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Bild eines fränkischen Hobbymalers landet im US-Museum

UNTERAMPFRACH (hm) – Für viele Hobbymaler ist ihre Tätigkeit oft nur eine persönliche Leidenschaft. Ohne kommerzielle Hintergedanken kann man dabei zur Ruhe kommen und seiner Kreativität freien Lauf lassen. Trotzdem hat es jetzt das Exponat eines Hobbykünstlers aus Unterampfrach bis in ein Auswanderer-Museum in den US-Bundesstatt Iowa geschafft.

 

Der aus der Region Mannheim stammende Hans-Peter Scheurer (75) frönt der Hobbymalerei schon seit seiner Kindheit, wie er sagt. Vorwiegend Aquarelle oder Bilder in Ölfarben entspringen seinem Pinsel, wobei er sich in erster Linie Motiven aus seiner Wahlheimat Unterampfrach oder aus der näheren Umgebung widmet. Vor allem das örtliche Gotteshaus, die St.-Sebastian/St.-Veits-Kirche wurde schon oft zum Objekt seiner Begierde.

Eine Außenansicht des Lakota-Museums.           

Weil der heutige rührige Rentner seit Jahren aber auch Kontakte in die Vereinigten Staaten pflegt, kam es jetzt zu einer kuriosen Begebenheit. Um diesen Sachverhalt näher zu erläutern, muss man bis ins Ende des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Damals sind einige Unterampfracher vor dem Hintergrund einer unbefriedigenden Wirtschaftslage in Deutschland nach Amerika ausgewandert, in der Hoffnung, dort ein erträglicheres Leben zu finden.

Dort angekommen, wurden diese in einem Ort im Bundesstaat Iowa sesshaft, welchen sie kurzer Hand „Germania“ tauften; in Anspielung an ihre Herkunft aus Deutschland. Die Stadt wurde allerdings im Ersten Weltkrieg in „Lakota“ umbenannt. Die „Lakota“ waren ein Unterstamm der dortigen Sioux-Indianer mit dem berühmten Häuptling „Sitting Bull“. Natürlich gab es dort auch eine Schule, die „St.-Josephs-Indian-High-Scool“.

Phyllis Ose (links im Bild), Brikken Jensen und Char Spencer (ganz rechts) zeigen das Bild des fränkischen Hobbymalers vor der Aufnahme ins Museum.

 

Diese war schon Jahrzehnte später aus nicht näher bekannten Gründen wieder geschlossen worden. Im Jahr 1968 wurden auf deren ehemaligem Gelände Räumlichkeiten für eine Metzgerei und einen Gemischtwarenhandel verwirklicht. Weil im Laufe der Jahre aber der Wunsch nach einem eigenen Einwanderungs-Museum in Lakota immer mehr heranreifte, waren es im Jahre 1991 drei Frauen, darunter eine gewisse Char Spencer, die den so genannten „Betterment Club“ ins Leben riefen, um die finanziellen Mittel für einen Kauf des ehemaligen Schulgebäudes aufzubringen.

Ein örtliches Geldinstitut unterstützte dieses Ansinnen mit der Übernahme der Hälfte der Kosten. So konnte bald ein Museum eingerichtet werden, welches einerseits dem Erhalt der reichen Kultur der Lakota-Indianer dienen sollte; andererseits aber auch die Historie der zahlreichen Einwanderer aus der ganzen Welt, vorwiegend Deutsche, nachzeichnen sollte.

Dieses Aquarell der Unterampfracher Kirche erhielt einen festen Platz in einem amerikanischen Auswanderer-Museum.

 

Im Laufe der Jahre hat sich dieses Museum etabliert und wird jährlich von tausenden von Menschen besucht, wie Hans-Peter Scheurer erfahren hat. Auch werden die dortigen Räumlichkeiten für zahlreiche andere Veranstaltungen, wie beispielsweise Künstlerausstellungen genutzt. Letztendlich gab das Lakota-Museum den Anstoß für zahlreiche ähnliche Museen in anderen amerikanischen Städten. Es enthält auch eine Galerie für Skulpturen, Gemälde und diverse historische Ausstellungsstücke; viele Künstler stellen dort immer wieder aus.

Weil Hans-Peter Scheurer zusammen mit anderen Bürgern aus Unterampfrach seit vielen Jahren enge Kontakte zu den Nachkommen der früheren Auswanderer aus dem Schnelldorfer Ortsteil pflegt, kommt es immer wieder zu regelmäßigen Besuchen aus den USA. Vor einem der letzten Besuche im Mai 2017 hatte eine gewisse Phyllis Ose, eine Nachfahrin ehemaliger Unterampfracher, vorab den Wunsch geäußert, dass sie gerne zwei Bilder aus ihrer Heimat hätte.

Der Hobbymaler Hans-Peter Scheurer in seinem Atelier in Unterampfrach.

 

Der heutige Rentner Scheurer (75) ließ sich nicht zweimal bitten und griff gleich zum Pinsel. Ein erstes Bild zeigt das Dorf Unterampfrach inmitten der umgebenden Landschaft; ein anderes die Dorfkirche in einem Aquarell in einer Großansicht. Brikken Jensen, eine Enkelin von Phyllis Ose, war vor wenigen Monaten erneut in der fränkischen Urheimat zu Besuch und nahm die beiden fertigen Bilder als Geschenk mit zurück in die „Neue Welt“.

Auf den Wunsch zahlreicher Beteiligter hin hat das Kirchenbild jetzt Monate später Aufnahme im dortigen Lakota-Museum gefunden. Es passe hervorragend als Ergänzung zu den bereits vorhandenen Fotos und Bildern, welche das Zeitalter der Auswanderung vieler Menschen in diese Region in Iowa nachzeichnen und dokumentieren würden, wie es hieß. So kann auch das Bild eines fränkischen Hobbymalers auf Umwegen in einem amerikanischen Museum landen.

Fotos: Meyer und Privat

 

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