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Das Erbe des Krieges – Soldatendasein im Visier!

MARKTBERGEL. Während der grausame Alltag des Krieges in vielen Ländern heutzutage traurige Realität ist, kann man sich in Deutschland relativ glücklich schätzen. Unsere Vorstellung von Krieg wird in erster Linie von den Nachrichten, Filmen oder Erzählungen geprägt. Aber das war nicht immer so. Noch vor etwa 30 Jahren – während des Kalten Krieges – war die militärische Präsenz in Deutschland überall spürbar. Panzermanöver sowie, im Tiefflug über das Land rauschende, Düsenjäger waren nichts Besonderes. Manch einer mag sich sicherlich noch erinnern – aber umso mehr Zeit vergeht, desto stärker gerät Geschichte in Vergessenheit.

Der Verein für militärische Heimatgeschichte Frankenhöhe e.V. hat sich genau das zum Ziel gesetzt: Man engagiert sich dafür, die militärische Vergangenheit Deutschlands, am Leben zu erhalten. Nicht im Sinne von trockener Theorie, sondern in Form von echten Zeitzeugen – viel weniger aus Haut und Blut, als aus kaltem Stahl. Wie eine Insel in fremdem Gewässer – so liegt das Gelände der ehemaligen „Lufthauptmunitionsanstalt Oberdachstetten“ (Kurz: Muna) im Wald, umgeben vom Sperrgebiet der US-Army. Man folgt einer kleinen befestigten Straße in den Wald, viele Kurven, links und rechts Bäume. Plötzlich geht es nach rechts weg. Die Straße mündet in einen Schotterweg, welcher kurz darauf von einem massiven Eisentor versperrt wird. Dieses ist offensichtlich der Eingang zum Muna Museum – was sich dort wohl verbirgt? Einfach mal nachsehen, wird nicht so einfach sein. Ein hoher Zaun, gesäumt mit Stacheldraht, macht ein unbefugtes Eindringen nicht gerade leicht… Zum Glück hat Friedrich Wittmann, 1. Vorstand und Stabsfeldwebel a.D., den passenden Schlüssel dabei… Das nach außen hin unscheinbar wirkende Areal, soll sich als wahre Überraschung entpuppen. Auf über 3600 Quadratmetern Museumsinnenfläche finden Besucher jede Menge Sammlungen zum Thema Militärgeschichte in der Region: Waffen, Uniformen, Kommunikations- und Funktechnik, Sanitätsgegenstände und vieles Mehr… Im Außenbereich sind Panzer, Hubschrauber, Meterhohe Flugabwehrraketen und andere Militärfahrzeuge ausgestellt. Das Besondere: Alles Originalteile – natürlich entmilitarisiert, sprich für den Einsatz unbrauchbar.

Geschichtsträchtig

Was heute als Museum fungiert, war einst die größte Luftwaffen-Munitionsfabrik in Süddeutschland, zur Zeit des dritten Reichs. „Die Muna war während des kompletten 2. Weltkrieges in Betrieb, bis zum 17. April 1945, als die Amerikaner einmarschierten. Damals fanden sie allein hier in der Muna 200.000 Tonnen Munition.“, berichtet Wittmann. Während der Hochphase arbeiteten bis zu 3000 Menschen in der Produktionsstätte. Täglich verließ ein Güterzug voll Munition den Bahnhof. Um diese unglaubliche Menge herzustellen, wurden Männer und Frauen aller Altersgruppen – nicht immer freiwillig – beschäftigt, Zivilisten, Zwangsarbeiter oder Soldaten. Nach der Niederlage Deutschlands fiel die Anlage in amerikanische Hände und wurde fortan von der US-Army genutzt. Zeitzeugen berichten, dass Adolf Eichmann, einer der Hauptverantwortlichen bezüglich der Durchführung des Holocausts, nach Ende des Krieges dort gefangen gehalten wurde. Allerdings konnte er über die sogenannte Rattenlinie nach Argentinien entkommen… „Man sagt, dass die Zyankali- Kapsel von Eichmann nach wie vor auf dem Munagelände ist, Erzählungen zufolge hat er diese in das einzige auf dem Gelände vorhandene Plumpsklo geworfen…“, so Wittmann, „bis jetzt hat man sie aber noch nicht gefunden…“. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass die geschichtsträchtige Stätte heute noch in der Form existiert und zudem gleichzeitig als Museum dient.

vereint an die Arbeit…

Ohne die Arbeit des Vereins für militärische Heimatgeschichte Frankenhöhe e.V., beziehungsweise das unglaubliche Engagement der Mitglieder, wäre die Anlage heute wohl kaum für Besucher zugänglich. Eine Handvoll Menschen investierten jede Menge Zeit und Geld, um die Muna zu dem zu machen, was man heute zu sehen bekommt. Dem Stand vom 23. März 2017 zufolge, beläuft sich die bis dahin geleistete Arbeitszeit auf exakte 28.665,5 Stunden. Wittmann beschreibt, wie im Endeffekt sechs, sieben Menschen – die Kernmitglieder des Vereins – seit über einem Jahrzehnt ihre Freizeit und Geld für das Projekt aufopfern. Alles begann damit, dass er und einige Bekannte im Jahr 2001 den Verein gründeten, mit der Absicht, die militärische Heimatgeschichte im Bereich Frankenhöhe für die Nachwelt zu erhalten.

 

Das Museum entsteht

Jeder der damals sieben Mitglieder verfügte bereits über private Sammlungen – allerdings nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. „Der Verein wurde im Frühjahr gegründet und im Herbst haben wir beschlossen, unsere Arbeit öffentlich, im Rahmen einer Ausstellung vorzustellen“, beschreibt der Feldwebel außer Dienst die Anfänge des Museums. Man bekam dann von der Bundeswehr die Erlaubnis, das Gebäude für die Dauer der Ausstellung – für zwei Tage – zu nutzen. Der Andrang war allerdings unerwartet hoch. 400 Besucher kamen innerhalb eines Tages. „Diese Überraschung hat uns angespornt, zu sagen, wir müssen weitermachen. Es gelang uns dann mithilfe von Bundeswehrangehörigen und dem jetzigen Landwirtschaftsminister Schmidt, das Gebäude für 25 Jahre zu pachten.“ Wie anhand dieses Beispiels gut zu sehen ist, spielen gute Beziehungen eine entscheidende Rolle, was die Museumsarbeit betrifft – gerade, wenn es um neue Exponate geht. Viele der ausgestellten Objekte wären ohne entsprechende Beziehungen gar nicht im Besitz des Vereins. Insbesondere das ausgestellte Militär-Equipment der US-Army ist keine Selbstverständlichkeit: „Normalerweise geben die Amerikaner kein Material an Privatvereine heraus. Wir sind der einzige Privatverein in Europa, bei dem es anders ist.“

„ungeschminkt!“

Doch nicht überall stoßen die Inhalte der Ausstellung auf Begeisterung. Die unverblümte Darstellung der deutschen Geschichte – insbesondere der NS-Zeit – rief in der Vergangenheit auch den ein oder anderen Gegner auf den Plan. Aufgrund von ausgestellten Nazi Symbolen oder beispielsweise einer Hitler Büste, kam es bereits zu einer Anzeige. Infolgedessen wurde auch der Staatschutz aktiv. Verdeckte Ermittler besuchten das Museum, mit der Konsequenz, dass sie ihr Fazit im Gästebuch festhielten: „Heimat- und Staatsgeschichte ungeschminkt dargestellt. Danke!“. Dieses Resümee fasst perfekt zusammen, was eigentlich auch das Anliegen des Vorstands ist. Wittmann erzählt, wie er ursprünglich Zimmermann gelernt hat, sich aber schon immer fürs Militär interessierte und auch begeistern konnte. Irgendwann machte er dann sein Hobby zum Beruf und war 33,5 Jahre bei der Bundeswehr. „Meine Motivation ist, den Menschen zu zeigen, wie es beim Militär wirklich war und ist. Auch die unschönen Sachen. Man darf das nicht untergehen lassen. Leute kommen oft und stellen sich das Soldatendasein als Zuckerschlecken vor – genau das ist es aber nicht.“

Die Ausstellung ist nicht nur ein attraktives Ausflugsziel für Geschichtsinteressierte oder Militärfans, sondern auch für Familien. Die packende Atmosphäre der begehbaren Kulissen sowie die Möglichkeit, selbst in einem Panzer zu sitzen, ist auch für Kinder eine spannende Angelegenheit.

 

Amos Krilles

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