein

Von Anja Öttl

BAD MERGENTHEIM. Nebenan, Lärm von der Baustelle des Pflegeheims Carolinum. Schließt sich die Tür des Stadtklosters „Maria Hilf“ in Bad Mergentheim hinter dem Besucher, bleibt der Baulärm draußen. Drinnen ist es angenehm kühl. Und still. Schwester Kathrin ist zur Begrüßung gekommen und führt den Besuch in den Innenhof, eine kleine grüne Oase inmitten der Klosteranlage. Vergangenes Jahr im Dezember wurde die Einweihung und Eröffnung des neugestalteten Stadtklosters „Maria Hilf“ in Bad Mergentheim gefeiert. Das Bistum Rottenburg-Stuttgart als Bauherr und das Architekturbüro „bauwerk4“ aus Bad Mergentheim schufen in einer umfassenden Renovierungsund Umbaumaßnahme im ehemaligen Kapuzinerkloster Räume für das Geistliche Zentrum und den Konvent der Franziskanerinnen von Sießen.

Stadtkloster „Maria Hilf“ in Bad Mergentheim. Foto: A. Öttl

Schon seit 140 Jahren leben Schwestern hier in Bad Mergentheim, zuerst in der Schule Sankt Bernhard, nun in einem Konvent mitten unter den Leuten. Sankt Bernhard, früher ein Institut mit vielen Bildungsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen besteht heute aus einer einzügigen Grundschule und einer dreizügigen Realschule. Drei der Schwestern arbeiten in dieser Einrichtung. Darüber hinaus arbeiten sie in der Pastoral der Seelsorgeeinheit Bad Mergentheim als Gemeindereferentin sowie Kur- und Rehaklinik-Seelsorgerin. Das „Geistliche Zentrum“ war eine Vision von
Schwester Daniela, die den Konvent im Juni dieses Jahres verlassen hat. Nachfolgerin wird Schwester M. Birgit Reutemann nach 15-jähriger Tätigkeit als Schulleiterin von Sankt Gertrudis in Ellwangen. Im Februar 2021 wird Schwester Birgit Reutemann die Leitung des Bad Mergentheimer Stadtklosters übernehmen. Ihr obliegt dann nicht nur die Vernetzungsarbeit, sie wird auch weitere Seminare für das Kloster ausarbeiten und konkret Öffentlichkeitsarbeit betreiben, so Schwester Kathrin im Gespräch.
Im Klosterinnenhof zwischen Lavendel und Frauenmantel, erzählt Schwester Kathrin, dass coronabedingt gerade alles anders läuft. Eigentlich sollten die Türen des Geistlichen Zentrums offenstehen, für alle die Suchen oder Zweifeln und diejenigen, die sich schon geborgen in der Kirche fühlen. Es plätschert ein Brunnen. Ein Rabe nähert sich dem kühlen Nass und trinkt daraus. „Ein regelmäßiger Gast“, verrät Schwester Kathrin. Der Tierfreund, der Hl. Franziskus, hätte seine Freude daran. Bevor sie nach Bad Mergentheim kam, war Schwester Kathrin drei Jahre in Assisi. Dort ist ein weiterer Konvent des Klosters. Nicht ungewöhnlich sei es für eine Schwester nie lange an einem Ort zu verweilen, erklärt die Schwester.
Die Franziskanerinnen wurden von Corona scharf ausgebremst: „Das geistliche Zentrum in Bad Mergentheim soll ein Ort für Menschen sein, die auf der Suche sind, es soll ein offenes Haus für jeden sein,“ so Schwester Kathrin. Die Offenheit nach Außen musste nun eingeschränkt werden. Wieder geöffnet ist die Klosterkirche. Immer zwei Mal in der Woche, dienstags und donnerstags ab 17.30 Uhr ist Anbetung und anschließend das Abendgebet in der Kirche, die sogenannte Vesper. Aufgrund der CoronaPandemie sind Besucher aber gebeten, in den hinteren Bänken Platz zu nehmen.

Der Kreuzgang stellt den Sonnengesang des Hl. Franziskus dar. Foto: A. Öttl

 

Schwester Daniela wollte schon früh dieses Geistliche Zentrum, am liebsten zusammen mit den noch dort ansässigen Kapuzinern, so Schwester Kathrin. Doch schnell war diese Idee wieder zerschlagen worden, es mangelte an genügend jungen Brüdern, um dieses Projekt zu stemmen. Nach 400 Jahren zogen sich die Kapuziner in Bad Mergentheim 2015 gänzlich zurück. Zusammen mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart starteten die Franziskanerinnen noch einmal neu durch.
Die Diözese unterstütze das Vorhaben der Franziskanerinnen und verwandelte das ehemalige Mergentheimer Kapuzinerkloster in ein neues Geistliches Zentrum und das Stadtkloster „Maria Hilf”. Endlich konnten die Franziskanerinnen von Sießen 2019 in das neue Stadtkloster mit Geistlichem Zentrum einziehen.
Aufgrund von Corona können die Schwestern nur im kleinen Rahmen wieder Veranstaltungen anbieten. Viele der nun folgenden Angebote mussten erst einmal ausgesetzt werden.
» Kontemplation Den Meditationsraum nutzt eine Kontemplationsgruppe für Meditations- und Stilleeinheiten. » Feierabend-Gebet Das Feierabend-Gebet findet einmal im Monat, freitags, im Mediationsraum in der Klosterkirche statt (Eingang links vom Marienaltar). Das Gebet ist eine andere Form von Andacht mit Liedern und religiösen Impulsen. Leider findet es momentan aufgrund von Corona nicht mehr statt. Evtl. startet es im September wieder. Auch Exerzitien finden momentan aufgrund von Corona nicht statt. » „Kloster auf Zeit“ Vier Gästezimmer entstanden unter anderem neu für Menschen, die mit den aktuell sechs Schwestern „Kloster auf Zeit“ erleben wollen. Inmitten einer laut gewordenen und hektischen Welt wünschen sich viele Menschen eine Auszeit. In klösterlicher Atmosphäre können Sie zur Ruhe kommen, neue Kräfte sammeln, Gott erfahren.
Auch Obdachlose können nachts Zuflucht finden in einer eigens eingerichteten Not-Unterkunft. » Kreativwerkstatt Einen Werk- und Kreativraum gibt es zudem auch noch. Der kann von unterschiedlichen Gruppen genutzt werden. » „Klostergespräche“ Für die Zukunft wünschen sich die Schwestern auch Gruppendiskussionen und Gespräche. An diesen Abenden werden „Klostergespräche“ zu bestimmten
religiösen Themen und eine Andacht stattfinden. Für die Adventszeit plant die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) einen Vortrag zum Thema „Tod und Vergänglichkeit“. » Kirchliche Feste feiern Geplant sind außerdem sogenannte Vigilfeiern, zum Beispiel ein nächtlicher Wortgottesdienst am Vorabend des Pfingstfestes.
Wieder draußen auf der Straße. Der gleiche Baulärm. Ein letzter Blick zurück. Der Abschied tut weh. Aber er ist nicht für immer. Wenn man Stille und eine Auszeit sucht, dann ist die Tür des Stadtklosters weit offen. Wenn nicht jetzt. Dann bestimmt nach Corona.
Nähere Infos zum Kloster www.klostersiessen.de und zu den unterschiedlichen Angeboten des Stadtklosters gibt es im Pfarrbrief der Katholischen Kirchengemeinde Sankt Johannes Baptist von Bad Mergentheim.

 

Foto (Schwestern): Sr. Anna-Barbara Regnat