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2. Interkommunaler Erfahrungsaustausch Klimaschutz am Beispiel Klimafreundliche Mobilität

Bürgermeister und Gemeindevertreter bei Workshop in Buchen / AWN

 

Buchen. Es ist eine Binsenweisheit: Je mehr Sprit ein Fahrzeug verbrennt und je weitere Strecken zurückgelegt werden, desto mehr des klimaschädlichen CO2 gelangt in die Atmosphäre. Doch was kann zur Verkehrsvermeidung, Verlagerung und Verbesserung im ländlichen Raum getan werden, wo man vielerorts auf die Nutzung von PKW angewiesen ist? Wie umweltfreundlich ist die E-Mobilität wirklich und welche Fördermöglichkeiten gibt es? Welche Maßnahme können ergriffen werden, um die Fahrzeugauslastung durch Mitfahrgelegenheiten zu verbessern? Zu diesen und weiteren Fragen hatten sich in dieser Woche kommunale Vertreter, darunter zahlreiche Bürgermeister, aus dem NOK im Zentrum für Entsorgung und Umwelttechnologie Sansenhecken (Z.E.U.S.) ausgetauscht und Lösungsansätze diskutiert. Der Klimaschutzmanager des Landkreises, Sebastian Randig, hatte zum 2. Interkommunaler Erfahrungsaustausch Klimaschutz – dieses Mal mit dem Schwerpunkt „Klimafreundliche Mobilität“, eingeladen.

 

Im Begleitprogramm zu der Veranstaltung konnten sich die Teilnehmer über Elektro-Fahrzeugen informieren, darunter der E-Smart des Landratsamtes, der Renault ZOE von der Gemeinde Schwarzach und der von der Post/DHL gebaute Street Scooter, der bereits großflächig als Brief- und Paketzustellfahrzeug eingesetzt wird und jetzt auch Kommunen und anderen Interessenten zugänglich ist. Besondere mediale Aufmerksamkeit hatte dieses Nutzfahrzeug dadurch erlangt, weil sich bei einer Ausschreibung der Post, gefragt waren zweckmäßig Elektromobile mit einer Reichweite von knappe 100 km, kein Fahrzeughersteller in der Lage sah, ein solches Fahrzeug zu liefern. So half man sich in einer Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Aachen selbst und baute ein solches Gefährt in Eigenregie.

 

Landrat Dr. Brötel unterstrich in seinem Grußwort, dass die E-Mobilität, gerade im Pedelecbereich schon gut Fahrt aufgenommen habe, wie er im Rahmen des „3-Länder Rad-Events“ selber feststelle, wo bereits etwa ein Drittel der Teilnehmer mit elektrischer Unterstützung unterwegs seien. Warum solle es, so sein Ausblick, bei PKW in Zukunft nicht auch so sein? Die Mobilität generell sei in NOK ein wichtiges Zukunftsthema und stehe in direktem Zusammenhang zur Attraktivität einer Region. Im öffentlichen Personennahverkehr bemühe man sich permanent, Taktlücken zu schließen und Angebotsverdichtungen zu entwickeln. Ein weiteres wichtiges Thema sei die Barrierefreiheit im ÖPNV, insbesondere ein solcher Ausbau von Bushaltestellen. Auch Einrichtungen wie Ruftaxi und das Mitfahrnetzwerk Neckar-Odenwald (flinc) trügen dazu bei, den ÖPNV zu unterstützen.

 

Der Klimaschutzmanager Sebastian Randig warf die Frage auf, inwieweit im Mobilitätsbereich die nächste grundlegende Veränderung bevorstehe. Anschaulich zitierte er den vom Umweltminister Untersteller zur Eröffnung der Klimamesse Aglasterhausen ausgeführten Vergleich zur Einführung des PKW: Im New York des Jahres 1900 war das verbreitetste Verkehrsmittel die Pferdekutsche, die nur ein gutes Jahrzehnt später, im Jahr 1913, fast vollständig von Autos verdrängt worden war, wie ein Bild aus der Zeit eindrücklich zeigt, auf dem auf der 5th Avenue zwischen dutzenden von Autos eine einzige Pferdekutsche zu sehen war. Aktuell liege der NOK, so Randig, mit ca. 0,1% reinen Elektromobilen im Bundesdurschnitt: Von 90.000 PKW fahren im NOK 73 rein elektrisch und 316 Hybrid. Ein Trend sei allerdings sehr erfreulich, denn in den ersten 9 Monaten dieses Jahres gab es einen Zuwachs bei reinen E-PKW von 46% (von 50 in 2016 auf nun 73 PKW).

 

Im ersten Teil der Veranstaltung ging es um umweltfreundliche Antriebe durch E-Mobilität. Im Zentrum standen die Fragen: „Was sind kommunale Handlungsmöglichkeiten im Bereich E-Mobilität?“ und „Was gibt es aktuell für Fördermöglichkeiten zur Beschaffung von Fahrzeugen und der damit einhergehenden Ladeinfrastruktur?“, die von Michael Ruprecht von der Landesagentur e-mobilBW präsentiert wurden. Insbesondere für Kommunen würden sich „Stromer“ für die vorhandenen Aufgaben wie Kurier- und Botenfahrten anbieten. Aktuell gehe man davon aus, dass 85% der Ladevorgänge entweder zu Hause oder beim Arbeitgeber erfolgen würden. Somit stünden auch die Arbeitgeber in der Verantwortung, sich beim Ausbau der Ladeinfrastruktur zu beteiligen.

Welche Anforderungen der zunehmende Einsatz von E-Fahrzeugen an die „elektrische“ Infrastruktur stellten war Thema von Irena Fech von den NetzenBW. Auch hier seien intelligente Lösungen gefragt, um Abnahmespitzen zu vermeiden: „Wenn jeder nach Feierabend sein E-Mobil an die Steckdose stecken würde“, so Fech, „wäre dies eine hohe Belastung für das Netz“. Über moderne Steuerungen könne man hier die Ladezeit auf beispielsweise die ganze Nacht verteilen und so das Netz schonen. Allerdings gehe man schon heute bei Netzplanungen von einer doppelten Leistungsfähigkeit im Vergleich zu „früher“ aus. Zum Abschluss des ersten Themenblocks berichtete Herr Fauser von der StreetScooter GmbH, welche Klimaschutzziele die Post verfolgt. Unter dem innovativen Motto „Aus der Not eine Tugend machen – Lieferverkehr neu gedacht“ werden diese Ziele mit dem Bau eines eigens entwickelten E-Fahrzeugs umsetzt, welches jetzt unter der Marke Street Scooter auch Kommunen und anderen Interessenten angeboten wird. Nach seinen Aussagen wurden die gesteckten Ziele komplett erreicht: Deutlich erhöhte Umweltverträglichkeit insbesondere in den Städten und spürbar geringere Betriebskosten.

 

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden eine Reihe von Beispielen für die effizientere Nutzung von Fahrzeugen vorgestellt worden. Nachbarn mitzunehmen oder bei jemandem mitzufahren war in früheren Zeiten eine feste Tradition in ländlichen Regionen. Eine kleine Hilfe, die man selbstverständlich angeboten hat. Unter dem Motto „Alte Tradition – neu erfunden“ greift die Idee der Mitfahrerbank eine weitere Form der Nachbarschaftshilfe auf, welche die Initiatoren Norbert Bögle und Wolfgang Trautner von der „Initiative Füreinander – Miteinander Graben-Neudorf“ sehr lebhaft gezeigt haben.

Die Idee der „Neuen Nachbarschaftshilfe“ ist ein weiterer Ansatz für klimafreundliche Mobilität: Es kann ein Fahrzeug, z.B. ein emissionsfreies Elektroauto, angeschafft werden, das mittels ehrenamtlichen Engagements von Bürgern die Möglichkeit bietet, individuelle Fahrdienste vor Ort anzubieten. Vera Herzog, Vorstandsvorsitzende vom E-Fahrdienst „Wir verbinden Boxberg“ hat diesen Fahrdienst umfangreich vorgestellt. Ergänzend dazu, hat der Geschäftsführer der „Neckartal-Odenwald aktiv e.V., Martin Säurle, die LEADER Fördermöglichkeiten für Fahrdienste erläutert.

 

Eine weitere Möglichkeit zur besseren Auslastung von Fahrzeugen bietet das Teilen von Autos. Unter welchen Voraussetzungen sich Car-Sharing Modelle im Neckar-Odenwald-Kreis, auch mit Beteiligung der jeweiligen Gemeinde, umsetzen lassen, hat Amadeus Burkhardtsmayer von der Firma REGIOmobil aufgezeigt. Zusammenfassend gab es diesem Tag, so die einhellige Meinung der Teilnehmer, eine Menge an interessanten Fakten und Anregungen zum Thema Elektromobilität.

 

 

Auf dem Weg zum „Null-Emissions-Landkreis“ wird die Elektromobilität eine große Rolle spielen. Gemeindevertreter trafen sich zu einem Workshop im Rahmen des Klimaschutzorientierten Investitionsprogrammes des NOK im Z.E.U.S. in Buchen.                              Foto: AWN, Martin Hahn

Das Nutzfahrzeug Street Scooter, ein Gemeinschaftsprojekt der TU Aachen und Post/DHL, fand großes Interesse bei den Teilnehmern.                                                          Foto: AWN, Martin Hahn

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