„Was ich mache, ist ein Dürfen und kein Müssen“

Für Christoph Maul soll das Kabarett eine „Nebensache“ bleiben

Schillingsfürst. Der inzwischen weit über seinen Heimatort hinaus bekannte Kabarettist Christoph Maul hat durch Laientheaterauftritte erstmals die Aufmerksamkeit einer breiteren Öffentlichkeit auf sich gezogen. Im Jahr 2002 hatte er dann seinen ersten Auftritt bei der Faschingsgesellschaft „Frankemer Stupfl“ in der Schlossstadt. Wenige Jahre später schrieb man auf ihn zugeschnittene Stücke für erste Solo-Auftritte. „Das war eher Klamauk“, meint der 39-jährige heute, der im Hauptberuf als gelernter Betriebswirt bei einem Unternehmen in Neustadt an der Aisch beschäftigt ist.

 

Christoph Maul.

Erstmals widmete er sich dann in den Zeiten der globalen Finanzkrise auch dem politischen Kabarett und griff dabei auch aktuelle Tagesthemen auf. „Eigentlich bin ich ja kein Faschingskind“, beschreibt sich Maul, der vor wenigen Jahren geheiratet hat, selbst. „Trotzdem macht es mir Spaß, vor einem Publikum aufzutreten.“ Ab 2010 fand er dann seine Paraderolle als Hausmeister, der sich dem alltäglichen Wahnsinn annimmt. „Aus einer Laune heraus“, wie er sagt, hat er sich 2013 für die Casting-Show „Franken sucht den Super-Narren“ des Bayerischen Rundfunks beworben. „Unser Faschingsprogramm in Schillingsfürst kann mit dem Fernseh-Fasching mithalten“, war Maul schon damals überzeugt und belegte bei der Ausstrahlung im Jahr darauf gleich einen ausgezeichneten dritten Platz unter mehreren Hundert Bewerbern. Nur ein Jahr später war er dann nochmals dabei und schaffte es bis ins Halbfinale. Vor allem konnte er durch sein Dabeisein seinen Bekanntheitsgrad enorm steigern, was ihm kurz darauf erste Gastspiele bei auswärtigen Faschingsveranstaltungen ermöglichte. So wurde er für Auftritte in Bad Windsheim, Nürnberg und Würzburg gebucht. Im Laufe des Jahres gesellten sich weitere dazu und heute ist Christoph Maul in ganz Mittel- und Unterfranken ein gefragter Kabarettist. Je nach Dauer der Faschingszeit, so sagt er, komme er auf bis zu 30 bis 50 Auftritte pro Saison. Vor allem samstags ist er manchmal an einem Abend auf sechs verschiedenen Prunksitzungen oder Faschingsbällen im Einsatz. Beispielsweise fängt er dann um 19.40 Uhr in Emskirchen an und tritt andertags nach weiteren vier Auftritten an anderen Orten um 0.30 Uhr noch in seiner Heimatstadt Schillingsfürst auf, wo er immer noch „am liebsten“ auf die Bühne geht, wie er betont.

Bis zu 60 Termine im Jahr

Nebenbei ist der 39-jährige aber auch noch Vorsitzender des VfB „Franken“ Schillingsfürst und Mitglied beim Turn- und Sportverein (TSV) Schillingsfürst. Vor allem im kommenden Jahr zieht sich der Fasching lange hin und schon jetzt stehen 45 Termine ausschließlich bei anderen Faschingsgesellschaften – darunter viele in Würzburg und Nürnberg – fest. „Über 60 könnten es insgesamt werden“, vermutet der Schillingsfürster, der sich erst seit Einführung des „Politiker-Derbleckens“ in der Schlossstadt im Jahre 2016 so richtig dem eigentlichen Kabarett widmet. „Manchmal habe ich zehn Terminanfragen für einen Samstag“, kann sich der Humorist mitunter kaum mehr vor Anfragen retten. Sein Zeitplan ist deshalb minutiös getaktet, um den vielen Bewerbern gerecht zu werden. Über einen Fernsehauftritt kam er in diesem Jahr zu seiner weiteren Rolle als „Joker“. Während er im Fasching weiter als Hausmeister verkleidet auftritt, verzichtet er ansonsten eher auf eine Kostümierung. Im Normalfall finden sich zwischen 100 und 1000 Besucher im Publikum. Vor allem die Gastspiele in der Nürnberger Gartenstadt, im „KKC“ Bad Windsheim sowie in der Schwabacher Stadthalle ziehen regelmäßig die meisten Zuschauer an. In seinem aktuellen Programm „Mangel durch Überfluss“ folgt er dabei nicht nur statischen Inhalten, sondern baut immer wieder aktuelle und regionale Veränderungen ein. Kurzum: Christoph Maul gibt sich flexibel und reagiert dabei oft auf die Region bezogen oder auf tagesaktuelle Geschehnisse.

Maul Vor großem Publikum.

Mitunter begleitet ihn Liedermacher Martin Rohn

Sein ganzes Repertoire erstreckt sich damit von weltpolitischen Themen über Gesellschaftskritik bis hin zum reinen Fasching und Klamauk; dabei ist er aber oft politisch und auf die jeweilige Region bezogen. Vielfach stellt er sein Programm vor einem Auftritt noch kurzfristig um und reagiert damit auf aktuelle Begebenheiten am Rande. Beim reinen Kabarett ist dabei Martin Rohn aus Gailnau bei Wettringen immer sein kongenialer Partner.

Dieser begleitet ihn mit seinen selbst getexteten Gstanzln – oft in Mundart – nicht nur musikalisch, sondern leitet mit seinen Texten auf Sachverhalte über, die dann von Maul kabarettistisch aufgegriffen und abgehandelt werden. Bei den Faschingsauftritten ist Rohn in der Regel nicht mit auf der Bühne. Eine Ausnahme bildet hier der „Frankemer Stupfl“ in Schillingsfürst, wo der Liederbarde mit einem eigenen Programm auftritt.

Maul mit seinem Programm Mangel durch Überfluss.

Mittlerweile wird Christoph Maul nicht nur zu Faschings- und Kabarettveranstaltungen eingeladen, sondern erfreut das Publikum auch bei Firmenveranstaltungen, Weihnachtsfeiern, Comedy-Shows, so genannten „Lach-Nächten“ und ähnlichen Events. Meistens steht er dabei am Wochenende auf der Bühne; mitunter aber auch unter der Woche. „Was ich hier mache, ist ein Dürfen und kein Müssen“, sagt Maul reflektierend, der das auch so beibehalten möchte und deshalb weiter seinem Beruf nachgehen möchte. Der sehr selbstkritische Künstler steht mit großer Freude auf der Bühne und hegt keinen Neid gegenüber Kollegen. Er sieht es auch positiv, wenn er zwischen zwei Auftritten mal eine kleine Pause einlegen kann. „Mit Mitte 20 hätte ich vielleicht auch beruflich auf dieses Pferd gesetzt“, aber heute, mit fast 40 Jahren, will er sich einen Existenzdruck ersparen. Einen gewissen Zwang will er erst gar nicht aufkommen lassen, weshalb er die Zukunft gelassen auf sich zukommen lässt. Mitunter ist er selbst erstaunt, dass ihn so viele Menschen auf der Bühne sehen wollen. Ein großes Ziel wäre für ihn noch ein Mitwirken bei der „Närrischen Weinprobe“ in Würzburg, wie er versichert.

Dagegen hegt er kaum Gedanken über ein Dabeisein beim Franken-Fasching in Veitshöchheim. „Das wäre sicher ein Karrieresprung, muss aber auch nicht unbedingt sein“, wie er verrät. „Veitshöchheim kommt – oder es kommt nicht“, so seine Maxime. Sollte irgendwann einmal Schluss sein mit dieser Art der Unterhaltung, dann möchte der gelernte Betriebswirt seine letzten Auftritte in seiner Heimatstadt Schillingsfürst absolvieren. Jeder Auftritt sei für ihn eine Herausforderung, so der 39-jährige, der gerne Themen aufgreift, die ihn selbst beschäftigen oder im Alltag auch aufregen. Andere gingen in die Politik, um etwas zu ändern, er versuche dies eben über seinen Weg. Er will auch anregen, über politische Themen nachzudenken und will dabei Wahrheiten ansprechen und provokante Fragen stellen, so Maul, der keiner politischen Partei angehört und sich selbst als politisch neutral sieht. Oft „missbraucht“ er dabei sein Programm als Ventil für eigene Emotionen und Aufgeregtheiten. Sein Programm ist quasi er selbst, wie er sagt. Darin geht Maul oft den Weg von der kleinsten Region bis in die große weite Welt. Aber das ist eben seine Welt, wie er betont. Er braucht dabei auch nicht das „Bad in der Menge“. Es ist nur der Auftritt vor seinem Publikum, der ihn reizt und herausfordert.

Maul in der Paraderolle als Hausmeister.

 

Info: In der Region zu sehen ist Christoph Maul mit seinem Kabarettprogramm „Mangel durch Überfluss“ am 8. Juni in der Wolfhard-Schule in Herrieden, am 15. Juni im Festzelt am Sportgelände des FV Gebsattel sowie am 6. August bei einem „Open Air“ im Dinkelsbühler Landestheater (dort wird er begleitet vom Liedermacher Martin Rohn).

 

Text: Heinz Meyer                                                                                      Fotos: privat

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