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Aus tiefster Seele: Kunst als Sprachrohr des Herzens

ROTHENBURG. Kunst gibt es in verschiedensten Formen, egal ob Musik, Malerei, Dichtkunst oder beispielsweise Tanzen. Doch wie genau könnte man Kunst definieren? Viele Menschen haben sich dieser Frage bereits auf unterschiedlichste Weise angenähert – ebenso vielfältig sind aber auch die möglichen Definitionen. Eines steht jedoch fest: Vereinfacht könnte man sagen, dass es bei Kunst immer darum geht, auf schöpferische Art und Weise etwas Neues zu schaffen. Hierbei steht der Schöpfer oder besser gesagt der Künstler im Mittelpunkt. Es obliegt niemandem außer ihm zu entscheiden, was sein Werk zum Ausdruck bringen soll – und auf welchem Weg. Oft verbirgt sich hinter der Fassade der Kunst wesentlich mehr als auf den ersten Blick zu erkennen. So auch im Fall des Rothenburger Malers und Künstlers Franz Xaver Kuchler…

Seit 2012 lebt der 55-Jährige Künstler mit Unterbrechung mittlerweile in Bettwar bei Rothenburg. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er, indem er ein Gewerbe unterhält, in dessen Rahmen er handwerkliche Dienstleistungen in verschiedensten Bereichen anbietet. Gleichzeitig verfügt er über ein ausgesprochenes Know-How im Bereich Gestaltung – egal ob Digital oder anderweitig – so hat er auch immer wieder Aufträge, welche seine Kreativität und die Fähigkeiten zur Umsetzung fordern. Apropos Umsetzung: Da viele seiner Werke nicht gerade klein sind und durchaus Raumhöhe erreichen, braucht es natürlich Platz – so hat er ein gemütlich eingerichtetes Atelier inklusive Werkstatt im Gewerbegebiet. Auf 130 Quadratmetern findet sich alles was der Künstler braucht, um seine Vorstellungen auf Leinwand zu zaubern: Leinwände in allen erdenklichen Größen, Farbbehälter, Pinsel aber auch ein Bücherregal oder das stilvoll geschwungene Sofa…

Im Grunde wirkt das ganze Szenario wie im Film, genauso stellt man sich einen Künstler und seine Werkstatt vor: Ein bodenständiger, ruhig wirkender, bärtiger Mann mittleren Alters –  seine kreative Ader ist auf zehn Meter Entfernung spürbar. Doch die romantische Vorstellung vom sorglosen Künstlerdasein wird schnell zunichte. Verlässt man die Gegenwart und dreht die Zeit um einige Jahre zurück, war alles anders. Heute Realität – damals war es höchstens ein Traum von Franz Xaver Kuchler. Sein Lebensweg war nicht leicht, dafür aber schicksaalhaft und voller überraschender Wendungen.

Obdachlos zur Kunst

„Anfang der 90er hatte ich meine erste Straßenerfahrung, fünf Jahre war ich Wohnungslos. Ich war zwar nicht dauerhaft auf der Straße, aber doch immer wieder obdachlos.“, beschreibt Kuchler. Aufgrund von persönlichen Schwierigkeiten war das Leben des heutigen Künstlers lange Zeit ein auf und ab, nicht nur einmal lebte er auf der Straße. „Mein Lebensweg war sehr drastisch, aber das muss deshalb erwähnt werden, weil ich dadurch eigentlich erst zur Kunst gekommen bin. Als ich 32 Jahre war, führten gewisse Umstände dazu, dass ich erneut begann, mit Malerei zu experimentieren. Ich erinnerte mich dabei, dass ich als Kind schon mal gemalt hatte, auch ein Ölgemälde – und das war mir eigentlich ganz gut gelungen und hatte mir auch Spaß gemacht.“ Damals in Hamburg lebend entwickelte es sich nun, dass er sich intensiver mit Malerei auseinandersetzte. Kuchler bemerkte, dass die Kunst ihm half, sein Inneres zu verarbeiten. „Mit Bildern oder Kunst kann man das Herz ausdrücken. Wenn ich male, kommt das direkt aus meiner Seele. Ich habe dann gemerkt, dass die Kunst mir viel von mir selbst zeigt. Kunst ist für mich eine Übersetzung des Gesehenen und der Empfindungen, sie ist ein Suchen und vor allem ein Finden, so nicht zuletzt auch Heilung für die Seele…“ Er probierte dann vieles aus, fütterte sich mit Literatur und besuchte entsprechende Kurse. „Anfangs versuchte ich andere Künstler zu kopieren und Techniken zu lernen, bald war es aber auch schon viel eigene Fantasie. Ich malte hauptsächlich surreal…“. Kuchler ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, welche unerwartete Möglichkeit sich ihm bald eröffnen sollte – seine frisch entdeckte, kreative Ader würde bald schon ernsthaft gefordert werden.

Türen öffnen sich…

Im Lauf der folgenden Jahre verschlug es den Schreiner unter anderem nach Mecklenburg-Vorpommern, dort erfuhr dieser, dass er aus gesundheitlichen Gründen nicht länger im Handwerk tätig sein könne. „Daraufhin kam ich unversehens zu einer Umschulung an eine private Akademie. Das war immer ein Traum von dem ich gedacht hatte, das kann ich nie erreichen, weil mein Bildungsniveau mit Hauptschulabschluss zu gering war. Es war pure Utopie für mich, dass ich jemals auf eine Gestalter Schule gehen kann. Und dann hat sich mir dieser Weg eröffnet…“. Kuchler absolvierte in den folgenden zwei Jahren 2006 bis 2008 eine Ausbildung zum Mediendesigner mit Fachrichtung Grafik. Die Privatschule befand sich in Esslingen bei Stuttgart. Mit dem Abschluss dieser Ausbildung sollte sich einiges in der beruflichen Situation des Handwerkers und Künstlers ändern. Ein weiterer großer Schritt in Richtung Freies Schaffen war getan!

Die Sprache der Seele

In seinem Atelier entstehen immer neue Werke, ab und zu sind diese auch auf Ausstellungen zu sehen. Betrachter betonen häufig, den einzigartigen Stil von Kuchler. Dies hängt vermutlich nicht zuletzt stark mit der persönlichen Philosophie und Überzeugung des Künstlers zusammen. Für ihn ist Kunst etwas sehr Tiefgründiges. „Vieles was heute Mainstream ist und gehandelt wird, ist ziemlich losgelöst von irgendwelchen Themen. Es geht oft nur noch darum irgendwelche Gestaltungsfragen auf dem Papier oder der Leinwand zu lösen. Und das soll es alleine nicht sein – es gehört zwar dazu, denn es muss ja auch Ästhetik dahinterstecken. Aber was mich so auf erbaut an der Kunst ist, dass man so viele Dimensionen gleichzeitig bewältigen muss: Die Komposition, den Inhalt, die Illustration, die Farbe, die Zeichnung, geistige Strukturen und so weiter – es geht also um Gestaltungsfragen in komplexer Kommunikation plus handwerkliches Geschick. Dann versucht man diese ganzen Aspekte gleichzeitig mit einer gewissen Form der Ästhetik in Einklang zu bringen, sodass man am Ende zu einem Ergebnis – einem Kunstwerk – kommt, wo alle diese Dimensionen gleichzeitig mitschwingen. Das zu schaffen, ist für mich die große Kunst.“ Lachend fügt Kuchler hinzu, dass er damit nicht behaupten will, dies alles perfekt zu beherrschen. „Aber dennoch ist das mein Kampf, dort will ich hin!“. Es geht ihm also viel darum, mit den Bildern einen gewissen Inhalt zu vermitteln, dies wird in den meisten seiner Werke sichtbar: Details und Symbolik – im ersten Moment kaum wahrnehmbar – sind überall versteckt. Manchmal hat der Ausdruck beinahe etwas Mystisches… Zweifelsohne stammt diese Art von Kunst direkt aus den Tiefen der menschlichen Seele. Von der Seele – für die Seele.

 

Kontakt:

Franz Xaver Kuchler
E-Mail-Adresse: surface@fxk-art.de
Homepage: art-life-harvest.org

 

„Das Worttrio Art- Life- Harvest, der Name meiner Homepage, hat viel mit meiner Kunstphilosophie zu tun. Die Verflechtung von Kunst, Leben – und Harvest (Ernte) steht für das Ergebnis dieses Wechselspiels im Sinne geistiger Reife.“

 

 

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