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21 Überseecontainer sind ab sofort Boardinghouse

Gestern noch auf den Meeren der Welt und heute Boardinghouse? Ein „Leuchtturm-Projekt“ wird in Wertheim gerade eröffnet.

Wertheim-Reinhardshof (BT). Erst kürzlich stellten Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez, Wirtschaftsförderer Jürgen Strahlheim und das Dreigestirn der Projektgesellschaft das Objekt der Presse vor. Felix v. Knobelsdorff und seine Kollegen Clemens Müller und Nicolas de Fejer kennen sich aus ihrer Tätigkeit im Bau beziehungsweise Innenausbau schon seit fast 20 Jahren. Durch gemeinsame Projekte knüpften sie Kontakte zum Stuttgarter Start-Up Containerwerk, das gebrauchte Seecontainer aufkauft und sie in hochwertigen energieeffizienten Wohnraum umwandelt. Alle drei waren von dem ressourcenschonenden Ansatz begeistert, Nachhaltigkeit mit moderner Atmosphäre und flexiblem Wohnen zu kombinieren.

Entstehung

Die Idee entstand aus dem eigenen Bedürfnis. Als sie als Team im Bereich Innenausbau gemeinsam Projekte realisierten. „Wir selbst sind viel beruflich unterwegs und waren die dunklen, stickigen Flure und einengenden Zimmer in vielen Hotels satt“, erklärt Bauingenieur Müller. Nicolas de Fejer: „Uns eint die Neugier, etwas völlig Neuartiges und ökologisch Sinnvolles umzusetzen.“ Die drei Investoren haben insgesamt über 1,5 Millionen Euro in die Hand genommen, um 21 Wohneinheiten in einem Bording-Angebot zu bündeln.

Das Bordinghouseprojekt

Neue Bedürfnisse, Nachhaltigkeit durch den Einsatz von Überseecontainern und der richtige Platz mussten zusammen kommen, um ein Container-Siedlungs-System zu platzieren. Jürgen Strahlheim freute sich 2017 sehr über die Anfrage, ein Bordinghaus für die Menschen, die zum Beispiel einen neuen Beruf in Wertheim bekommen haben, zu realisieren. Im Mischgebiet am Reinhardshof wurde das richtige Grundstück gefunden und dann galt es erst einmal die Planungshürden zu überwinden. Denn ein Überseecontainer ist kein Bauteil, das einem bewährten Standard entspricht. Es musste erst bewiesen werden, dass die Themen Wärmeschutz, Schallschutz, Brandschutz und Baustatik durchaus in die aktuelle Zeit passen. Als alle Fragen geklärt waren und die städtischen Gremien grünes Licht gegeben hatten, wurde der Grundstückskaufvertrag gemacht. Im November 2019 wurden die ersten ausgebauten Container des Stuttgarter Startup Unternehmen Containerwerk angeliefert. Vorort erfolgte eine Verkleidung mit Holz, so dass die inneren Werte auch einen äußeren Charme erhielten. Einzig der Technik-Container bleibt in seinem Urzustand, denn die Außergewöhnlichkeit dieser Container-Ansammlung bleibt nachhaltige Markenbotschaft. In Wertheim ist somit das erste Bordinghouse in dieser Bauform entstanden. Schon jetzt pilgern die ersten Neugierigen nicht nur aus der direkten Nachbarschaft auf das Gelände. Als Erstnutzer für Anfang März hat sich ein Ehepaar angemeldet, dass sich mit dem Tinyhouse-Trend beschäftigt und testen will, ob es sich auf diesem überschaubaren Raum gut leben lässt.

Wohnen auf Zeit

Die Anordnung der Überseecontainer lässt Privatheit zu. Zu jeder Einheit gehört ein Parkplatz und ein Stück Terrasse oder Balkon zum Entspannen. Die 26 Quadratmeter Wohnfläche ist sehr hochwertig ausgestattet. Alles ist wie in einem guten Hotel – nur einfach viel besser, denn über Fernseher und WLAN geht die Ausstattung weit hinaus. Ein super modernes Marken-Bad von Geberit lässt keine Wünsche offen. Die Einheit wird durch Fernwärme über eine Fußbodenheizung temperiert. Der optimierte Überseecontainer hat bessere Werte, wie es die Energie-Einsparungsverordnung verlangt. Die Küchenzeile enthält vom Geschirr, Besteck, Kochtopf, Heißwasserkocher, Kaffeemaschine bis zum Mikrowelle alles was man braucht um für sich eine Zeitlang gut zu sorgen. Haartrockner und Handtücher sind vorhanden. Das Bett ist bezogen. Und ein „Waschsalon-Angebot“ im Technik-Container ist in Vorbereitung. Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez erzählte aus seiner jüngsten Vergangenheit über seine beruflich bedingten Aufenthalte in Brüssel und Frankfurt. Er habe diese Berufszeiten auch gezielt mit möblierten Wohnungsangeboten gelöst. Bei dem Schnellcheck der Ausstattung fragte der „Profi“ dann auch sofort nach dem Bügeleisen. Geschäftsführender Gesellschafter Felix von Knobelsdorff-Benkenhoff bestätigte, dass dies noch auf der Einkaufsliste stehe. Ansonsten waren die Einheiten in der finalen Phase der Vorbereitung. Im Hängschrank standen die Teller und im der Schublade lag schon das Besteck. Ein Hausmeister und das Reinigungspersonal konnte direkt in der Nachbarschaft rekrutiert werden. Die Bepflanzung beginnt gerade. Jetzt gehe es in die Vermarktungsphase, so Knobelsdorff. Die Website stehe (www.wertheim-waz.de) und nachdem jetzt auch die Hausnummer an der Straßenkante montiert sei, akzeptieren die Buchungsportale das Angebot.

Wer bucht? Wer wohnt?

Ein Bordinghouse ist ein Beherbergungsbetrieb, der Zimmer/Apartments mit hotelähnlichen Leistungen vermietet. Die sieben Dreierblöcke sind ein Angebot an die Unternehmen der Region, damit neue Mitarbeiter, Berater, Lieferanten und Praktikanten für eine Zeit bis maximal zu einem halben Jahr gut untergebracht sind. Das Ziel ist, möglichst in längeren Phasen zu vermieten. Jürgen Strahlheim ist diese Zeitlimitierung sehr willkommen, denn danach mögen sich die Wertheim-Neulinge doch bitte in Wertheim-Bürger verwandeln. Gebucht kann direkt über die Website oder über die gängigen Hotelzimmervermittlungsplattformen. Ab 22 Nächten ist der Übernachtungspreis bei nur 35 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Jede Einheit mit den großen Fenster und Türenanteil hat ein Edelstahlkästchen, das hinter der Geheimnummer ein Schlüsselkästchen beherbergt. Späte oder Wochenend-Anreise ist also kein Thema – alles möglich. Los geht es Anfang März und die ersten Buchungen liegen auch schon vor. Einer der ersten Bewohner ist ein Inder, der schon über die Distanz hinweg die Buchung fixiert hat.

Eine offizielle Eröffnung ist in Planung. Das „Open House“ wird am 7. und 9. Mai stattfinden. Die drei Unternehmer, die die „Wohnen auf Zeit MAX Wertheim GmbH“ bilden, freuen sich schon auf guten Besuch von Unternehmern, Personalverantwortlichen, Nachbarn und Freunden.

Mit der Realisierung des Projektes ist etwas Herausragendes gelungen, das viele Menschen anziehen wird. Übrigens ist auch die Couch ausziehbar – mal ein Wochenende im Tinyhaus-Flair und mit Blick auf Wertheim Village – ein Angebot, dass man sogar mit Kind machbar ist. Jedenfalls hat Wertheim einen Erlebnisfaktor hinzugewonnen. Das Haus auf dem Kopf hat ab sofort ernsthafte Konkurrenz.

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