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Betriebe setzen auf duale Ausbildung

Erster Kreishandwerkerempfang – Unternehmen Aeckerle war Gastgeber

Königshofen. Die Gewinnung junger Menschen und die handwerkliche Ausbildung waren die zentralen Themen beim ersten Kreishandwerkerempfang des Main-Tauber-Kreises. Landrat Reinhard Frank hatte gemeinsam mit der Handwerkskammer Heilbronn-Franken und der Kreishandwerkerschaft des Main-Tauber-Kreises ins Unternehmen Aeckerle Holzbau nach Königshofen eingeladen.

Landrat Frank bezeichnete das Handwerk als Beschäftigungsmotor und Rückgrat der Gesellschaft. „Obwohl die Wirtschaft boomt und im Handwerk gute Möglichkeiten für berufliche Karrieren bestehen, muss heute aufgrund der demografischen Entwicklungen mehr denn je um beruflichen Nachwuchs gekämpft werden.“ Es müsse deshalb Ziel aller Beteiligten sein, jungen Menschen „Lust auf das Handwerk“ zu machen.

In die Gewinnung von jungen Menschen für das Handwerk bringt sich auch die Wirtschaftsförderung des Main-Tauber-Kreises – die den ersten Kreishandwerkerempfang organisierte – durch die Entsendung von Ausbildungsbotschaftern, Werbekampagnen, Elternabende sowie die Teilnahme an Berufsinformationsmessen und Berufsinformationstagen ein. Landrat Frank erklärte weiter, dass der Landkreis als Träger der Beruflichen Schulen viel für diese Bildungseinrichtungen tut. Abschließend ging Frank auf die Chance ein, aus dem Kreis der Geflüchteten Nachwuchskräfte zu gewinnen.

Bürgermeister Thomas Maertens attestierte dem Sprichwort „Handwerk hat goldenen Boden“ steigende Bedeutung. Die Firmen verfügten über eine gute Auftragslage, und es werde deshalb zusehends schwieriger, Handwerksbetriebe kurzfristig für neue Projekte zu gewinnen. Deshalb müssten junge Leute für das Handwerk begeistert werden.

Laut Kreishandwerkermeister Michael Szabo ist der frühere Ausgleich zwischen dualer und wissenschaftlicher Ausbildung aus dem Gleichgewicht geraten. „In 20 Jahren werden wir ausreichend Professoren, Ingenieure, Techniker und Wissenschaftler, aber nicht mehr ausreichend Handwerker haben“, sagte er. Über die Jahre hinweg sei die Zahl der Ausbildungsverträge um rund 28 Prozent zurückgegangen. Die Integration von Flüchtlingen könne dies nicht ausgleichen. Er forderte deshalb, dass nach der Schulbildung und vor einem Studium eine Praktikumszeit in Unternehmen und Handwerksbetrieben als Orientierungsphase vorgegeben werden sollte.

Den Festvortrag hielt Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr von der Handwerkskammer Heilbronn-Franken zum Thema „Zukunft des Handwerks – Chancen und Herausforderungen“. Er stellte heraus, dass der Anteil der Handwerksbetriebe und -berufe im Main-Tauber-Kreis weit über dem Landesdurchschnitt liegt. Das Handwerk hat im Landkreis rund 20 Prozent Anteil an den Arbeitsplätzen, im Landesdurchschnitt nur etwa 13 Prozent. „Allerdings verschärft diese starke Stellung des Handwerks auch die Sorge, dass mehr Fachkräfte und Auszubildende gewonnen werden müssen“.

Flüchtlinge böten ein gewisses Potenzial, und immerhin seien derzeit 44 Flüchtlinge in der Region Heilbronn-Franken in einer Ausbildung. Dennoch sind beispielsweise im vergangenen Ausbildungsjahr 491 Lehrstellen unbesetzt geblieben. Auch die Situation der Finanzwelt trägt gegenwärtig zur Überhitzung des Handwerks bei. Viele Sparer legen ihr Geld in ihren Häusern an. Dies ziehe eine hohe Bautätigkeit in allen zugehörigen Handwerksbereichen nach sich. Das Handwerk habe deshalb bei der Suche nach Nachwuchs neue Wege eingeschlagen, beispielsweise mit Filmspots.

Zum Abschluss sprach Gastgeber Jörg Aeckerle. Er stellte sein Unternehmen vor, welches 1931 als Mühlen- und Sägebetrieb gegründet wurde. Heute ist es ein moderner Holzbetrieb, der sich auf Holzhäuser und Holzelementarbau spezialisiert hat.

 

Beim ersten Kreishandwerkerempfang versuchte sich Landrat Reinhard Frank an der Monta-ge einer Holzdachkonstruktion. Dabei schauten ihm (von links) Angelika Gold und Michael Szabo von der Kreishandwerkerschaft, Ralf Schnörr von der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, Bürgermeister Thomas Maertens sowie Mitarbeiter des Unternehmens Aeckerle und weitere Gäste über die Schulter. Foto: Landratsamt Main-Tauber-Kreis

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