Aktuelle Stellenanzeigen:

22. Auflage des Taubertal Festivals – Matsch, Menschen, Musik und Veränderungen

ROTHENBURG. Es ist Mitte August, die Sonne brennt. Während Internationale Musikgrößen auf der Bühne ihr Talent beweisen können, genießen die Festivalbesucher das angenehme Sommerwetter – vermutlich hat sich manch einer ein solches oder ähnliches Szenario fürs vergangene Wochenende gewünscht. Die Realität sah dann doch ein kleines bisschen anders aus, zumindest was das Wetter betrifft. Nichts desto trotz ließen sich die rund 15.000 Festivalbesucher ihre Stimmung nicht vermiesen.

Das Kultfestival im Taubertal, vor der Silhouette der mittelalterlichen Stadt, fand in diesem Jahr zum 22. Mal statt. Parallel zur Tauber schlängelt sich das Festivalgelände durchs Tal, wobei es von einer malerischen Kulisse umgeben wird: Einerseits die Tauber sowie im Hintergrunde die Stadtmauern Rothenburgs, andererseits die bewaldeten Berghänge. Kein Wunder, dass viele der Besucher immer wieder aufs Neue kommen und die Karten bereits Monate im Voraus ausverkauft waren. Doch auch für alte Hasen und eingefleischte Taubertal-Fans, sollte es heuer einige Überraschungen und Veränderungen geben. Bereits im letzten Jahr, und so auch heuer, wurde der Einlass zum Gelände näher in Richtung Barbarossabrücke vorgelegt. Sobald man dann auf dem Konzertgelände ankommt, fällt sofort auf, dass alles wesentlich offener und übersichtlicher gestaltet ist. Der Bereich direkt vor der Hauptbühne ist nicht mehr wie gewohnt komplett mit Zäunen abgetrennt, stattdessen ist der hintere Teil offen und barrierefrei vom Weg aus zugänglich. Weiter in Richtung „Sounds for Nature“-Bühne folgen dann die festivalüblichen Stände – Essen, Getränke, Kleidung und einiges mehr… Bald stößt man auf die nächste Überraschung. Auch die „Sounds for Nature“-Bühne ist nicht mehr am gewohnten Platz, stattdessen näher beim Campingplatz-Tal platziert. Insgesamt lässt sich sicherlich sagen, dass es dem Veranstalter mit den Neuerungen durchaus gelungen ist, dem Festival noch mehr Festival-Flair zu verpassen – nicht nur die Musik, sondern auch ein geselliges Miteinander stehen im Mittelpunkt.

Regen: Nicht nur negativ

Trotz aller Bemühungen das Event so perfekt wie möglich zu planen, das Wetter macht was es will. Starker Regen und festivalfeindliche Temperaturen bei etwa 15 Grad verwandelten das gesamte Gelände am Donnerstag und Freitag in eine riesige Matschpfütze. Wer schon öfter beim Taubertal Open Air war, weiss allerdings worauf man sich einlässt. Dauerregen genau zum Festival Wochenende waren auch in der Vergangenheit nicht gerade eine Seltenheit… Für erfahrene Festivalgänger daher kein Problem. Mit Jacken, Regenponchos und Gummistiefeln gerüstet trotzten die Fans dem Wetter und freuten sich an der Musik. Am Samstag war es dann weitestgehend trocken und am Sonntag kam sogar die Sonne raus und viele waren in kurzen Hosen und T-Shirt unterwegs.

Aus Sicht der Sicherheits- und Rettungskräfte vor Ort ist das schlechte Wetter nicht nur schlecht. Man merkt deutlich, dass bei vergleichsweise heißen Temperaturen wesentlich mehr Alkohol fließt – und somit auch die Zahl an ungewollten Zwischenfällen steigt. Abgesehen von einigen kleineren Auseinandersetzungen ging es sehr friedlich zu. Laut Polizeibericht kam es jedoch am Samstag zu einem Verkehrsunfall der besonderen Art: Eine 26-jährige Bobby-Car Fahrerin verliert auf der Reutsächsersteige die Kontrolle über ihr Gefährt und rauscht in einen Einsatzwagen der Polizei. Die Fahrerin verletzte sich dabei am Knöchel.

Neues Sicherheitskonzept

Angesichts der aktuellen Sicherheitslage wurde auch im Bereich Gefahrenprävention einiges getan und geändert. Es ist inzwischen etwa ein Jahr vergangen seit dem Anschlag während des Ansbach Open Festivals, nur 30 Kilometer von der Tauberstadt entfernt. Da sich eine solche oder ähnliche Situation keinesfalls wiederholen darf, gab es auch hinsichtlich des Themas Sicherheit einige Maßnahmen. Mit der ersten und offensichtlichsten wurde jeder Besucher noch vor dem Eingang zum Platz konfrontiert. Alle Zufahrtsstraßen waren mit schweren Betonklötzen und Stahlseilen gesichert, so will man verhindern das unbefugte Fahrzeuge auf das Gelände kommen. Außerdem waren Getränke und Rucksäcke nach wie vor verboten.

Grün feiern

Verglichen mit anderen Großveranstaltungen stand der Veranstalter des Taubertal-Festivals, die Karo Konzert-Agentur, auch in diesem Jahr vor einer besonderen Herausforderung. Aufgrund der einmaligen, naturnahen Lage – teilweise sogar im Naturschutzgebiet – ist der Aspekt Umweltschutz verstärkt von Bedeutung. So gab es auch in dieser Hinsicht eine Neuerung: Zwei mobile Solarmodule sollten zumindest einen geringen Teil des Strombedarfs abdecken. In Zusammenarbeit mit dem Energie Dienstleister Bredenoord wurde dieser Schritt erstmals möglich. Angesichts der Wetterlage war der Anblick der Solarpanele zwar beinahe ironisch – dennoch, es wurde ein Zeichen gesetzt. Ziel ist es, auch bei den Besuchern noch mehr den Umweltschutzgedanken zu wecken. Längerfristig soll in diese Richtung noch einiges getan werden – nicht zuletzt im Bereich Camping. In den vergangenen Jahren war lediglich der Campingplatz „Tal“ als „Green Camp“ bestimmt. Heuer wurde der Campingplatz „Berg“ in drei Sektoren unterteilt, wobei auf einem Abschnitt bereits ebenfalls nur „green camping“ erlaubt ist.

„Ende gut, alles gut!“

Insgesamt war das Festival ein buntes Treiben vor grauer Kulisse – zumindest anfangs. Während die Stimmung aufgrund der Wetterlage am Donnerstag und Freitag doch leicht getrübt schien, und auch die reichlich vorhandenen Sitzplätze im nahegelegenen Biergarten „Unter den Linden“ größtenteils leer blieben, so änderte sich die Lage im Verlauf des Wochenendes. Die Erleichterung über den ausbleibenden Regen war bereits am Samstag deutlich spürbar und als am Sonntag dann letztendlich die Sonne schien, wagten sich auch viele Einheimische ins Tal und genossen vom Biergarten aus die Festivalatmosphäre – immerhin geschieht es nur einmal im Jahr, dass die Bevölkerungszahl der Kleinstadt für ein Wochenende um über 100 Prozent steigt.

 

Amos Krilles

 

Related Posts

Entschädigungsfonds unterstützt Rettung der Judengasse 10
Klamauk und Musik über drei Tage hinweg
„Rothenburg in London“