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20 Jahre Kleinkunstbühne Lauda-Königshofen

Jochen Ruthardt: „Aus einer Idee wurde mehr.“

Von Stefanie Harnisch
Lauda-Königshofen. Das Publikum schätzt das Persönliche der Kleinkunstbühne Lauda-Königshofen bei Familie Ruthardt. Der urige, teils überdachte und liebevoll geschmückte Innenhof verwandelt sich regelmäßig in einen Ort, der Künstler und Publikum gleichermaßen anzieht. „Freiluft und hautnah“ – damit umschreibt Jochen Ruthardt selbst den besonderen Charme der Kleinkunstbühne Lauda-Königshofen in der Josef-Schmitt-Straße 15 im Herzen Laudas. Man ist ganz nah am Künstler dran und kann unter freiem Himmel kulturelle Highlights und die schönen Facetten des Sommers genießen. BlickLokal traf Jochen Ruthardt, der die Kleinkunstbühne Lauda-Königshofen aus der Taufe hob.
BlickLokal: Wie kamen Sie auf die Idee eine Kleinkunstbühne zu gründen?
Jochen Ruthardt: „Wir betreiben seit 1999 diese Kleinkunstbühne – aus einer Idee wurde mehr. Ich habe mich immer für Kleinkunst, Kabarett und Comedy interessiert. Wir sind früher mit Didi Hallervorden (Nonstop Nonsens), Stan Laurel und Oliver Hardy etc. aufgewachsen. Und irgendwann war die Idee da. Ich hatte damals einen guten Freund und dessen Freundin war Laienschauspielerin. Dann kam man ins Gespräch. Und so kam es dann zum 1. Auftritt des Durchgangstheaters bei uns im Weinhof. Das war eine Art Test, und es kam sehr gut beim Publikum an. Und dann entstand die Idee, es auch einmal mit Solokünstlern zu probieren. So hat sich das immer weiterentwickelt.

Was waren die bekanntesten Künstler, die Sie auf Ihrer Kleinkunstbühne begrüßen durften?
Jochen Ruthardt: Wir arbeiten immer mit Profis zusammen und haben durchaus einmal einen ganz Großen da, wie Mathias Tretter, Max Uthoff und Claus von Wagner, die die Anstalt im ZDF moderieren. Worauf wir aber Wert legen, ist der Begriff Kleinkunstbühne. Das größte Kompliment ist, wenn sich die Leute bei uns bedanken, dass sie hier sein durften und uns dann fragen: „Wo haben sie diesen Künstler her? Den habe ich noch nirgends gesehen!“

Sie entdecken quasi Geheimtipps für Ihre Gäste?
Jochen Ruthardt (lächelnd): Wenn man so will. – Wir präsentieren ein großes Spektrum: vom „no name“ bis zum bekannten Künstler. Wir präsentieren nicht nur Kabarett, sondern decken auch den Bereich Stand-up-Comedy mit ab. Die Formate haben sich seit ein paar Jahren weiterentwickelt. So haben wir die sogenannte Mixed-Show im Programm. Wir präsentieren z.B. dieses Jahr einen Künstler, der schon Solo hier war, Horst Fyrguth – er bringt noch zwei neue Kollegen mit. Wir haben praktisch zweimal 45 Minuten und je in der Hälfte hat jeder Newcomer mindestens einen Auftritt.

Wie finden Sie die Künstler?
Jochen Ruthardt: Es entstehen im Laufe der Zeit auch Freundschaften und Netzwerke, über die sich Kontakte zu weiteren Künstlern entwickeln. Wir hatten auch schon Kunden des Weinhauses Ruthardt, die ihren Geburtstag bei uns gefeiert haben und zum Geburtstag einen halbstündigen Auftritt eines Künstlers wünschten. Dann organisieren wir das und stellen Kontakte her. So hat sich das Ganze immer weiterentwickelt. Es ist für mich selber manchmal nicht zu glauben, wie toll das funktioniert. Wichtig ist einfach: Die Künstler müssen auch bezahlbar sein: Deshalb auch der Begriff Kleinkunst.

Wie ist die Nachfrage im Allgemeinen? Sind Sie ausverkauft oder ist noch Luft nach oben?
Jochen Ruthardt: Wir sind mit der Kleinkunstbühne ausverkauft, wenn wir 200 Leute zu Gast haben. Meist sind wir komplett ausverkauft! Mein hervorragendes Team und ich, wir stemmen die gesamte Planung und Organisation rund um die Veranstaltungen selbst. Ich kann glücklicherweise sagen, dass sich das alles auch selbst finanziell trägt.

Was kosten die Karten?
Jochen Ruthardt: Aktuell 21 Euro. Wir müssen u.a. Übernachtungen der Künstler einplanen und haben auch Profikünstler dabei, die zwischen 100 und 150 Auftritte pro Jahr haben.

Sie haben einen neuen Kleinkunstpreis ausgelobt!
Jochen Ruthardt: Wir als Veranstalter haben einen Kleinkunstpreis der Stadt Lauda ins Leben gerufen. Unser Kleinkunstpreis heißt „Korkenzieher“! Er wurde dieses Jahr das zweite Mal vergeben. Den 2017 erhielt Phillip Weber den Preis, 2018 war Lutz von Rosenberg Lipinsky aus Hamburg Preisträger. Es wird vom Publikum sehr, sehr gut angenommen.

Nach welchen Kriterien wird es ausgewählt?
Jochen Ruthardt: Wir lassen das Publikum mitentscheiden. Die Besucher können auf der Rückseite der Eintrittskarte eine Bewertung abgeben. Wir haben allerdings auch noch eine Jury, die mitentscheidet.

Wer gehört zu Ihrem Team?
Jochen Ruthardt: Zu unserem Team gehört mein Bruder, Freunde und Freundinnen. Es hat sich über Jahre auch aufgebaut.

Wieviel Vorlauf müssen Sie bei der Programmgestaltung einplanen?
Jochen Ruthardt: Wir arbeiten immer vorausschauend – so haben wir für 2020 schon drei Künstler fest engagiert. Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem es keine Anfrage von Agenturen über Post, Telefon oder E-Mail gibt. Oftmals empfehlen uns Künstler auch gute Kollegen. Manchmal wünscht das Publikum auch, dass ein bestimmter Künstler, der gut ankam, unbedingt nochmals bei uns mit seinem Soloprogramm auftreten soll.

Schauen Sie sich die Bühnenprogramme der Künstler vorher an?
Jochen Ruthardt: Ja. Ich besuche die Auftritte der Künstler und informiere mich. Es ist kaum der Fall, dass ich eine Überraschungskiste auf der Bühne habe. Wenn Künstler mehrmals da waren, vertraue ich Ihnen natürlich diesbezüglich.

Worauf darf man sich als nächstes freuen?
Jochen Ruthardt: Wir haben am Freitag, 26. Juli, um 19.30 Uhr Mäc Härder zu Gast und am Samstag, 27. Juli, um 19.30 Uhr Philipp Weber.

Vielen Dank für das Interview.

Zur Person: Jochen Ruthardt ist gelernter Winzer und studierte anschließend Weinbautechnik. Er arbeitete einige Jahre im Familienbetrieb mit und war auch in anderen Unternehmen tätig. Dann entdeckte Jochen Ruthardt das Weinmarketing für sich. Seit 2006 liegt ein Fokus auf dem Weinhandel der Familie Ruthardt. In seiner Weinagentur bietet er Weinseminare, Weinverkostungen, Weinberatung und Weinmoderationen an. Auch JOSEF – die Weinbar zählt zu dem vielseitigen Angebot des Familienunternehmens. Kürzlich feierte die Weinbar übrigens ihr einjähriges Jubiläum. Kleinkunst war schon immer ein Hobby von Jochen Ruthardt.

 

 

 

 

 

 

 

BILD “Jochen Ruthardt Kabarett“
BU: Jochen Ruthardt und sein Team feiern mit der Kleinkunstbühne Lauda-Königshofen bereits ihr 20-jähriges Jubiläum.
Fotos: André Mischke

BILD Mäc Härder und Jochen Ruthardt
BU: Mäc Härder (li.) gastiert am 26. Juli in der Kleinkunstbühne Lauda-Königshofen. Das Foto zeigt den Künstler mit Gastgeber Jochen Ruthardt (re.). Foto: André Mischke

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