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Action Painting in Slowmotion? Kloster Bronnbach Sommerakademie

Günther Reil ist Inspiration und vermittelt sie mit Leichtigkeit

Kloster Bronnbach (BT). Im zweiten Obergeschoss des Kloster Bronnbach liegen die Räume der Bronnbacher Akademie. Unweit vom wunderschönen mit Deckengemälden ausgestatteten Josephssaal liegen die Räume mit Blick auf den restaurierten Klostergarten. Allein die Räume laden schon zur schöpferischen Tätigkeit ein. Während der Sommer Akademie findet fast jedes Wochenende ein Kunstseminar mit den verschiedensten Themen statt. Anfang August inspirierte der freischaffende Künstler Günther Reil seine neun Teilnehmer an drei Tagen mit immer neuen Anleitung und Kreativtechniken.

Zum Künstler

Günther Reil ist freischaffender Künstler, der in Schrobenhausen (1955) geboren wurde. Heute lebt und arbeitet er in Ach an der Salzach – Österreich. Seit 1992 bietet er in den Akademien in Deutschland, Österreich und in der Schweiz Kunstseminare an bei denen er Zeichnen, Aquarell- und Acrylmaler vermittelt. Seine Kunst reicht vom Realismus bis hin zum informellen Action-Painting. Seine Erfahrungen dokumentiert er in zahlreichen Büchern und Internet-Filmen. Günther Reil sucht mit seiner Kunst diesen kreativen Prozess anzustoßen: verschiedenste Bildfindungsmethoden und deren experimentelle Weiterentwicklung behandelt er ebenso wie impulsives Action-Painting. Die innere Harmonie in den Bildern entstehen zu lassen, lässt ihn Schicht für Schicht auftragen und den Prozess dokumentieren. Über den kreativen Prozess und die eingesetzten Techniken hat er schon mehrere Bücher verfasst.

 

Zum Kunstseminar

Das Kunstseminar beginnt schon lange vor dem Termin, denn eine Materialliste flattert per eMail vom Künstler ins Haus. Jetzt heißt es erst einmal Bestände an bespannten Keilrahmen und Acrylfarben überprüfen und aufbessern. Schellack, Goldpulver, Spraydosen, Holzleim und Spiritus stehen auch auf der Liste. Bitumen erhält man Vorort vom Künstler. Allein die Liste lässt schon Rätsel aufkommen. Aber Actionpainting klingt ja nach Abenteuer und Spraydosen gibt es ja schließlich im nächsten Baumarkt. So bepackt und gerüstet ging es dann nach Kloster Bronnbach. Helfende männliche Hände schafften das schwere Material trotz aufsteigender Wärme die zwei Stockwerke hoch. In den hell durchleuchteten Räumen finden die Teilnehmer schnell ihre Wirkungsstätten. Gunter Schmidt begrüßte Künstler und Teilnehmerrunde und weiht in die Nutzungsregeln der Räume ein. Die Böden sind geschützt, aber die Wände dürfen nicht verletzt oder bemalt werden. Die Teilnehmerrunde besteht aus kreativen Künstlerseelen mit ganz unterschiedlichen Ausprägungen. Einige der Teilnehmer haben schon Bilder mit dabei, die sie weiter bearbeiten wollen. Auch Wiederholungstäter sind dabei, denn Günther Reil war schon einige Male in Kloster Bronnbach. In der Einführungsrunde darf jeder seine Wünsche formulieren. Günther Reil stellt sein Tagesprogramm vor. Es geht los mit dem partiellen Übermalen von Bildhintergründen mit verdünntem weißem Acryl und in Kombination mit verdünntem Holzleim (der wieder klar wird beim Trocknen). Der Künstler zeigt alles in „Slowmotion“ damit die Teilnehmer es bei sich nachempfinden können. Weiter wird gearbeitet mit flüssigen Bitumenfäden auf mit Essigessenz verdünntem Holzleim. Ein Sprühnebel Backofenreiniger über dem Bild lässt die Bitumenfäden sich wieder zusammenklumpen. Messingpulver auf Essigessenz ergibt eine korrodierende grüne Farbe (wenn es klappt). Diese Bild braucht jetzt Ruhe zum Trocknen. Und die Teilnehmer schwärmen an ihre Arbeitsplätze und setzten die frisch gelernten Techniken in ihren Bildern um. Nach der Mittagspause gab einen „Rakel flach“-Farbauftrag, zweifarbige Schriften (Spray mit Schriftenschablone) und die gemeinsame Auswahl der Vorlage des „Gesichtes“. Ziel war es ein angedeutetes Gesicht aus dem abstrakten Hintergrund herausschauen zu lassen. Günter Reil zeigte im Detail, wie das Gesicht künstlerisch frei auf den Malgrund übertragen wird. Man solle nicht malen, Actionpainting kombiniere sich gut mit frechen Strichen, die im Fall der Augen etwas klarer ausgearbeitet werden. Der Rest bleibt Andeutung. Zu schnell ist es 17 Uhr. Am Samstag vermittelt der Künstler noch mehr Techniken, mit denen man herrliche Farbeffekte erzielen kann. Echtes „Actionpainting“ erleben die Teilnehmer erst am Sonntag. Reil: „Alle Materialien müssen griffbereit sein, denn dann geht es schnell. Wenn es klappt, ist es wunderbar. Wenn es nicht klappt, dann ärgere ich mich. Ja, dann ärgere ich mich richtig. Aber so gesehen ist Ärger auch gut, denn da fühle ich mich lebendig. Und es ist ja eh nicht so dramatisch. Wenn es mir nicht gefällt, dann male ich halt wieder etwas drüber.“ Nach drei intensiven Tagen voller Kreativität und Anleitungen entschwinden alle wieder aus den historischen Räumen. Alle kreativen Seelen sind glücklich und tragen ihre Meisterwerke zu den Autos. Ich kann verstehen, warum sie wieder kommen, die Leichtigkeit und der Humor des anleitenden Künstlers macht das Seminar zu einem Augen- und Ohrenschmaus. Meine Lieblingsanleitung von ihm war: „Und jetzt einfach ein bisschen schlampig drübermalen!“. So eine Anleitung macht frei und wenn sich der „Meister“ humorvoll selbst „übermalt“, dann darf das der Schüler allemal.

Text und Fotos: Beate Tomann

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