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Entschädigungsfonds unterstützt Rettung der Judengasse 10

Staatsminister Sibler: „Ein herausragendes Dokument spätmittelalterlichen jüdischen Lebens in Mittelfranken“

Rothenburg (pm/ak). Die Sanierung des geschichtsträchtigen Hauses Judengasse 10 geht voran. Nun gibt es weitere Unterstützung. Wie Kunstminister Bernd Sibler bekannt gab, wird der Freistaat Bayern bei der Sanierung des Bürgerhauses mit 725.000 Euro aus dem Entschädigungsfonds mithelfen.

„Im ersten Schritt werden wir das Dach sanieren. Wenn die Witterung mitspielt, möchten wir die Arbeiten am Dach noch vor dem Winter abschließen“, erklärt Dr. Andreas Hänel, zweiter stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Kulturerbe Bayern. Ein weiteres Teilprojekt konzentriert sich auf die Behebung konstruktiver Schäden des Gebäudes. Danach folgt die Sanierung der Fassade sowie als letzter Bauabschnitt der Innenausbau. „Alles in allem rechnen wir mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren“, schätzt Dr. Andreas Hänel.

Die Verantwortlichen bei Kulturerbe Bayern freuen sich über diese Entscheidung des Ministers: „Wir danken Staatsminister Sibler sowie dem Freistaat Bayern und den Kommunen, die den Entschädigungsfonds gemeinsam verwalten, sehr für dieses eindrucksvolle und ermutigende Zeichen“, so Dr. Johannes Haslauer. Der Historiker ist Vorsitzender des Vereins Kulturerbe Bayern und zugleich Stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsvorstands. „Es zeigt die große Bedeutung, die die Judengasse 10 als historisches Zeugnis weit über die Grenzen Rothenburgs ausstrahlt. Und zugleich beweist der Staatsminister damit sein großes Vertrauen in Kulturerbe Bayern und in das Selbstverständnis der Initiative, als bürgerschaftlicher ‚National Trust‘ in Bayern historische Gebäude und Kulturlandschaftsteile gemeinschaftlich zu bewahren und für breite Kreise erlebbar zu machen“. Nicht zuletzt, so Haslauer, sei dies auch ein starkes Signal, dass der Freistaat das zukunftsträchtige Modell, das kulturelle Erbe auf gemeinschaftlichem Fundament zu erhalten und fruchtbar zu machen, auch unter schwierigen finanziellen Bedingungen ernst nehme.

„Historische Kostbarkeit“ soll gesichert werden

„Wir danken Staatsminister Sibler sowie dem Freistaat Bayern und den Kommunen, die den Entschädigungsfonds gemeinsam verwalten, sehr für dieses eindrucksvolle und ermutigende Zeichen“, so Dr. Johannes Haslauer. Der Historiker ist Vorsitzender des Vereins Kulturerbe Bayern und zugleich Stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsvorstands. Fotos: Kutlurerbe Bayern e.V.

Staatsminister Sibler hatte seine Entscheidung damit begründet, dass es sich bei der Judengasse 10 um „ein herausragendes Dokument spätmittelalterlichen jüdischen Lebens in Mittelfranken“ handle. „Die darin noch erhaltene Mikwe ist eines der ältesten datierbaren Beispiele eines jüdischen Ritualbads in Deutschland. Ich freue mich sehr, dass wir mit Mitteln aus dem Entschädigungsfonds dazu beitragen können, diese historische Kostbarkeit für die Nachwelt zu sichern“, betonte Sibler. Über diese Entscheidung freut sich auch  Dr. Ludwig Spaenle, Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe: „Die Sanierung des Bürgerhauses Judengasse 10 mit der darin erhaltenen Mikwe ermöglicht es, jüdisches Leben des spätmittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber wieder sichtbar werden zu lassen. Ich konnte mich jüngst selbst bei einem Besuch in dem ehemaligen Handwerkerviertel der Stadt von der großen Bedeutung dieses Baudenkmals mit dem rituellen Tauchbad überzeugen. Die vom Entschädigungsfonds zugesicherten Mittel von 725.000 Euro sind sehr gut angelegt.“

Gebäudepate werden

Rund 1,5 Millionen Euro wird die Instandsetzung kosten. Auch mit der großzügigen Unterstützung durch öffentliche Fördergelder bleiben für die Verwirklichung private Spenden wichtig. Bis heute zählt die Judengasse 10 schon 23 Gebäudepaten, die ihre Spende mit der Sorge für ein konkretes Bauteil verbunden haben. Wer diesem Beispiel folgen will: Unter www.pate-werden.jetzt erfahren Interessierte, für welche Gebäudeteile Patenschaften vergeben werden. Über weitere Möglichkeiten, das Projekt und die Initiative zu unterstützen, informiert Kulturerbe Bayern auf seiner Website (www.kulturerbebayern.de).

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