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Flechtwerke aus Kristall

„Anton Friedrich – Glasschleifermeister

WERTHEIM (PM). In einer kleinen Kabinettausstellung zeigt das Glasmuseum Wertheim elf Glasnetzbecher des Glasschleifermeisters Anton Friedrich (geboren 1942) aus Elz/Limburg. Es sind geschliffene Meisterwerke von einzigartiger Handwerkskunst. Anton Friedrich, der an der Glasfachschule in Hadamar seine Ausbildung zum Glasschleifer und später zum Glasschleifermeister (1987) machte, stellte bis 2002 für verschiedene Firmen in seiner Werkstatt Trinkgläser aus mundgeblasenem und handgeschliffenem Bleikristall her. Die Begeisterung für geschliffene Glasnetzbecher begann 1999, als er die geschliffenen Diatretgläser von Josef Welzel (1927 – 2014, Fachlehrer für Gravur/Hadamar) in dessen Werkstatt sah. Welzel stellte Repliken antiker Luxusgläser her, unter anderem für das Glasmuseum Wertheim. Erst 16 Jahre später erfüllte sich Anton Friedrich seinen Traum – nämlich mit Leidenschaft Diatretgläser in unterschiedlichen Formen, Größen und Netzdekoren zu schleifen. Seine Glasnetzbecher fertigt er nach eigenen Vorstellungen und Ideen, nicht nach den römischen Vorbildern. In monatelanger Arbeit schleift er aus circa 5 kg schweren mundgeblasenen Rohlingen zerbrechliche Netzgläser von höchster Kunstfertigkeit. Glasnetzbecher oder „Diatreta“ (von griechisch diatretos „durchbrochen, durchbohrt“) sind römische Luxusgläser aus dem 1. bis 4. Jahrhundert. Bis heute sind etwa 50 Diatretgläser bekannt (viele nur noch als Scherben). Sie befinden sich unter anderem im Römisch-Germanischen Museum in Köln, im Rheinischen Landesmuseum in Trier, im Britischen Museum in London und im Corning Museum of Glass in den USA. Seit der Auffindung des ersten Diatretglases im 17. Jahrhundert in Italien (seit 1935 befindet es sich in Mailand) rätseln die Wissenschaftler über die Herstellungsweise dieser zerbrechlichen Luxusgläser. Das Glasmuseum Wertheim nimmt daher die Ausstellung mit Anton Friedrichs 11 „Flechtwerken aus Kristall“ zum Anlass, auf die bis heute kontrovers diskutierte Herstellungsweise und Funktion (Trinkgefäß oder Lampe) aufmerksam zu machen: Sind die Diatretgläser aus einem dickwandigen geblasenen Rohling geschliffen („Schleiftheorie“)? Diese Ansicht vertrat Josef Welzel, der für das Glasmuseum Wertheim in den 1980er Jahren eine Nachbildung des Köln-Braunsfelder Diatretglases schuf. Oder wurde ein zweischaliger Rohling durch Pressen der heißen Glasmasse in einen perforierten Zwischenbecher aus Gips hergestellt und anschließend geschliffen („Presstheorie“)?  Diese von der Glaskünstlerin Rosemarie Lierke aus Schwalbach in den 1990er Jahren aufgestellte Theorie wird inzwischen vom Britischen Museum in London nicht mehr verschwiegen, sondern zitiert. Anton Friedrich ist sich sicher, dass solche feingliedrigen Netzgläser mit den damals zur Verfügung stehenden Schleifwerkzeugen nicht gefertigt werden konnten – mit den heutigen Diamantwerkzeugen jedoch schon! Davon zeugen seine von höchster Kunstfertigkeit geschliffenen „Flechtwerke aus Kristall“.

 

Eröffnung der Ausstellung:

Sonntag, 27. Oktober 2019, 14 Uhr, im GLASMUSEUM WERTHEIM

Öffnungszeiten:

Di – Fr: 10 – 17 Uhr, Sa/So/Fei: 13 – 18 Uhr, Glasbläser 14 – 16 Uhr (bitte anfragen)

  1. + 31.12. geschlossen

 

Diatretglas/Vasenobjekt von Anton Friedrich. Foto: Anton Friedrich